Spannungskopfschmerzen – woran man sie erkennt und was dagegen hilft

2. Juli 2020
13 Min.

Der Schmerz drückt dumpf auf den Kopf, es fühlt sich an, als wäre der Kopf in einen Schraubstock eingespannt – Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerztyp. Mediziner gehen davon aus, dass etwa drei Prozent der Bevölkerung täglich unter Spannungskopfschmerz leiden.1 Doch was sind die Ursachen, wie stellt der Arzt die Diagnose und was hilft gegen die Beschwerden?

Überblick:


Die häufigsten Fragen zu Spannungskopfschmerz:

Wie fühlt sich der Spannungskopfschmerz an?

Er wird meist als dumpf, drückend und mittelstark beschrieben.

Wie lange halten die Beschwerden an?

Die Schmerzen können zwischen 30 Minuten und 7 Tagen andauern.2

Wie entstehen Spannungskopfschmerzen?

Die Ursachen sind noch nicht genau bekannt. Als Risikofaktoren gelten unter anderem jedoch muskuläre Verspannungen und Stress.

Wann zum Arzt?

Wer häufiger an starken Schmerzen leidet, sollte dies vorsichtshalber durch einem Mediziner abklären lassen.

Wie lassen sich Spannungskopfschmerzen lindern?

Gegen akute Schmerzattacken haben sich rezeptfreie Medikamente mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen oder Naproxen bewährt. Ebenso kann Pfefferminzöl zur Linderung auf die Schläfen aufgetragen werden.

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Welche Arten von Spannungskopfschmerz gibt es?

Es existieren drei Hauptformen des Kopfschmerzes vom Spannungstyp, die sich aus dem zeitlichen Verlauf heraus ergeben:

  • seltene episodische Verlaufsform: weniger als 12 Kopfschmerztage jährlich
  • häufige episodische Verlaufsform: durchschnittlich an 1 bis 14 Tagen pro Monat über mindestens drei Monate oder zwischen 12 und 180 Kopfschmerztage jährlich
  • chronische Verlaufsform: mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat in den letzten drei Monaten oder mehr als 180 jährlich3

Am häufigsten treten Spanungskopfschmerzen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf.3 Die Beschwerden können sich aber auch bereits im Kindesalter oder erstmals im höheren Lebensalter zeigen.

Spannungskopfschmerz in Zahlen

  • 82 Prozent2 der Betroffenen geben an, die Arbeitsproduktivität leide unter den Schmerzen.4
  • 4 Prozent lassen sich regelmäßig, 15 Prozent gelegentlich krankschreiben.4

Symptome: Wie fühlt sich Spannungskopfschmerz an?

Eine Frau mit Spannungskopfschmerzen liegt im Bett

Spannungskopfschmerzen lassen sich durch folgende Kriterien charakterisieren:

  • dumpf-drückend oder ziehend, nicht pulsierend
  • leichte bis mittlere Schmerzintensität
  • beidseitiger Kopfschmerz, mit Betonung in der Stirn oder dem Hinterkopf
  • wird nicht durch körperliche Routineaktivitäten wie Treppensteigen verstärkt

Je nachdem, ob es sich um eine episodische oder chronische Form handelt, lassen sich die Symptome noch näher spezifizieren:

  episodisch chronisch
Kopfschmerzdauer zwischen 30 Minuten und sieben Tagen (bei unbehandeltem Verlauf)2 für Stunden anhaltend oder kontinuierlich vorhanden
Übelkeit, Erbrechen nein kein Erbrechen; Übelkeit – falls vorhanden – nur gering ausgeprägt
Seh-, Sprech-, Sensibilitätsstörungen nein nein
Lichtüberempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit höchstens ein Symptom ist vorhanden; beide zusammen können auf eine Migräne hinweisen höchstens eines ist vorhanden: Licht- oder Lärmempfindlichkeit oder milde Übelkeit

Oder doch Migräne?

Die Symptome von Spannungskopfschmerz ähneln oftmals stark denen einer Migräne. Denn auch bei dieser Kopfschmerzart können Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit auftreten.

