Nackenkopfschmerzen: Welche Ursachen gibt es? Was hilft?

2. Juli 2020
12 Min.

Im Nacken zieht es unangenehm? Jede Bewegung schmerzt? Ihr Kopf pocht? Im Alltag sind Nackenkopfschmerzen keine Seltenheit. Oftmals sind diese auf verspannte Muskeln im Nackenbereich zurückzuführen. Aber was genau sind die Auslöser? Und wie lassen sich die Schmerzen lindern?

Überblick:

Verspannung als Hauptursache für Nackenkopfschmerzen

Kopfschmerzen können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden. Häufig sind es Muskelverspannungen im Hals- und Nackenbereich, die als Auslöser für Nackenkopfschmerzen infrage kommen. Anfällig sind vor allem Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen. Häufig schleicht sich unbemerkt eine Fehlhaltung des Rückens und Kopfes (beispielsweise vorgeschobener Nacken, Rundrücken) ein, was zu Verspannungen der dortigen Muskeln führt. Aber auch Stress oder Überlastung kann Anspannungen im Nackenbereich hervorrufen.

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Da die Nackenmuskulatur und die Nervenbahnen des Hinterhauptes eng beieinanderliegen, können die verkrampften Muskeln auf die Nerven drücken. Es entstehen Schmerzen, die mitunter vom Nacken über den Hinterkopf bis zu Stirn,Schläfe oder Gesicht ausstrahlen.

Darüber hinaus ist es möglich, dass noch weitere Symptome die Nackenkopfschmerzen begleiten. Zu diesen zählen:

  • Schmerzausstrahlung bis in die Arme
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln in Armen und Händen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindelgefühl
Sollten Sie unter den genannten Symptomen oder starken Schmerzen leiden, empfiehlt es sich, einen Hausarzt aufzusuchen. Die Beschwerden können unter Umständen auch auf einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule hindeuten. Ein Arztbesuch ist unerlässlich, um der genauen Ursache auf die Spur zu kommen und eine passende Behandlung zu verordnen.

Was ist zervikogener Kopfschmerz?

Liegt dem Kopfschmerz eine Störung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) zugrunde, beispielsweise hervorgerufen durch eine vorangegangene Verletzung oder einen Bandscheibenvorfall, ist vom zervikogenen Kopfschmerz die Rede. Dieser tritt meist einseitig auf und muss nicht unweigerlich von Nackenschmerzen begleitet sein. Der zervikogene Kopfschmerz kommt sogar relativ oft vor – nach Migräne , Spannungskopfschmerzen und medikamentenbedingte Kopfschmerzen ist dieser am vierthäufigsten anzutreffen.

Andere Ursachen für Nackenkopfschmerzen sind beispielsweise:

  • Zahnprobleme (wie Zähneknirschen)
  • rheumatische Erkrankungen im Wirbelsäulenbereich (zum Beispiel rheumatoide Arthritis)
  • degenerative (abbauende) Veränderungen der Halswirbelsäule (Spondylose; Arthrose)
  • Sportverletzungen (beispielsweise Schulterzerrung, wodurch eine Schonhaltung eingenommen wird)
  • Kopfverletzungen (wie durch Stürze oder Schläge auf den Hinterkopf)
Liegen den Schmerzen beispielweise emotionale Anspannung oder klimatische Veränderungen zugrunde, werden sie auch als vaskuläre Kopfschmerzen bezeichnet. Hier gehen die Beschwerden von Blutgefäßen aus und betreffen häufig den Schläfenbereich.

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Wie lassen sich spannungsbedingte Nackenkopfschmerzen behandeln?

