Spannungskopfschmerz – der angespannte Kopf

Der Schmerz drückt dumpf auf den Kopf, es fühlt sich an, als wäre der Kopf in einen Schraubstock eingespannt – Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerztyp. Mediziner gehen davon aus, dass zwei bis drei Prozent der Bevölkerung täglich unter Spannungskopfschmerz leiden.1 Doch was tun gegen den Kopfschmerz vom Spannungstyp? Welche Medikamente und nicht medikamentöse Behandlungen versprechen Schmerzlinderung?

Welche Arten von Spannungskopfschmerz gibt es?

Es gibt drei Hauptformen des Kopfschmerzes vom Spannungstyp, die sich aus dem zeitlichen Verlauf heraus ergeben:

  • seltene episodische Verlaufsform: weniger als 12 Kopfschmerztage jährlich
  • häufige episodische Verlaufsform: zwischen 12 und 180 Kopfschmerztage jährlich
  • chronische Verlaufsform: mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat oder mehr als 180 jährlich

Meist klagen die Betroffene zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr über häufige Spannungskopfschmerzen, die Beschwerden können sich aber auch bereits im Kindesalter oder erstmals im höheren Lebensalter zeigen.

Spannungskopfschmerz: Symptome

Folgende Kriterien führen zu einem diagnostizierten Spannungskopfschmerz:

  episodisch chronisch
Kopfschmerzdauer zwischen 30 Minuten und sieben Tagen (bei unbehandeltem Verlauf) für Stunden anhaltend oder kontinuierlich vorhanden
Übelkeit, Erbrechen nein kein Erbrechen; Übelkeit – falls vorhanden – nur gering ausgeprägt
Seh-, Sprech-, Sensibilitätsstörungen nein nein
Lichtüberempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit höchstens ein Symptom ist vorhanden; beide zusammen können auf eine Migräne hinweisen höchstens eines ist vorhanden: Licht- oder Lärmempfindlichkeit oder milde Übelkeit

Episodischer und chronischer Spannungskopfschmerz – bei beiden Formen treffen mindestens zwei Schmerzcharakteristika zu:

  • dumpf-drückend oder ziehend, nicht pulsierend
  • leichte bis mittlere Schmerzintensität
  • beidseitiger Kopfschmerz, mit Betonung in der Stirn oder dem Hinterkopf
  • wird nicht durch körperliche Routineaktivitäten wie Treppensteigen verstärkt

Spannungskopfschmerz in Zahlen

  • 82 Prozent2 der Betroffenen geben an, die Arbeitsproduktivität leide unter den Schmerzen.
  • 4 Prozent lassen sich regelmäßig, 15 Prozent gelegentlich krankschreiben.3

Wie entsteht der Spannungskopfschmerz?

Anders als bei der Migräne werden Erbanlagen als Ursache für die Kopfschmerzen ausgeschlossen. Funktionen des Nervensystems können auf unterschiedlichste Art und Weise überbeansprucht oder gestört sein, Mediziner sprechen daher von multifaktoriellen Ursachen, die zusammenspielen.


Mögliche Ursachen für Spannungskopfschmerzen

  • gestörtes Schmerzkontrollsystem: Botenstoffe (Neurotransmitter) wie Serotonin steuern die Schmerzfilter im Gehirn. Sind ausreichend Botenstoffe vorhanden, ist das Schmerzempfinden normal. Ist der Vorrat an Botenstoffen beispielsweise durch körperlichen oder psychischen Stress erschöpft, öffnen sich die Schmerzfilter weit und die Schmerzinformationen strömen ungesteuert in das Gehirn. Kopfschmerzen entstehen.
  • Funktionsstörung des Kauapparats: Zähneknirschen und Zähnepressen, welches unbewusst und besonders im Schlaf stattfindet, führt zu starken Verspannungen der Kau-, Kiefer- und Gesichtsmuskulatur. Die Folge sind Kopfschmerzen, mit ausstrahlenden Schmerzen in Schläfen und Stirn.
  • psychosozialer Stress: Stress kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Stress im Beruf, in der Familie oder Partnerschaft, bei Entwicklungskonflikten (Pubertät etc.) sowie durch Schlafmangel ausgelöster Stress sind nur ein paar Beispiele.
  • Angst: Befindet sich der Körper in einem Angstzustand, werden die Nervenbotenstoffe besonders stark aktiviert. Ängste lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen: Existenzängste, Leistungsangst und soziale Angst.
  • Depression: Mehr als zwei Drittel der Betroffenen, die an Spannungskopfschmerz leiden, weisen psychische Störungen auf, meist Depressionen.4 Sind zu wenig Nervenbotenstoffen im Gehirn vorhanden, kann dies die Entstehung einer Depression begünstigen. Symptome wie Appetitlosigkeit, eine niedergeschlagene Stimmung, chronische Müdigkeit und Konzentrationsstörungen können auf eine Erschöpfungsdepression hinweisen, aber genauso gut infolge jahrelanger Kopfschmerzen auftreten.
  • muskulärer Stress: Muskuläre Verspannungen beeinflussen die stressverarbeitenden Systeme im Gehirn. Zu einer Überbeanspruchung von Muskeln kommt es bei intensivem Sporttraining, durch ungünstige Arbeitspositionen, zum Beispiel Dauersitzen, oder eine mangelhafte Schlafhygiene, sprich zu wenig Schlaf, unpassende Matratzen und Kissen. 
  • Medikamentenübergebrauch und -missbrauch: Auch der häufige Konsum von Schmerz- und Beruhigungsmitteln stört die Funktion der Schmerzfilter. Die Botenstoffe, die die Schmerzfilter im Gehirn steuern, werden permanent aktiviert – das Depot an Nervenbotenstoffen im Gehirn schrumpft und die Schmerzschwelle sinkt.
  • primärer Mangel: Im Körper werden zu wenige körpereigene Botenstoffe gebildet oder zu langsam nachgebildet – ein meist angeborenes Charakteristikum, dem keine bestimmte Störung zugrunde liegt. Sind zu wenige Botenstoffe vorhanden, geraten die schützenden Schmerzfilter im zentralen Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Schmerzinformationen gelangen unkontrolliert ins Gehirn, was schlussendlich die Kopfschmerzen auslöst.