Ein wichtiger Hinweis für Ärzte ist daher die Frage, ob sich die Kopfschmerzen bei körperlicher Belastung verändern. Nehmen sie in diesem Fall an Intensität zu oder ändert sich der Charakter von dumpf beziehungsweise drückend in stark pulsierend, lässt das eher auf eine Migräne schließen.2

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Ursachen für Spannungskopfschmerzen

Über die genauen Mechanismen, die für Spannungskopfschmerzen verantwortlich sind, spekulieren Experten noch. Der gängigsten Theorie zufolge spielt die Anspannung der Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur eine große Rolle. Auf Dauer könne dies zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn führen, Muskelveränderungen scheinen hingegen nicht zu bestehen. Bei Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen konnten anhand bildgebender Verfahren Veränderungen in Hirnarealen, die für die Schmerzverarbeitung verantwortlich sind, festgestellt werden.

Im Gegensatz zu den genauen Ursachen, besteht mehr Einigkeit bezüglich der Risikofaktoren. Dazu zählen:

  • nächtliches Zähneknirschen und Zähnepressen (Bruxismus)
  • psychosozialer Stress (Arbeit, Familie, Alltag)
  • muskuläre Verspannungen durch intensives Sporttraining
  • ungünstige Arbeitspositionen (zum Beispiel Dauersitzen) oder Schlafbedingungen (unpassende Matratzen und Kissen)
  • Traumata (beispielsweise infolge eines Unfalls)
  • psychische Erkrankungen (wie Depression)
  • angeborener Mangel an körpereigenen Botenstoffen, die die Schmerzfilter im Gehirn steuern

Aber auch der häufige Konsum von Schmerz- und Beruhigungsmitteln stört die Funktion der Schmerzfilter. Die Botenstoffe, die die Schmerzfilter im Gehirn steuern, werden permanent aktiviert – das Depot an Nervenbotenstoffen im Gehirn schrumpft und die Schmerzschwelle sinkt.

Wann sollten Sie bei Spannungskopfschmerzen zum Arzt gehen?

Frau lässt sich wegen ständiger Spannungskopfschmerzen beim Arzt untersuchen.

Gelegentlich auftretende akute Spannungskopfschmerzen verschwinden meist nach kurzer Zeit von allein wieder und können beispielsweise mithilfe von Schmerzmitteln gelindert werden. Wer häufiger einen dumpf-drückenden Kopf hat, sollte dies aber unbedingt von einem Hausarzt abklären lassen. Und auch wer sehr viele Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen einnimmt, sollte besser einen Arzt aufsuchen. Denn der Übergebrauch von diesen Medikamenten ist kontraproduktiv – auf Dauer können die Schmerzmittel nicht nur ihre Wirkung verlieren, es kann auch ein Medikamenten induzierter Kopfschmerz entstehen.

In der Arztpraxis beginnt der Mediziner seine Diagnose zunächst mit einer ausführlichen Befragung (Anamnese). Von Interesse ist beispielsweise:

  • die Häufigkeit der Beschwerden
  • der Schmerzcharakter
  • Veränderungen bei körperlicher Aktivität
  • die Einnahme von Medikamenten
  • Auftreten weiterer Symptome (zum Beispiel Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit)

Darüber hinaus muss der Arzt ausschließen, dass die Schmerzen nicht auf eine andere Ursache zurückzuführen sind (sekundäre Kopfschmerzen). Daher überprüft er mithilfe verschiedener Untersuchungen grob die Funktion von Gehirn und Rückenmark sowie der Reflexe (zum Beispiel der Pupillen). Durch das Abtasten der Nacken- und Gesichtsmuskulatur stellt er fest, ob Verspannungen die Auslöser sein könnten.

Zudem stehen dem Mediziner weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung, mit denen Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden können. Anhand von Liquor- und Blutuntersuchungen lässt sich beispielsweise eine Meningitis (Hirnhautentzündung) feststellen, eine Magnetresonanztomographie (MRT) wird bei Verdacht auf eine Hirnvenen- und Sinusthrombose durchgeführt. Dazu verweist der Hausarzt seine Patienten in der Regel an Spezialisten (zum Beispiel an einen Facharzt für Neurologie).

Unser Tipp!

Je mehr sachliche Informationen der Arzt über den Verlauf der Schmerzattacken erhält, desto besser. Sehr hilfreich ist es daher, wenn Patienten ein Kopfschmerz-Tagebuch führen, in das sie alle wichtigen Informationen eintragen.

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Therapie: Was hilft gegen den Spannungskopfschmerz?

