Die Angina gehört zu den häufigsten Krankheiten

Über 100.000 Mal pro Jahr stellen Ärzte in Deutschland die Diagnose Angina (auch Tonsillitis oder Angina tonsillaris genannt). Es handelt sich dabei um eine Entzündung der im Rachenraum gut sichtbaren Gaumenmandeln (Tonsillen). Wissenswertes zu entzündeten Mandeln finden Sie hier!

Eine akute Mandelentzündung (Angina) ist äußerst schmerzhaft

Die Symptome einer akuten Angina beginnen meist sehr plötzlich. Typisch sind dabei:

  • starke Halsschmerzen, die eventuell bis zu den Ohren ausstrahlen
  • hohes Fieber
  • ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl sowie Kopfschmerzen
  • stark und teilweise schmerzhaft geschwollene Lymphknoten
  • Beschwerden beim Schlucken und eine kloßige Sprache

Die Mandeln selbst sind sichtlich gerötet und geschwollen. Bei einer bakteriellen Infektion sind meist deutlich weißlich-gelbe Flecken zu sehen. Es handelt sich um Ausscheidungsprodukte der Bakterien, die auch Eiterstippchen genannt werden.

Die Dauer einer Mandelentzündung

Eine Angina dauert in etwa ein bis zwei Wochen. Auch abhängig davon, ob sie mit Antibiotika, anderen Medikamenten, homöopathisch oder mit altbewährten Hausmitteln behandelt wird. Nicht richtig ausgeheilt kann sie zu Komplikationen führen.

Eine verschleppte Angina kann zu einer chronischen Tonsillitis führen

Man unterscheidet zwischen akuter Tonsillitis und immer wiederkehrender akuter Tonsillitis, häufig als chronische Tonsillitis bezeichnet.

  • Die akute Tonsillitis ist eine sehr schmerzhafte Entzündung der Gaumenmandeln. Es handelt sich um eine äußerst ansteckende Erkrankung, die per Tröpfcheninfektion übertragen wird, also beim Niesen und Husten, aber auch beim Reden und Küssen. Die Ausheilung der Angina dauert, je nach Behandlung, zwischen ein und zwei Wochen.
  • Bei Patienten, die häufig unter einer akuten Mandelentzündung leiden, können Bakterien, die sich in den Mandelfurchen eingenistet haben, eine chronische Entzündung des Gewebes auslösen. Eine chronische Mandelentzündung dauert mindestens drei Monate.

Die Beschwerden bei der chronischen Form der Angina sind meist nicht so schlimm wie bei einer akuten Tonsillitis. Mundgeruch sowie ein schlechter Geschmack im Mund sind charakteristische Anzeichen, ebenso Schluckbeschwerden. Die chronische Mandelentzündung tritt vor allem dann auf, wenn eine akute Mandelentzündung verschleppt oder die Behandlung mit Antibiotika abgebrochen wurde. In seltenen Fällen können schwerwiegende Folgeerkrankungen wie zum Beispiel ein Herzklappenfehler entstehen.

Eine Angina kann sowohl von Viren als auch von Bakterien ausgelöst werden

Eine Angina kann durch Viren aber auch durch Bakterien hervorgerufen werden. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um eine bakterielle Infektion oder eine bakterielle Superinfektion, die auf eine durch Viren hervorgerufene Entzündung folgen kann.

Bei den Bakterien kommen vor allem  Streptokokken oder Staphylokokken als Auslöser infrage, manchmal auch Pneumokokken oder der Keim Hämophilus influenza (HiB). Die Bakterien sind bei entzündeten Mandeln aufgrund ihrer Ausscheidungen relativ leicht zu erkennen. Erfahren Sie hier mehr zu den Ursachen.

Tipp gegen die Ansteckung mit einer Angina:

Eine virale Angina wird häufig von Husten und Schnupfen begleitet. Hat man früher in die offene Hand gehustet, so werden Kinder heute dazu angehalten, ein Taschentuch oder notfalls die Elle zu nutzen. Denn nur so kann vermieden werden, dass durch ihre Hände Erreger übertragen werden.