Versuchen Sie, den Kreislauf aus Anspannung, Stress und Schmerz frühzeitig zu durchbrechen, um chronische Spannungskopfschmerzen zu vermeiden. Die chronische Schmerzkrankheit entsteht, wenn schmerzreizproduzierende Nervenzellen überaktiv werden; wenn sie also ständig oder bereits bei kleinen Reizen Impulse absetzen und die körpereigenen schmerzhemmenden Nervensignale blockieren.

Spannungskopfschmerz: Therapie

Die Behandlung von Spannungskopfschmerzen lässt sich unterschiedlich gestalten – mit medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapie.

Behandlung von episodischem Spannungskopfschmerz

Hier helfen Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, ein Stressbewältigungstraining sowie Wärmeanwendungen und Massagen weiter. Pflanzliche Mittel wie auf die Stirn- und Schläfenhaut oder den Nacken aufgetragenes Pfefferminzöl helfen, die Schmerzen abklingen zu lassen. Auch Biofeedback wird angewandt. Das ist ein Trainingsverfahren, bei dem Körperfunktionen wie die Kopfmuskelaktivität oder der Pulsschlag anhand eines speziellen Geräts gemessen und in Form von sichtbaren oder akustischen Reizen an den Patienten rückgemeldet werden („feedback“).

In der Therapie lernen die Patienten, wie sie bestimmte Körperfunktionen gezielt beeinflussen und steuern können. Ziel ist es, beispielsweise den Atem zu kontrollieren oder bewusst die Muskeln zu entspannen. Neben nicht medikamentösen Therapiemöglichkeiten werden bei episodischem Kopfschmerz auch Medikamente eingesetzt, die beispielsweise die Wirkstoffe Azetylsalizylsäure, Paracetamol, Ibuprofen oder Naproxen enthalten. Grundsätzlich gilt: Es ist wichtig, dass eine richtige Einnahme und Dosierung erfolgt, Nebenwirkungen beachtet und Medikamente nicht zu häufig eingenommen werden, da sonst die Gefahr eines medikamentenbedingten Dauerkopfschmerzes besteht.  

Was hilft bei chronischen Spannungskopfschmerzen?

Nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren stehen im Vordergrund. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft rät, sich mit leichter sportlicher Betätigung, progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen und Stressbewältigungstraining gegen Belastungsfaktoren zu wappnen. Es gibt aber auch Medikamente, die in der kontinuierlichen Vorbeugung gegen chronischen Spannungskopfschmerz Anwendung finden: trizyklische Antidepressiva, die entweder den Wirkstoff Amitriptylin oder Amitriptylinoxid enthalten. Lassen Sie sich jedoch unbedingt über Wirkweise, Dosierung und mögliche Neben- und Wechselwirkungen der verschreibungspflichtigen Medikamente von Ihrem Arzt aufklären.

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1 DocCheck Flexikon. URL: http://flexikon.doccheck.com/de/Spannungskopfschmerz (Juni 2017).
2 Füller, Ingrid: Kopfschmerzen und Migräne, 2016, S. 78, ISBN 978-3-937880-22.
3 Ebd.
4 Füller, Ingrid: Kopfschmerzen und Migräne, 2016, S. 85, ISBN 978-3-937880-22-8.