Zahnentzündung: Wenn uns das Zahninnere auf den Nerv geht

Für geraume Zeit bleibt sie unbemerkt: die Zahnentzündung. Eben so lange, bis sich die kleinen Übeltäter, die Bakterien, bis zum Wurzelbereich des Zahnes vorgearbeitet und dort ausgebreitet haben. Dann setzen bei der Zahnentzündung Schmerzen ein, welche die Betroffenen als stechend und äußerst unangenehm beschreiben. Erfahren Sie, wie eine Zahnentzündung entsteht, welche Hausmittel es dagegen gibt, und warum es kein Zeichen zum Aufatmen, sondern ein Fall für den sofortigen Gang zum Zahnarzt ist, wenn die Schmerzen schlagartig wieder nachlassen.

Kleiner Anatomie-Exkurs: Wie sind unsere Zähne aufgebaut?

Um zu verstehen, wie es zu einer Zahnentzündung kommt, hilft es, sich die Beschaffenheit unserer Zähne vor Augen zu führen. Der Teil, der von einem Zahn tatsächlich sichtbar ist, wenn wir uns im Spiegel anlachen, heißt Zahnkrone. Umgeben vom Zahnfleisch, steckt die Zahnwurzel im Kieferknochen. Der Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel heißt Zahnhals. Die Zahnkrone ist mit Zahnschmelz (Enamelum) umhüllt, seine Aufgabe ist es, den Zahn zu schützen. Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers.1 Unter dem Zahnschmelz liegt das Zahnbein (Dentin), das den größten Teil der Zahnmasse ausmacht.2 In der Mitte des Dentins liegt die Pulpahöhle, darin befindet sich das Zahnmark (Zahnpulpa), das von

  • Bindegewebe,
  • Lymph- und Blutgefäßen sowie
  • Nerven durchzogen ist.

Die Zahnpulpa versorgt das Zahnbein mit Nährstoffen und dient der Schmerz- sowie der Reizweiterleitung von Kälte oder Wärme an das Nervensystem.

Zahnentzündung: Was hat es damit auf sich?

Zahnentzündung ist eigentlich ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine entzündete Zahnpulpa (Zahnmark).Ist der Zahnnerv entzündet, sprechen Mediziner somit auch von einer Pulpitis.

Es gibt viele Gründe, die zu einer Schädigung führen, bei denen Bakterien in das Zahnmark eindringen und dort zu einem entzündeten Zahnnerv führen können, beispielsweise:

  • Freilegung von Pulpagewebe während einer zahnärztlichen Behandlung
  • zu tiefe Zahnfleischtaschen (entstehen beispielsweise, wenn sich bei einer Zahnfleischentzündung das Zahnfleisch zurückzieht)
  • Zahntrauma (Zahnverletzung) durch Unfälle (Stürze oder Schläge)
  • undichte Zahnfüllungen
  • physikalische Reize (zum Beispiel, wenn durch zu starke Hitze beim Bohren das Zahnbein beschädigt wird und so eine Wunde entsteht)
  • chemische Reize (beispielsweise durch Kleber oder Füllungsmaterialien, die bei einer Zahnbehandlung verwendet worden sind)
  • häufigste Ursache: infektiöse Schädigung (beispielsweise Karies, die unbehandelt den Zahn nach und nach zerstört und bis in die Pulpahöhle durchbricht)

Je nachdem, wie weit die Zahnentzündung bereits fortgeschritten ist, kann es im schlimmsten Fall zu einem Absterben des Pulpagewebes eines Zahns oder mehrerer Zähne kommen. Breiten sich die Bakterien weiter aus, besteht die Gefahr, dass die Entzündung bis zum Kieferknochen vordringt und dort beispielsweise eine sogenannte Periostitis auslöst, bei der sich die Knochenhaut in einem sehr schmerzhaften Prozess vom Knochen ablöst.

Generell können die von einer Pulpitis Betroffenen häufig nicht genau beschreiben, welcher Zahn weh tut, da die Schmerzen ausstrahlen. Die Patienten klagen beispielsweise über Kieferschmerzen, manchmal aber ohne sagen zu können, ob vor allem der Ober- oder Unterkiefer schmerzt.3

Symptome einer Zahnentzündung

So macht sich eine Zahnentzündung bemerkbar:

  • starke, pochende Zahnschmerzen
  • druck-, kälte- und hitzeempfindlicher Zahn mit entzündetem Zahnnerv
  • gerötete und geschwollene Wangen 
  • Eiterbildung im Zahnfleischbereich

Eine Zahnentzündung muss schnellstmöglich von einem Zahnarzt behandelt werden, um schwere Zahnschäden zu vermeiden.

Entzündeter Zahnnerv: Das macht der Zahnarzt

Um eine verlässliche Diagnose stellen zu können, wird der Zahnarzt eine körperliche Untersuchung durchführen und beispielsweise prüfen, ob

  • äußerlich Zahnverletzungen wie Risse zu erkennen sind,
  • der entzündete Zahnnerv auf Kältetests (zum Beispiel mit Kohlensäureschnee) reagiert,
  • die Ursache für die Zahnentzündung auf einem Röntgenbild zu erkennen ist (zum Beispiel Karies unter einer Zahnkrone) oder
  • die Zahnentzündung bereits den Knochen befallen hat.

