Nozizeptiver Schmerz – Definition, Entstehung, Therapie

Nozizeptive Schmerzen, die in speziellen Schmerzrezeptoren entstehen, sind die häufigsten Schmerzen. Es lassen sich zwei Arten von nozizeptiven Schmerzrezeptoren unterscheiden, die an verschiedenen Organen des Körpers liegen. Sie erzeugen unterschiedliche Formen von Schmerz, die in der Regel aber gut zu behandeln sind.

Was ist nozizeptiver Schmerz?

Nozizeptiver Schmerz ist ein Schmerz, der von speziellen Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) ausgeht. Diese können in Haut, Bindegewebe, Muskeln, Knochen und Gelenken liegen (somatischer Schmerz) oder in inneren Organen (viszeraler Schmerz).



Ursachen für nozizeptiven Schmerz

Nozizeptive Schmerzen umfassen einen Großteil der Schmerzen, die durch äußere Einflüsse entstehen, wie zum Beispiel

  • Verletzungen,
  • Prellungen und Überdehnungen,
  • Verbrennungen,
  • Verätzungen,
  • Entzündungen und vieles mehr.

Neuropathischer oder nozizeptiver Schmerz?

Nozizeptiver Schmerz wird durch spezifische Schmerzrezeptoren hervorgerufen. Im Gegensatz dazu entsteht der neuropathische Schmerz, wenn allgemein Nerven des zentralen oder peripheren Nervensystems erkrankt oder geschädigt sind.

Es gibt zwei Typen von Schmerzrezeptoren

Bei den Schmerzrezeptoren, oder Nozizeptoren, handelt es sich um verzweigte, freie (also nackte) Nervenendigungen sensibler Neuronen des Rückenmarks. Sie werden auch als Schmerzfasern bezeichnet und kommen in allen schmerzempfindlichen Geweben des Körpers vor. Nur wenige Organe, wie das Gehirn und der Innenbereich der Leber besitzen keine Nozizeptoren und sind daher schmerzunempfindlich.

Unterschieden werden zwei Arten von Schmerzfasern, die für unterschiedliche Arten von Schmerz zuständig sind:

  • A-Delta-Fasern: Sie übermitteln den stechenden Schmerz, der zum Beispiel bei einem Nadelstich entsteht und zuerst wahrgenommen wird.
  • C-Fasern: Die C-Fasern haben eine geringe Leitungsgeschwindigkeit und leiten den eher dumpfen, häufig tieferen Schmerz weiter, der später wahrgenommen wird und länger anhält als der von den A-Delta-Fasern vermittelte Schmerz.

Insgesamt gibt es für die Schmerzweiterleitung wesentlich mehr C- als A-Delta-Fasern.

Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzreizen

Beide Typen von Schmerzfasern enden im Rückenmark. Dort können sie einerseits direkt schnelle Reaktionen auslösen, wie den Wegziehreflex beim Berühren einer heißen Herdplatte. Andererseits werden die Signale hier an sekundäre Schmerzneuronen weitergegeben, die die Reize letztendlich bis in die Großhirnrinde (Cortex) weiterleiten. In verschiedenen Cortexarealen werden die Signale der Schmerzneuronen erkannt und verarbeitet. Erst jetzt entsteht der eigentliche Schmerz, den wir wahrnehmen und den das Gehirn in vielfältiger Weise verstärken, abschwächen oder mit anderen Informationen verrechnen kann.

Eine große Rolle bei der Schmerzwahrnehmung spielen innere und äußere Faktoren, wie innere Einstellung, Stress, Laune, Wetter, Schlafbedürfnis und vieles mehr. Unter Umständen folgen durch die Schmerzen körperliche Reaktionen, das heißt Betroffene nehmen eine andere Körperhaltung ein, stoppen die jeweilige Aktivität oder versuchen durch eine bestimmte Bewegung, den Schmerz zu vermeiden. Das alles dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.

Die Schmerzweiterleitung im Körper ist also keine Einbahnstraße. Das Gehirn kontrolliert die Übertragung vielmehr bereits auf Ebene des Rückenmarks. Dieses Kontrollsystem ist ständig aktiv und kann bereits die Weiterleitung eines Schmerzsignals abschwächen oder vollständig unterbinden, bevor es im Gehirn angekommen ist. Die Filterprozesse werden zum Beispiel insbesondere in Gefahrensituationen, nach Unfällen, bei Wettkämpfen oder während des Geschlechtsverkehrs aktiviert. Das Nervensystem verwendet dabei körpereigene Opioide (zum Beispiel Endorphine) zur Herabsetzung der Schmerzwahrnehmung. Bei Menschen mit chronischen Schmerzen kann der beschriebene Schutzmechanismus gestört sein.

Die Behandlung von nozizeptiven Schmerzen

Akute nozizeptive Schmerzen sprechen im Allgemeinen gut auf herkömmliche, nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel an, mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol (Schmerztherapie). Bei stärkeren Schmerzen wirken auch Opioide, die wegen ihres Suchtpotenzials allerdings nur in bestimmten Fällen und nur kurzzeitig verschrieben werden. Die Elektrostimulation (TENS) wirkt bei nozizeptiven Schmerzen – im Gegensatz zu neuropathischen Schmerzen, die entstehen, wenn sensible Fasern des Nervensystems geschädigt sind – nicht so gut.

Wie immer gilt auch bei nozizeptiven Schmerzen: Je früher mit einer Schmerztherapie begonnen wird, desto besser ist in der Regel das Behandlungsergebnis und desto geringer ist die Gefahr einer Chronifizierung des Schmerzes.

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