Morphium: Rausch- oder Heilmittel?

Die Substanz Morphium hat eine lange Geschichte – als Heilmittel gegen Schmerzen aber auch als Rauschmittel. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts isolierte der deutsche Apothekergehilfe Friedrich Sertürner Morphium aus dem Rauschmittel Opium, welches im Saft von Schlafmohnkapseln enthalten ist. Der Einsatz von Morphium reicht aber wohl Jahrhunderte oder gar Jahrtausende zurück. In der modernen Medizin wird es gegen starke Schmerzen eingesetzt.

Morphium: Einsatz bei starken Schmerzen

Die quälenden Beschwerden, die eine Morphiumbehandlung erfordern, entstehen zum Beispiel nach einer

  • Operation,
  • einem Unfall oder
  • Herzinfarkt sowie
  • bei Tumorpatienten.

Im Gegensatz zu leichteren Schmerzmitteln ist Morphium nur mit einem ärztlichen Betäubungsmittelrezept in der Apotheke erhältlich. Denn Morphium und morphinähnliche Substanzen gegen Schmerzen – sogenannte Opioidekönnen zu einer Sucht führen und unterliegen daher strengeren Gesetzen (Betäubungsmittelgesetz), um einen Missbrauch zu verhindern. Außerdem wird die Morphiumtherapie gegen Schmerzen genau vom Arzt überwacht, um die Gefahr einer Abhängigkeit möglichst klein zu halten.

Gut zu wissen:

Unser Körper benötigt nicht zwangsläufig Medikamente, um Schmerzen zu unterdrücken. Denn er verfügt auch über ein System, das in Ausnahmesituationen wie unter starkem Stress Schmerzen für kurze Zeit unterdrückt. Daher empfinden Betroffene nach einem Unfall häufig noch keinen Schmerz und bemerken die eigene Verletzung erst, wenn der Schock nachlässt. Dabei spielen bestimmte Botenstoffe eine Rolle, die dem Morphium ähnlich sind.

Morphium wirkt schmerzlindernd, aber auch euphorisierend

Wie wirkt Morphium im Körper? Die Substanz beeinflusst das körpereigene schmerzstillende System. Dazu bindet sie im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) an bestimmte Andockstellen (Rezeptoren), wodurch die Schmerzempfindlichkeit der Nervenenden sinkt und die Weiterleitung von Schmerzreizen blockiert wird. Der Stoff wirkt nicht nur direkt im zentralen Nervensystem, sondern auch an Nerven im übrigen Körper.

Wie schon die Bezeichnung als „Betäubungsmittel“ vermuten lässt, dämpft Morphium neben den Schmerzen auch das Bewusstsein. Patienten, die das Medikament verabreicht bekommen, werden daher schläfrig. Außerdem wirkt Morphium euphorisierend, das heißt, es hebt die Stimmung.

Nebenwirkungen von Morphium auf einen Blick

Wie andere starke Schmerzmittel kann Morphium Nebenwirkungen verursachen. So schränkt es unter Umständen die Darmfunktion ein und kann zu Verdauungsproblemen wie Verstopfung führen. Daneben erregt der Stoff im Gehirn das Brechzentrum, daher leiden einige Patienten vor allem zur Beginn der Therapie unter Übelkeit und Erbrechen.

Außerdem verringert das Medikament die Atmungstätigkeit, verlangsamt den Herzschlag und unterdrückt den Hustenreiz. Die Ausscheidung giftiger Stoffe über den Harn kann durch Morphium bei einigen Patienten verringert werden.

Kapsel, Tablette oder doch eine Morphiumspritze?

Dem behandelnden Arzt stehen verschiedene Darreichungsformen von Morphium zur Verfügung. Welche er wählt, hängt davon ab, wie akut die Beschwerden sind. Treten plötzlich starke Schmerzen auf, ist schnelle Hilfe nötig. Zur Bekämpfung kann der Arzt eine Morphiumspritze in den Muskel, die Vene oder den Rückenmarksbereich verabreichen, deren Wirkung zwischen drei und vier Stunden anhält.

Gegen chronische Schmerzen werden dagegen andere Darreichungsweisen von Morphium bevorzugt, die langsamer, aber dafür länger wirken. Mittel der Wahl sind sogenannte retardierte Mittel, die ihre Wirkstoffe langsam freisetzen. Dadurch bleibt der Patient möglichst lange schmerzfrei, ohne ständig Medikamente einnehmen zu müssen. Morphium in retardierter Form gibt es als

  • Tabletten,
  • Kapseln und
  • Granulat.

Die Präparate können bis zu zwölf Stunden wirken. Die schmerzlindernde Wirkung von Tabletten, Zäpfchen oder Tropfen ohne Retardierung hält zwischen vier und sechs Stunden.

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