Die Behandlung von Spannungskopfschmerzen lässt sich unterschiedlich gestalten – mit medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie. Zudem wird berücksichtigt, ob die Beschwerden episodisch oder chronisch sind:

Behandlung von episodischem Spannungskopfschmerz

Bei nur sporadisch auftretenden Kopfschmerzen ist in der Regel keine ärztliche Behandlung notwendig. Zur Therapie eignen sich vor allem frei verkäufliche Schmerzmittel (Analgetika) mit den Wirkstoffen:

Grundsätzlich gilt: Es ist wichtig, dass eine Einnahme und Dosierung gemäß den Angaben auf dem Beipackzettel erfolgt, Nebenwirkungen beachtet und Medikamente nicht zu häufig eingenommen werden, da sonst die Gefahr eines medikamentenbedingten Dauerkopfschmerzes besteht.

Neben der Einnahme von Schmerzmitteln ist zudem Ruhe wichtig. Betroffene sollten sich – wenn möglich – entspannen. Dabei können Übungen wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training helfen. Zudem empfinden viele Patinen Wärmeanwendungen und Massagen als wohltuend. Und auch pflanzliche Mittel, wie auf die Stirn- und Schläfenhaut oder den Nacken aufgetragenes Pfefferminzöl, unterstützen dabei, die Schmerzen abklingen zu lassen.5

Was hilft bei chronischen Spannungskopfschmerzen?

Bei der Behandlung chronischer Kopfschmerzen vom Spannungstyp stehen nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren im Vordergrund. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt Allgemeinmaßnahmen wie einen geregelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und Pausen sowie regelmäßiger sportlicher Betätigung und Stressreduktion.6

Es gibt aber auch Medikamente, die in der Therapie gegen chronischen Spannungskopfschmerz Anwendung finden – allen voran trizyklische Antidepressiva. Denn diese wirken sich nicht nur positiv auf die Stimmungslage aus, sondern bremsen auch die Weiterleitung der Schmerzreize an den Schaltstellen des Nervensystems. Die Dosierung wird meist langsam erhöht, um Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Gewichtszunahme oder Müdigkeit zu verringern. Eine Verbesserung der Beschwerden ist zudem erst nach 4 bis 8 Wochen feststellbar.

Daneben werden manchmal Muskelrelaxantien und Antiepileptika eingesetzt. Über die Wirkweise dieser Substanzen liegen jedoch bisher noch nicht ausreichende beziehungsweise widersprüchliche Ergebnisse vor.3

Wichtig!

Lassen Sie sich unbedingt über Wirkweise, Dosierung und mögliche Neben- und Wechselwirkungen der verschreibungspflichtigen Medikamente von Ihrem Arzt aufklären.

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Wie kann Kopfschmerz vom Spannungstyp vorgebeugt werden?

Ein chronischer Verlauf entwickelt sich vor allem bei Menschen, die vorher bereits gelegentlich unter Spannungskopfschmerz gelitten haben. Damit das nicht passiert, sind vorbeugende Maßnahmen sinnvoll. Dazu gehören:

  • regelmäßiges Ausdauertraining: Es wird empfohlen, sich etwa dreimal pro Woche für 30 bis 40 Minuten körperlich zu betätigen. Ob Schwimmen, Inline-Skating oder Joggen ist dabei egal. Hauptsache das Training macht Spaß!
  • Stressbewältigung: Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Co. – es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Entspannungstechniken. Diese können in speziellen Kursen erlernt werden, die oftmals von Krankenkassen oder Volkshochschulen angebotenen werden. Welches Verfahren dabei am besten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
  • Biofeedback: Das ist ein Trainingsverfahren, bei dem Körperfunktionen wie die Kopfmuskelaktivität oder der Pulsschlag anhand eines speziellen Geräts gemessen und in Form von sichtbaren oder akustischen Reizen an den Patienten rückgemeldet werden („feedback“). In der Therapie lernen die Patienten, wie sie bestimmte Körperfunktionen gezielt beeinflussen und steuern können. Ziel ist es, beispielsweise den Atem zu kontrollieren oder bewusst die Muskeln zu lockern.

Locker in 100 Sekunden

Zugegeben: Es sieht komisch aus, aber auch hin und wieder etwas Gesichtsgymnastik kann zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen hilfreich sein. Und so geht es: Ziehen Sie für 5 Sekunden die Augenbrauen nach oben, dann lassen Sie wieder locker. Anschließend ziehen Sie die Schultern zu den Ohren und halten diese Position ebenfalls für 5 Sekunden. Beide Übungen wiederholen Sie etwa 10 Mal. Der positive Nebeneffekt: Sie unternehmen gleich noch etwas gegen Gesichtsfalten.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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