Eine eitrige Angina ist sehr ansteckend. Wird ein Antibiotikum verabreicht, darf man frühestens einen Tag nach Start der Therapie wieder in Kindergarten, Schule oder Arbeit.

Behandlungsmöglichkeiten: Bei einer Angina wird heute seltener operiert

Die Entfernung von entzündeten Mandeln ist in Deutschland immer noch eine der häufigsten Operationen, wobei die Zahlen rückläufig sind. Denn da die Mandeln ein wichtiger Baustein im menschlichen Immunsystem sind, müssen mindestens folgende Punkte erfüllt sein, damit eine Entfernung der Gaumenmandeln in Betracht kommt:

  • Mindestalter von sieben Jahren
  • trotz antibiotischer Behandlung immer wiederkehrende Infekte
  • stark vergrößerte Mandeln, die zu Schluck- und Atemprobleme führen

Neben der kompletten Entfernung der Mandeln ist in manchen Fällen auch eine Teilentfernung möglich. So kann die Schutzfunktion des Gewebes erhalten bleiben.

Zudem gibt es verschiedene andere Möglichkeiten, eine Mandelentzündung zu behandeln. Neben schmerzstillenden und fiebersenkenden Medikamenten kommen auch Hausmittel zur Linderung der Beschwerden infrage. Bei einer bakteriellen Infektion verschreibt der behandelnde Arzt zudem gegebenenfalls Antibiotika.

Kinder sind besonders häufig von Angina betroffen

Dass vor allem Kinder von der Angina betroffen sind, liegt daran, dass das kindliche Immunsystem in den ersten Jahren noch dazulernt und die Mandeln dadurch viel zu tun haben. Jeder Fremdkörper wird zunächst als potenzieller Feind betrachtet, der das körpereigene Abwehrsystem aktiviert und trainiert. In den ersten Lebensjahren, in denen die Mandeln besonders viel leisten müssen, wachsen sie. Spätestens ab dem achten Lebensjahr schrumpfen sie wieder.  

Hätten Sie’s gewusst?

Bei Kindern sind die Gaumenmandeln manchmal so vergrößert, dass sie sich in der Mitte treffen und sowohl die Atmung, als auch das Schlucken erschweren. Man spricht hier von „kissing tonsills“. Sind diese nicht entzündet, werden sie per Laser verkleinert. So bleibt die Schutzfunktion erhalten und das Kind hat keine Beschwerden mehr.

Die Mandeln sind die erste Abwehrbarriere für Keime

Die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) sind nach ihrer Form benannt. Es handelt sich um ein bis zwei Zentimeter dickes lymphatisches Gewebe zwischen dem vorderen und dem hinteren Gaumenbogen, das auch für den Laien gut erkennbar ist. Zusammen mit den Rachen-, den Tuben- sowie den Zungengrundmandeln bilden sie den sogenannten Waldeyer‘schen Rachenring, der besonders viele weiße Blutkörperchen aufweist. Seine Aufgabe ist es, Angreifer, die durch die oberen Atemwege kommen, abzuwehren und den Körper zu schützen.

Die Oberfläche der Mandeln verfügt über sogenannte Krypten: Einkerbungen, die sie zwar zerklüftet aussehen lassen, aber den Zweck haben, die Fläche zu vergrößern. In diesen Furchen setzen sich auch im gesunden Zustand Speisereste und Bakterien fest. So lernt das Immunsystem stetig dazu. Allerdings ist es genau diese Struktur der Mandeln, die häufig Probleme verursacht. Doch erst, wenn Rötungen, Schwellungen und Schmerzen auftauchen und die Mandeln entzündet sind, spricht man von einer Angina.

Interessantes zum Begriff Angina:

Der Begriff Angina stammt vom Lateinischen ab und bedeutet Beklemmung. Er bezeichnet alle Krankheiten, die mit einem Engegefühl verbunden sind, also zum Beispiel auch die Angina Pectoris, einen Vorboten des Herzinfarkts, bei der ein Engegefühl in der Brust auftritt.

Da es neben den Gaumenmandeln andere Mandelformen gibt, gibt es auch weitere Angina-Varianten. Zum Beispiel die Seitenstrangangina oder die Zungen-Tonsillitis.

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