Die Art der Behandlung hängt von der Schwere der Zahnentzündung ab. Um das entzündete Pulpagewebe zu entfernen, bohrt der Facharzt den Zahn auf, „schabt“ das – meist kariös befallene – Dentin heraus und spült die Wurzelkanäle anschließend mit einer antibakteriellen Lösung aus. Die entstandene Zahnhöhle wird mit einer medikamentösen Einlage versehen, die in der Regel ein paar Tage im Zahn verbleibt. Zum Schutz wird der Zahn provisorisch verschlossen. Ist die Zahnentzündung abgeklungen, wird das zur Überbrückung eingesetzte Füllmaterial durch eine endgültige Füllung (aus Guttapercha, einem kautschukähnlichem Material, und Dichtzement) ausgetauscht. Führt diese Behandlungsmethode nicht zum gewünschten Erfolg, zum Beispiel weil die Schmerzen und die Entzündung nicht abklingen, besteht die Möglichkeit einer Wurzelspitzenresektion, bei der operativ ein Teil der Zahnwurzel entfernt wird. Hilft auch das nicht, bleibt häufig nichts mehr anderes übrig, als den erkrankten Zahn zu ziehen.

Schmerzen verschwinden plötzlich: Wieder alles paletti?

Wer urplötzlich von seinen starken Schmerzen erlöst wird und denkt, die Zahnentzündung somit auch ohne Behandlung gut ausgesessen zu haben, unterliegt einem Trugschluss. Das Nachlassen des Schmerzes kann ein Anzeichen dafür sein, dass die in der Zahnpulpa verlaufenden Strukturen (zum Beispiel Nerven und Blutgefäße) zu stark geschädigt und bereits abgestorben sind, der Zahn somit bereits tot ist.

Zahnentzündung: Was hilft noch?

Als Unterstützung zur konventionellen Therapie – am besten in Absprache mit dem behandelnden Arzt – können auch Hausmittel bei einer Zahnentzündung hilfreich sein. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn auch das Zahnfleisch in Mitleidenschaft gezogen wird, beispielsweise geschwollen ist und schmerzt.

Hier ein paar Hausmittel gegen Zahnentzündungen im Überblick:

  • Mundspülungen mit entzündungshemmendem Teebaumöl: Geben Sie drei bis vier Tropfen in ein Glas mit warmem Wasser und spülen Sie sich mit dieser Mischung mehrmals täglich den Mund aus.
  • Eichenrindentee: Was auch gegen eine Zahnentzündung helfen kann, ist Eichenrinde, beziehungsweise die darin zahlreich enthaltenen Gerbstoffe, die den Bakterien den Nährboden entziehen. Zur Herstellung des Hausmittels gegen Zahnentzündungen und Infektionen im Mund- und Rachenraum übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel geschnittene Eichenrinde (erhältlich in der Apotheke) mit einem Viertelliter kaltem Wasser. Erhitzen Sie es anschließend und lassen Sie es drei bis fünf Minuten kochen. Bevor Sie tagsüber alle drei Stunden mit der Eichenrindeabkochung gurgeln, gießen Sie die geschnittene Eichenrinde durch ein Sieb wieder ab.
  • Extrakt aus Rhabarberwurzel: Auch die für ihre entzündungshemmende Eigenschaft bekannte Rhabarberwurzel ist ein pflanzliches Arzneimittel, was bei einer Zahnentzündung hilft. Der Extrakt wird direkt auf die entzündete Stelle im Mund aufgetragen, am besten mit einem Wattestäbchen.

Generell gilt jedoch folgender Hinweis: Zögern Sie den Zahnarztbesuch bei Schmerzen nicht zu lange hinaus, um der Ursache für die Zahnschmerzen auf den Grund zu gehen und schnellstmöglich mit einer zielführenden Behandlung zu beginnen.

Aktiv werden und einer Zahnentzündung vorbeugen

In den meisten Fällen ist es eine Kariesinfektion, die eine Zahnentzündung auslöst.

Was vorbeugend gegen eine Zahnentzündung hilft, ist, folgende Tipps zur Vermeidung von Karies zu berücksichtigen:

  • mindestens zweimal täglich Zähne putzen
  • alle sechs bis acht Wochen die Zahnbürste wechseln
  • täglich Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume benutzen
  • zahngesunde Ernährung, beispielsweise auf zucker- und säurehaltige Getränke so weit wie möglich verzichten
  • zweimal jährlich einen Termin zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung vereinbaren

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1 Hellwig, Elmar; Klimek, Joachim; Attin, Thomas: Einführung in die Zahnerhaltung. 62009, Köln, S. 3.
2 Ebd., S. 8.
3 Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. URL: https://www.dgss.org/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/mund-und-gesichtsschmerz/ (09.01.2018).