Schläfenschmerzen – wenn die Schläfe schmerzt oder zieht

Die Schläfen sind sehr empfindlich. Hier verlaufen wichtige Nervenbahnen und Blutgefäße, die unter anderem mithelfen, Augen- und Ohrenpartien zu steuern und gut zu durchbluten. Beschwerden wie muskuläre Verspannungen oder Kopfschmerzen treten in der Schläfenregion relativ häufig auf. Doch was löst die Schläfenschmerzen aus?

Wie lassen sich die Schmerzen an der Schläfe charakterisieren?

Mit dem Begriff „Schläfenschmerzen“ werden Kopfschmerzen bezeichnet, die sich in der Schläfenregion bemerkbar machen. Die Schmerzen können ausstrahlen – bis in den Kiefer, zu den Augen oder zum Hinterkopf. Aber auch ein bohrender, tiefliegender Schmerz im Bereich der Schläfen kann typisch sein. Je nach Ursache treten die Kopfschmerzen an der linken oder rechten Schläfe oder auf beiden Seiten auf. Stechende Kopfschmerzen an der Schläfe sind eher typisch, wenn Triggerpunkte betroffen sind. Das sind knötchenförmige Verhärtungen in den Muskelfasern, die schmerzhaft bei Druck auf die Schläfen reagieren und mit einer Entzündungsreaktion einhergehen.

Wie kommt es zu Schläfenschmerzen?

Schläfenschmerzen können viele Ursachen haben:

  • Verletzungen des Schläfen- oder Jochbeins: Durch Knochenbrüche oder Prellungen
  • Andere Kopfschmerzarten: Schmerzen am Hinterkopf, Migräne, Clusterkopfschmerzen oder Spannungskopfschmerzen können mit Schläfenschmerzen verbunden sein.
  • Verspannter Kiefer: Zähneknirschen – häufig ein Ventil, um unbewusst Stress abzubauen. Wer nachts unkontrolliert mit den Zähnen mahlt, knirscht und presst, beansprucht damit jedoch die Kiefermuskulatur so enorm, dass sich Schmerzen an der Schläfe in Form eines Muskelkaters bemerkbar machen können und Nackenverspannungen oder eben Kopfschmerzen ausgelöst werden.
  • Augenerkrankungen: Ein entzündeter Sehnerv kann beispielsweise dafür verantwortlich sein, dass die Schmerzen sogar bis in die Schläfen ausstrahlen.
  • Unbehandelte Fehlsichtigkeit oder stark beanspruchte Augen: Patienten, die viel Zeit vor dem PC verbringen, leiden häufiger als andere unter Schmerzen und Druck an der Schläfe.
  • Rheumatische Erkrankung: Arteriitis temporalis ist eine Autoimmunerkrankung, von der Frauen drei- bis fünffach häufiger betroffen sind als Männer.1 Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen wie Zellen oder Gewebe, da es diese als Bedrohung wahrnimmt. Bei der Arteriitis temporalis sind Gefäße entzündet. Meist ist die Schläfenarterie betroffen. Die Hälfte aller Patienten leidet unter Kopfschmerzen in den Schläfen.2 Durch die Entzündung schwillt die Arterienwand an. Dadurch wird der Hohlraum des Blutgefäßes (das Lumen) verengt. Da auch komplette Verschlüsse der Arterie vorkommen und über die Schläfenarterie die Augen mit Blut versorgt werden, kann die gefährlichste Folge sein, zu erblinden oder einen Schlaganfall zu erleiden. Es muss sofort mit Cortison-Präparaten gegengesteuert werden.

Schmerz kann ein gesundes Sinnesphänomen sein, aber eben auch ein Warnsignal für ernstzunehmende Krankheiten. Daher ist es nicht nur bei der Arteriitis temporalis wichtig, Ursachen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Eine fundierte Kopfschmerzdiagnose ist nur möglich, wenn eine sorgfältige ärztliche Untersuchung durchgeführt wird.

Wichtig für die Diagnose – Merkmale der Schläfenschmerzen detailliert beschreiben

Teilen Sie Ihre Schmerzen mit: Ohne detaillierte Informationen über den Ablauf von Kopfschmerzen kann der Arzt keine Diagnose stellen und somit auch nicht die richtigen Therapiemaßnahmen in die Wege leiten. Erzählen Sie, wann, wo und wie oft Sie Schmerzen haben, ob Sie unter Begleitsymptomen wie Übelkeit leiden, wie sich der Schmerz anfühlt (stechende Kopfschmerzen an der Schläfe oder Druck auf den Schläfen), ob Sie weitere Erkrankungen haben und welche Medikamente Sie gegebenenfalls regelmäßig einnehmen.

Schläfenschmerzen effektiv behandeln

Es gibt sowohl konventionelle Behandlungsmöglichkeiten als auch Methoden aus der Naturheilkunde:

  • Medikamentöse Behandlung: Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen kommen zum Einsatz, wenn der Kopfschmerz gelegentlich auftritt. Gönnen Sie sich Ruhe, um die Medikamente wirken zu lassen, zum Beispiel bei einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Bei chronischen Kopfschmerzen sollte keine regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln erfolgen, da sonst medikamenteninduzierte Kopfschmerzen die Folge sein können. Das sind Kopfschmerzen, die erst durch Arzneimittel ausgelöst oder aufrechterhalten werden. Bei chronischen Kopfschmerzen kann jedoch auf Pfefferminzöl zurückgegriffen werden, das als alkoholische Lösung auf die Stirn- und Schläfenhaut großflächig aufgetragen wird. Wurde als Ursache für die Schläfenschmerzen eine Migräne ausgemacht, kann diese bei starken Symptomen auch mit Triptanen behandelt werden. Das sind Arzneistoffe, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin, im Volksmund auch „Glückshormon“ genannt, eingreifen.
  • Techniken zum Stressabbau: Progressive Muskelentspannung oder Akupunktur können Kopfschmerzen mildern.
  • Kieferorthopädische Behandlung: Gehen die Beschwerden vom Kiefer aus, helfen ebenfalls Entspannungsverfahren weiter oder eine kieferorthopädische Behandlung.
  • Osteopathie: Auch die Osteopathie bietet Möglichkeiten, Schläfenschmerzen zu behandeln, indem die Therapeuten Blockaden oder Bewegungseinschränkungen mit den Händen lösen. Ein weiterer Ansatz ist es, Muskeln und Faszien betreffende Triggerpunkte – sprich verspannte Muskeln – zu beseitigen. Es wird davon ausgegangen, dass ein Triggerpunkt im Schulterheber-Muskel die Schmerzen an der Schläfe auslöst.

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1 Rheuma-online. URL: https://www.rheuma-online.de/krankheitsbilder/arteriitis-temporalis/ (29.06.2017).
2 Lagrèze, Wolf A.; Wilhelm, Helmut; Göbel, Hartmut: Kopfschmerz und Auge, in Deutsches Ärzteblatt, 101.Jg. (2004), Heft 49, S. A 3340.