Häufige Fragen zu Schmerzmitteln in der Schwangerschaft:


Dürfen Schwangere Schmerzmittel einnehmen?

Ja, bestimmte Medikamente sind auch in der Schwangerschaft erlaubt. Allerdings gilt, Frauen sollten so wenig Schmerzmittel wie möglich einnehmen. Denn fast alle Wirkstoffe gelangen über die Nabelschnur ins Blut des ungeborenen Babys und das wirkt sich mitunter negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Deshalb sollten Schwangere vor der Einnahme mit einem Arzt sprechen.

Bis wann ist Ibuprofen in der Schwangerschaft erlaubt?

Ibuprofen ist in den ersten beiden Trimestern erlaubt.1 Danach kann die Einnahme zu Veränderungen im Kreislaufsystem beim Kind führen.4  

Wann darf Paracetamol in der Schwangerschaft eingenommen werden?

Die Paracetamol-Einnahme gilt, sofern verantwortlich eingesetzt (kurze Einnahmedauer und niedrige Dosierung), als weitestgehend unbedenklich für Mutter und Kind. Daher darf das Schmerzmittel während der gesamten Schwangerschaft angewandt werden.

Dürfen Schwangere Acetylsalicylsäure einnehmen?

Diesen Wirkstoff sollten werdende Mütter besser meiden und lieber auf Paracetamol, der als sicher gilt, zurückgreifen. Besonders ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel steigt mit der Einnahme von Acetylsalicylsäure die Gefahr für schwere Komplikationen bei Mutter und Kind.2

Schmerzmittel für Schwangere: So viel wie nötig, so wenig wie möglich


Der größer werdende Bauch sorgt oft für Rückenschmerzen, die hormonelle Umstellung begünstigt Kopfweh, das Immunsystem ist geschwächt und eine Erkältung bahnt sich an… Eine Schwangerschaft ist mit so manchem Wehwehchen verbunden. Doch während Frau unter normalen Umständen zum lindernden Medikament greifen würde, ist dies während einer Schwangerschaft mit Vorsicht zu genießen. Denn über die Nabelschnur gelangen fast alle eingenommenen Wirkstoffe auch in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes.  

Keine Studien an Schwangeren

In der Regel werden in Deutschland aus ethischen Gründen keine Medikamentenstudien an Schwangeren durchgeführt. Daher ist es nicht möglich zu sagen, ab welcher Dauer und in welcher Dosierung die Wirkstoffe sich negativ auf das ungeborene Kind auswirken. Daher gilt in Bezug auf Schmerzmittel für schwangere Frauen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Am besten ist es, ganz auf Medikamente zu verzichten und stattdessen eine alternative Behandlung zu wählen. Erst wenn die Maßnahmen keine Wirkung zeigen, können Frauen nach Rücksprache mit ihrem Haus- oder Frauenarzt auf Schmerzmittel zurückgreifen. Auch in der Apotheke ist es möglich, sich zu informieren.   

Sollte es nötig sein, schmerzlindernde Arzneimittel einzunehmen, beachten Sie folgende Tipps zur Einnahme: 

  • Nehmen Sie die Mittel verantwortungsvoll und mit Bedacht ein. Sprich, so wenig wie nötig und immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Bei Langzeitmedikation sowie laufender Therapie gilt, diese niemals eigenmächtig abzusetzen beziehungsweise die Medikamente zu reduzieren. 
  • Kaufen Sie Arzneimittel nicht im Ausland oder über das Internet, sondern ausschließlich in der Apotheke. Vorsicht ist bei sogenannten Naturheilmitteln geboten, da diese unter Umständen Giftstoffe oder schädliche Substanzen enthalten, die für das Ungeborene gefährlich werden können. 
  • Für Frauen, die aufgrund einer Erkrankung von unterschiedlichen Ärzten behandelt werden und verschiedene Medikamente einnehmen müssen, empfiehlt sich der sogenannte "Arzneimittelpass für Schwangere und Stillende". Hier finden sie wichtige Informationen und können alle Medikamente auflisten. 

Manchmal ist ein Schmerzmittel besser als keines

In einigen Fällen, wie bei starken oder anhaltenden Beschwerden, sind lindernde Arzneimittel durchaus sinnvoll. Denn wenn eine schwangere Frau permanent unter Schmerzen leidet, wird beispielsweise das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet. Ein Zuviel des Hormons kann sich negativ auf die Entwicklung des Kindes, zum Beispiel ein geringes Geburtsgewicht, auswirken.3

Gängige schmerzlindernde Wirkstoffe im Überblick


Ist es während der Schwangerschaft nötig, Schmerzmittel einzunehmen, sollten Einnahmedauer und Dosierung bewusst gewählt werden. So lässt sich sicherstellen, dass die Beschwerden optimal behandelt werden und das Baby kaum etwas davon mitbekommt. Daher ist es ratsam, dass werdende Mütter sich vor Einnahme mit einem Mediziner besprechen.  

