Verstauchung: Wenn ein Gelenk überdehnt wird

Man spielt mit den Kindern, kraxelt über Stock und Stein beim Wandern oder joggt gerade eine Runde um den See – und dann passiert es: Der Fuß knickt um, der Knöchel ist verstaucht. Nicht nur Leistungssportler können sich eine Verstauchung (Distorsion) zuziehen. Doch wie kommt es zu einer Verstauchung, was sind die Symptome und wie lässt sie sich behandeln, damit die Schmerzen so schnell wie möglich nachlassen?

Was ist eine Verstauchung?

Kurz gesagt betrifft eine Verstauchung den Bänder-Kapsel-Apparat. Typisches Szenario, das zu einer Verstauchung führt, ist folgendes: Wir machen eine abrupte Bewegung oder stürzen. Dabei kann das Gelenk über sein normales Maß hinaus bewegt und die Bänder dabei überdehnt werden. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zum Bänderriss. Doch nicht nur die Bänder können bei einer Verstauchung in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern auch umliegendes Nervengewebe und Blutgefäße.

Verstauchung: Infos kompakt

Welche Körperteile sind besonders anfällig?

Sprung-, Hand-, Fingergelenk, Knie, Schulter

Gibt es Risikofaktoren?

Ja, zum Beispiel, wenn Sie sich nicht genügend aufwärmen, bevor Sie mit dem Training starten, oder Sie eine Sportart ausüben, bei der viele ruckartige Bewegungen gemacht werden, zum Beispiel beim Squash oder Volleyball. Auch eine extreme Beanspruchung des Körpers (wie im Profisport) kann ein Risikofaktor sein.

Was ist der Unterschied zwischen einer Verstauchung und einer Zerrung?

Bei einer Zerrung ist nicht nur das Band, sondern auch der Muskel betroffen.

Verstauchung: Die Symptome

Je nachdem, wie stark die Bänder geschädigt sind, gibt es drei Kategorien, die den Schweregrad der Verstauchung beschreiben:

Gelenkband/-bänder Schmerzen Schwellung Belastung des Gelenks
Grad 1 Faserstrukturen überdehnt keine bis leicht, können aber bei Bewegung schlimmer werden keine bis geringfügig weiterhin möglich
 Grad 2 Bänderfasern sind gerissen mäßig bis schwer vorhanden nur unter Schmerzen möglich; Ausbildung eines Blutergusses typisch
 Grad 3 kompletter Riss eines oder mehrerer Bänder stark stark nicht möglich; häufig Bluterguss vorhanden (24 Stunden nach Verstauchung)

Die Behandlung im Akutfall: Schmerz lass nach!

Unmittelbar, nachdem das sportliche Malheur passiert ist, sollten Sie die PECH-Regel anwenden.

  • Pause: Unterbrechen Sie sofort die Aktivität, die dazu geführt hat, dass Sie sich verletzt haben. Humpeln Sie nicht noch tapfer fünf Kilometer nach Hause, wenn Sie sich die Verstauchung zum Beispiel beim Joggen zugezogen haben. Rufen Sie lieber jemanden an, der Sie abholen und nach Hause oder direkt zum Arzt bringen kann.
  • Eis: Kühlen Sie die verletzte Körperstelle. Um lokale Erfrierungserscheinungen zu vermeiden, sollten Sie die Kühlkompresse nicht direkt auf die Haut legen. Wickeln Sie das Kühlpack zuvor am besten in einen Waschlappen oder ein Tuch ein.
  • Compression: Legen Sie einen Druckverband an – nicht zu locker, aber auch nicht zu fest –, um den verletzten Bereich zu schützen und durch den von außen erzeugten Gegendruck Blutergüssen und Schwellungen entgegenzuwirken.
  • Hochlagern: Lagern Sie das betroffene Körperteil hoch. Somit kann das Blut wieder zum Herzen zurückfließen, anstatt sich an der Stelle der Verstauchung zu stauen.

Es ist schon vorgekommen, dass Verletzte fälschlicherweise von einer Verstauchung ausgegangen sind, obwohl es sich bei der Verletzung um einen Knochenbruch (Fraktur) handelte. Klingen die Schmerzen auch nach ein bis zwei Tagen nicht ab, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, der Sie beispielsweise röntgen wird und eine eindeutige Diagnose stellt.

Wärme oder Kälte?

Tatsächlich ist Kälte in der Akutphase besser. Durch die Kälte fährt der Gewebestoffwechsel herunter und die Blutgefäße ziehen sich zusammen (Vasokonstriktion). Einblutungen ins Gewebe und Schwellungen können so reduziert werden. Zudem werden auch weniger Entzündungsstoffe ausgeschüttet. Nicht zu vernachlässigen ist die angenehme schmerzlindernde Wirkung bei Kühlung.

Weitere Tipps zur Behandlung

Nur leichte Verstauchungen können zuhause und in Eigenregie behandelt werden, indem das Gelenk geschont, bandagiert und gekühlt wird. Sind die Bänder „nur“ überdehnt, sollten die Beschwerden auch nach spätestens einer Woche abgeklungen sein. Gegen die Schmerzen und Schwellungen helfen Salben und Gele mit Wirkstoffen aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen.

Gute Dienste bei Verstauchungen können auch einige Heilpflanzen leisten, wie zum Beispiel Beinwell. Für einen Umschlag mit Beinwell kochen Sie 100 Gramm der getrockneten Beinwellwurzel (erhältlich in der Apotheke) etwa zehn Minuten lang mit einem Liter Wasser auf. Tränken Sie ein Tuch mit der abgekühlten, aber noch warmen Mischung und legen Sie es 20 Minuten auf die von der Verstauchung betroffene Körperstelle. Das ist Ihnen zu umständlich? Es gibt auch ebenso wirksame Beinwellsalben, die Sie ganz leicht auftragen können. Achtung: Beinwell ist in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht geeignet.

Lieber nicht:

Machen Sie nichts, was die Durchblutung fördert, da das nur die Schwellung verstärken und den Heilungsprozess negativ beeinflussen würde. Eine Regel, die sich leicht merken lässt, ist die sogenannte HARM-Regel:

Vermeiden Sie also:

  • Heat (Hitze): zum Beispiel in Form von Bädern, Saunagängen oder einer Wärmflasche
  • Alcohol (Alkohol): für mindestens 24 Stunden nach der Verstauchung
  • Running (Bewegen)
  • Massage

Bei Verstauchungen mit dem Schweregrad 2 oder 3 sieht es hingegen anders aus: Hier ist eine ärztliche Behandlung notwendig. Eine Physiotherapie kann diese sinnvoll ergänzen beziehungsweise daran anknüpfen. Wer darauf verzichtet und den Bändern nicht genügend Zeit zum Heilen gibt, riskiert bleibende Schäden wie eine dauerhafte Gelenkinstabilität, die einen frühzeitigen Gelenkverschleiß, eine sogenannte Arthrose, begünstigen kann. Bei einer Verstauchung des zweiten Grades kann es drei bis vier Wochen dauern, bis das Gelenk wieder voll einsatzfähig ist. Ist das Band beziehungsweise sind mehrere Bänder komplett gerissen (Schweregrad 3), können es sogar mehrere Monate sein.

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