Die Behandlung der Nackenkopfschmerzen richtet sich in erster Linie nach der Ursache. Beispielsweise kann bei Beschwerden, die durch Zähneknirschen verursacht werden, eine Schiene Abhilfe schaffen. Zur Lockerung angespannter Muskelgruppe können Sie dagegen folgende Maßnahmen ausprobieren:

  • Eine gute Möglichkeit, ist die Anwendung von Wärme. Hierfür eignen sich beispielsweise Wärmflaschen beziehungsweise erwärmte Körnerkissen, Rotlichtlampen oder ein warmes Vollbad.
  • Darüber hinaus empfehlen sich sanfte Bewegung und leichte Dehnübungen. Auf diese Weise mobilisieren Sie Ihren Nacken und wirken Verspannungen sanft entgegen. Eine Schonhaltung sollten Sie hingegen nicht einnehmen, da sich die Muskulatur dadurch zusätzlich verkürzt und die Anspannung verstärkt.
  • Um Nackenkopfschmerzen aufgrund von Verspannungen zu behandeln, bietet sich auch eine Massage an. Hierfür können Sie sich an einen professionellen Masseur wenden, Ihren Partner um Hilfe bitten oder selbst aktiv werden: Suchen Sie mit den Fingerspitzen nach der Verspannung im Nacken und üben Sie leichten Druck auf. Bewegen Sie dabei den Kopf langsam.
  • Die Beschwerden lassen sich mitunter auch durch alternative Schmerztherapien wie Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie gut in den Griff bekommen. Am besten fragen Sie Ihren Arzt nach geeigneten Methoden.
Sollten Sie unter starken Nackenkopfschmerzen leiden, sind schmerzstillende Medikamente eine Möglichkeit, um für Besserung zu sorgen. Alternativ gibt es auch lokal wirkende Schmerzsalben, die zudem Wärme an die Muskulatur abgeben – so können sowohl Verspannungen gelockert als auch Nackenschmerzen gelindert werden. Zudem ist es möglich, dass der Arzt bei besonders lang anhaltenden Beschwerden oder solchen, die immer wieder auftreten, Physiotherapie verschreibt. Im Rahmen dessen erhält der Patient beispielsweise Krankengymnastik oder Massagen.

Nackenkopfschmerzen: Die 5 besten Übungen für den Nacken

Zum Lockern beziehungsweise Vorbeugen von Muskelverspannungen im Nacken, bieten sich verschiedene Übungen an. Generell gilt dabei: Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen, um keine Verletzungen im Nackenbereich zu riskieren. Vorab empfiehlt es sich, ein kurzes Aufwärmtraining zu absolvieren.

Hinweis:

Sollte die Ursache für die Nackenkopfschmerzen in entzündlichen Erkrankungen oder Verletzungen der Halswirbelsäule liegen, sprechen Sie vorab mit Ihrem behandelnden Arzt. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, die Nackenübungen nur unter physiotherapeutischer Anleitung durchzuführen.

Nackenübung 1: Strecken zum Aufwärmen

Bei Nackenkopfschmerzen: Streckübung als Aufwärmtraining.

Zu Beginn begeben Sie sich in eine aufrechte, stehende Position. Heben Sie die Arme über den Kopf und verschränken Sie die Hände locker ineinander. Machen Sie sich nun richtig lang – das streckt Ihre Wirbelsäule. Anschließend lehnen Sie sich auf eine Seite, um die seitliche Oberkörpermuskulatur zu dehnen. Nach einigen Sekunden wechseln Sie die Seite. Wiederholen Sie die Übung einige Male.


Nackenübung 2: Armkreisen

Armkreisen, um Nackenverspannungen zu lockern.

Die Übung findet im Stehen statt. Stellen Sie Ihre Füße dabei hüftbreit auf, um einen festen Stand zu haben. Kreisen Sie nun beide Arme nach vorne. Die Bewegung sollte locker und ohne viel Kraftaufwand ausgeführt werden. Ändern Sie nach einigen Umrundungen die Richtung – die Arme kreisen nun nach hinten. Wer möchte, kann das Armkreisen auch entgegengesetzt durchführen – ein Arm bewegt sich nach vorne, während der andere nach hinten kreist. Auch hier sollten Sie nach einigen Wiederholungen die Richtungen wechseln. Das schult gleichzeitig die Koordination.

Nackenübung 3: Seitliche Dehnung

Seitliche Dehnungsübung zur Lockerung von Nackenverspannungen.