Informieren Sie sich näher über folgende Wirkstoffe

Sicheres Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Paracetamol

Paracetamol gilt bei akuten Schmerzen sowie Fieber als sicheres Schmerzmittel in der Schwangerschaft, sofern es verantwortungsvoll (kurze Einnahmedauer und niedrige Dosierung) eingenommen wird. Der Wirkstoff ist für alle drei Schwangerschaftstrimester zugelassen.  

Werdende Mütter sollten jedoch wissen, dass noch nicht abschließend geklärt ist, ob ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und einem späteren Hyperaktivitätssyndrom beim Kind vorliegt. Auch das vermehrte Auftreten von Asthma und von Hodenhochstand bei Jungen konnte in Studien festgestellt werden.4 

Ibuprofen eignet sich für das erste und zweite Trimester

Der Wirkstoff zählt wie Acetylsalicylsäure zur Gruppe der nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Ibuprofen kommt als leichtes Mittel gegen Schmerzen sowie als Entzündungshemmer zum Einsatz. Es gilt im ersten und zweiten Trimester als sicheres schmerzstillendes Arzneimittel (Analgetikum), da es gegenüber Paracetamol bei stärkeren Schmerzen eine bessere Wirksamkeit aufweist.5  

Ab der 28. Schwangerschaftswoche ist das NSAR nicht mehr zu empfehlen, da die Einnahme zu Veränderungen des Kreislaufsystems beim Baby führen kann.4 Auch der vorzeitige Verschluss des kindlichen Ductus arteriosus Botalli (verbindet Blutkreislauf der Aorta und der Lungenarterie, schließt sich normalerweise innerhalb der ersten drei Lebenstage) ist möglich, wodurch es zu einer primären pulmonalen Hypertonie (Verengung der Lungenarterie) kommen kann.2  

Magen-Darm-Probleme durch NSAR

Sowohl für Ibuprofen als auch andere NSAR gilt, dass sie in der Schwangerschaft vermehrt zu Magen-Darm-Problemen führen können.2 Da die Wirkstoffe die Prostaglandin-Synthese im Magen hemmen, sind verstärkt Sodbrennen und Reflux (Rückfluss von Magensäure) möglich.

Sicher für Schwangere: Triptane bei Migräne

Migräne ist ebenfalls während der Schwangerschaft möglich. Auch wenn Patientinnen häufiger berichten, dass es in dieser Zeit zu weniger bis gar keinen Migräneanfällen kommt. Sollte eine nichtmedikamentöse Therapie keinen Erfolg zeigen, können Betroffene zunächst auf Paracetamol oder Ibuprofen zurückgreifen. Für alle, die unter schweren Migräneattacken leiden, steht zudem die Wirkstoffgruppe der Triptane zu Verfügung – auch für schwangere Frauen.  

In einer 16-jährigen Beobachtungsstudie konnten keine negativen Auswirkungen für das Neugeborene festgestellt werden:6  

  • Für das erste Trimester hat sich kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen ergeben. 
  • In den letzten beiden Schwangerschaftsdritteln konnte sich der Verdacht auf Fetotoxizität (toxische Wirkung einer Substanz, die zu Struktur-, Entwicklungs- oder Wachstumsschädigungen führt) sowie negative Auswirkungen auf das Neugeborene nicht erhärten. 

Welche Wirkstoffe besser nicht in der Schwangerschaft zum Einsatz kommen

Die Acetylsalicylsäure (ASS) gehört wie Ibuprofen zur Gruppe der nichtsteroidale Antirheumatika, kurz NSAR. Es wird als Schmerz- und Fiebermittel angewandt. Allerding wird ASS, im Gegensatz zu Ibuprofen, während der gesamten Schwangerschaft nicht empfohlen, insbesondere im letzten Drittel.2 Ab diesem Zeitpunkt steigt das Risiko für schwere Komplikationen bei Mutter und Kind.

Ausnahmen bestätigen die Regel

In einigen Fällen kann Acetylsalicylsäure, beispielsweise zur Vorbeugung von Präeklampsie, vom Arzt verordnet werden. Erhalten Schwangere mit einem hohen Risiko für die Erkrankung den Wirkstoff in niedriger Dosierung, gilt er als unbedenklich. Zudem konnte in Studien die Zahl der Erkrankung um zwei Drittel gesenkt werden.7

Weitere Wirkstoffe, die als unsicher für Schwangere gelten, sind beispielsweise:4  

  • Diclofenac: Eingeschränkt kann es zwischen dem ersten und sechsten Schwangerschaftsmonat angewandt werden. Zu einem späteren Zeitraum sind Kreislauf- und Nierenfunktionsstörungen beim Kind nicht auszuschließen. 
  • Naproxen: Da nicht ausreichend Erfahrungen mit dem Wirkstoff in der Schwangerschaft vorliegen, ist Naproxen nicht angezeigt. 
  • Metamizol: Bei krampfartigen Schmerzen ist der Wirkstoff eingeschränkt erlaubt.  
  • Kortison-Präparate: Diese können unter Umständen zum Einsatz kommen, allerdings obliegt die Entscheidung dem behandelnden Arzt. 

Schwangere sollten zudem darauf achten, nur Medikamente mit einem Wirkstoff einzunehmen. Von Kombinationspräparaten ist abzusehen, da es möglicherweise zu Komplikationen kommen kann. Eine vorherige Absprache mit dem Arzt empfiehlt sich.

Opioide bei sehr starken Schmerzen – in Rücksprache mit dem Arzt

Der Einsatz von Opioiden bei mittelstarken bis starken Schmerzen sollte im Optimalfall beendet werden, sobald eine Schwangerschaft geplant oder diese bereits bekannt ist. Der Einsatz von opiumartigen Inhaltsstoffen kann beim Neugeborenen zu Atemstörungen und Entzugserscheinungen führen.

Bei sehr ausgeprägten Schmerzen, beispielsweise nach einem Unfall oder einem operativen Eingriff, dürfen Schwangere – auch über einen längeren Zeitraum – Opioide einnehmen. Allerdings liegt die Entscheidung beim Arzt.

Hilfe bei Schmerzen: Alternative Behandlungswege in der Schwangerschaft


Pfefferminzöl als alternative Behandlung bei Schmerzen in der Schwangerschaft.

Bevor werdende Mütter bei Schmerzen Arzneimittel einnehmen, sollten sie alternative Maßnahmen ergreifen. Folgende Tipps lohnen sich auszuprobieren: 

  • Pfefferminzöl: Wer unter Kopfschmerzen leidet, trägt etwas Pfefferminzöl aus der Apotheke auf Schläfen und Stirn auf. Dabei darauf achten, es nur verdünnt anzuwenden, da es sonst auf der Haut brennen kann. 
  • Bewegung: Für Linderung bei Kopfschmerzen sorgt manchmal schon ein Spaziergang an der frischen Luft. 
  • Ausreichend trinken: Fehlt dem Körper Flüssigkeit, kann dies zu Kopfschmerzen führen. Schwangere sollten darauf achten, mindestens 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee am Tag zu trinken.8 
  • Massagen und Akupressur: Wer infolge von Verspannungen beispielsweise an Muskel- oder Kopfschmerzen leidet, kann spezielle Massagen oder Akupressur (Druck bestimmter Reizpunkte) in Anspruch nehmen.  
  • Wärme und Kälte: Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße und die Durchblutung wird reduziert, weshalb beispielsweise Kühlkompressen bei Schwellungen oder Blutergüssen helfen können. Wärme weitet hingegen die Blutgefäße, weshalb Wärmflasche und Co. unter anderem bei Muskelverspannungen oder Bauchkrämpfen Linderung verschaffen. Schwangere Frauen sollten jedoch beachten, dass Wärme (direkt auf dem Bauch) Wehen fördern kann. 
  • Entspannung: Stress und psychische Belastungen führen mitunter zu Verspannungen, die Schmerzen auslösen. Da sich dauerhafter Stress zudem negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann, ist es für Schwangere ratsam, sich viel Ruhe zu gönnen und oft zu entspannen. Bewusstes Atmen, leichter Sport wie Nordic Walking, Schwimmen oder Wassergymnastik sowie Schwangeren-Yoga sind hierfür geeignet.  
  • Rückenkräftigung: Wer an Rücken- oder Nackenschmerzen leidet, sollte regelmäßig Übungen zur Kräftigung der Muskulatur ausführen. Zur Entlastung der Bauch- und Rückenmuskulatur eignen sich zudem spezielle Bauchtücher oder Stützgürtel.  
  • Hausmittel: Bei Halsschmerzen und anderen Erkältungsbeschwerden sind Hausmittel eine gute Wahl. Je nach Symptom sind Kräutertees, Wadenwickel oder selbstgemachter Zwiebelsaft zu empfehlen. 

Bei anhaltenden Schmerzen sowie einer Verschlechterung der Symptome, suchen Sie bitte einen Arzt auf. Er kann der Ursache der Beschwerden auf den Grund gehen und eine geeignete Therapie verordnen.

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Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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