Die seitliche Dehnungsübung können Sie sowohl im Stehen als auch im Sitzen durchführen – achten Sie in jedem Fall auf eine aufrechte Haltung. Im ersten Schritt neigen Sie Ihren Kopf auf die rechte Seite, bis Sie eine Dehnung im Nacken verspüren. Unterstützend legen Sie Ihre rechte Hand auf den Kopf und üben etwas Druck aus, damit sich die Dehnung intensiviert (Schmerzen sollten Sie nicht spüren). Die Position wird für einige Sekunden gehalten, bevor Sie die andere Seite dehnen.

Nackenübung 4: Dehnung der Nackenrückseite

Dehnung des Nackens zur Entspannung der Nackenmuskeln.

Wer seinen Nacken entspannen möchte, um Nackenkopfschmerzen zu lindern, sollte die Rückseite des Halses nicht vergessen. Hierfür eignet sich folgende Übung, die im Sitzen (auf einem Stuhl oder einer Matte) ausgeführt wird. Nehmen Sie eine aufrechte Position ein, dann legen Sie die Hände an den Hinterkopf und verschränken sie diese. Das Kinn legen Sie nun auf die Brust. Mit den im Nacken verschränkten Händen können Sie sanften Druck aufbauen, bis ein leichtes Ziehen im Halswirbelbereich zu spüren ist. Die Position für einige Sekunden halten, dann lösen.

Nackenübung 5: Nackenkreisen

Nackenkreisen für eine besser Beweglichkeit der Halswirbelsäule.

Für eine bessere Beweglichkeit Ihrer Halswirbelsäule eignet sich das Nackenkreisen. Die Übung ist sowohl im Stehen als auch im Sitzen ausführbar. Begeben Sie sich zunächst in eine aufrechte Position, den Blick richten Sie nach vorne (Ausgangsposition). Nun drehen Sie langsam den Kopf nach rechts – soweit es möglich ist. Position für einige Sekunden halten. Bewegen Sie den Kopf langsam zurück in die Ausgangsposition, bevor Sie ihn in die andere Richtung – nach links – drehen.

Entspannung zum Schluss:

Wenn Sie die Nackenübungen ausgeführt haben, bietet sich zum Ende eine Entspannungsphase an. Hierfür können Sie sich für einige Minuten auf eine Matte oder einen Teppich legen. Lassen Sie nun alles locker, entspannen Sie Ihre Muskeln. Alternativ ist es möglich, die Kindspose einzunehmen: Knien Sie sich auf die Matte, der Po berührt die Fersen. Die Stirn legen Sie ebenfalls auf den Boden auf. Legen Sie die Arme seitlich neben Ihren Körper. Entspannen Sie sich und achten Sie auf eine gleichmäßige Atmung.

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Wie lassen sich Verspannungen und damit Nackenkopfschmerzen vorbeugen?

Manchmal reichen schon kleinere Änderungen im Alltag, um Nackenverspannungen und somit lästigen Kopfschmerzen vorzubeugen. Probieren Sie doch einmal folgende Maßnahmen aus:

  • Nehmen Sie beim Schlafen eine nackenfreundliche Position ein: Hierfür bietet sich die Rückenlage an. Verwenden Sie ein flaches Kissen, denn ein dickes Kissen überstreckt die Halswirbelsäule und sorgt für einen Rundrücken.
  • Reduzieren Sie Stress: Durch Entspannungstechniken wie autogenes Training ist es möglich, muskulären Verspannungen und somit Nackenkopfschmerzen vorzubeugen.
  • Bewegen Sie sich ausreichend: Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft – beispielsweise in der Mittagspause – kann dabei helfen, Verspannungen im Nacken und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Trainieren Sie regelmäßig Ihren Rücken und Nacken: Als schonende Sportarten gelten Yoga oder Pilates. Achten Sie zudem auf eine bewusste, aufrechte Körperhaltung – sowohl im Sitzen als auch Stehen.
  • Arbeiten Sie ergonomisch: Beispielsweise sollte der Bildschirm so eingestellt sein, dass sich dessen Oberkante leicht unter Augenhöhe befindet. Der Blick ist somit etwas nach unten gerichtet.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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