Die vestibuläre Migräne

Die vestibuläre Migräne ist eine besondere Migräneform und der häufigste Grund für spontane Schwindelanfälle. Sie ist nicht immer mit Kopfschmerzen verbunden, es treten neben dem Schwindel aber noch weitere typische Symptome auf. Diagnostisch ist es wichtig, die vestibuläre Migräne von anderen Erkrankungen zu unterscheiden, die ebenfalls Schwindelanfälle erzeugen können. Wie bei allen Migränearten hilft es auch bei der vestibulären Migräne, die individuellen Migräneauslöser zu kennen und wenn möglich zu vermeiden.

Vestibuläre Migräne – was ist das?

Als vestibuläre Migräne bezeichnen Mediziner eine Schwindelphase bei einem Migränepatienten. Dabei fühlt sich der Patient so, als ob er sich selbst oder als ob die Objekte um ihn herum sich bewegen würden, obwohl das tatsächlich nicht der Fall ist. Dadurch hat die Migräneform auch ihren Namen erhalten: Der Begriff „vestibulär“ bedeutet „das Gleichgewichtsorgan im Innenohr betreffend“.

In der Bevölkerung liegt die Häufigkeit, mindestens einmal im Laufe des Lebens an einer vestibulären Migräne zu leiden, bei einem Prozent.1 Die vestibuläre Migräne ist dabei der häufigste Grund für spontane Schwindelanfälle. Meistens tritt sie erst ab einem Alter von etwa 40 Jahren auf, aber auch bei Kindern gibt es ein ähnliches Phänomen, das als benigner paroxysmaler Schwindel des Kindesalters (BPV) bezeichnet wird. Kinder mit dieser Erkrankung leiden später häufiger an Migräne als ihre Altersgenossen.

Migräne ist meistens mit starken Kopfschmerzen verbunden. Bei der vestibulären Migräne ist das anders, in bis zu 30 Prozent der Fälle bleiben die Kopfschmerzen komplett aus.2 Vestibuläre Migräne tritt oft – aber nicht immer – bei Patienten auf, die unter einer Migräne mit Aura leiden.

Symptome der vestibulären Migräne

Das Hauptsymptom bei vestibulärer Migräne ist ein Schwindelanfall, der normalerweise spontan auftritt. Es können jedoch folgende Symptome dazukommen:

  • Gleichgewichtsstörungen
  • Übelkeit beim Bewegen der Augen, des Kopfes oder des Körpers
  • Übelkeit beim Betrachten beweglicher Objekte (Autos, laufende Menschen)
  • Benommenheit
  • Desorientierung oder Verwirrtheit
  • Erbrechen als Folge der anderen Symptome

Anfälle von vestibulärer Migräne dauern meist nur wenige Sekunden oder Minuten, sie können jedoch in seltenen Fällen auch mehrere Tage anhalten. Patienten mit vestibulärer Migräne leiden zudem mit größerer Wahrscheinlichkeit auch an Reisekrankheit und haben ein höheres Risiko für Schlaganfälle.

Ursachen und Auslöser der vestibulären Migräne

Auch für diese Form der Migräne sind die eigentlichen Ursachen noch nicht ausreichend bekannt. Die Migräneauslöser oder Trigger sind allerdings dieselben, wie sie auch für andere Migränearten gelten. Häufige Trigger einer vestibulären Migräne sind daher:

  • Wetterumschwünge
  • Stress
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • starke Licht-, Geräusch- oder Geruchsreize
  • starke körperliche Anstrengung

Auch ein Verschieben der Schlafenszeiten – zum Beispiel aufgrund von Jetlag oder Änderungen des Tagesrhythmus – kann einen Migräneanfall begünstigen.

Wie vestibuläre Migräne diagnostiziert wird

Wie alle Migränearten ist auch die vestibuläre Migräne schwierig und nur nach Ausschluss anderer Ursachen zu diagnostizieren. Der Arzt wird Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Hatten Sie fünf oder mehr mittelschwere bis starke Schwindelanfälle, die zwischen fünf Minuten und 72 Stunden dauerten?
  • Leiden Sie unter Migräneanfällen?
  • War mindestens die Hälfte der Schwindelanfälle mit folgenden Symptomen verbunden?
    • schmerzhafte Überempfindlichkeit gegen Licht oder Geräusche
    • visuelle Erscheinungen (Aura)
    • Kopfschmerzen (einseitig, pochend, moderat bis stark, bei Aktivität verschlimmert)

Außerdem wird der Arzt genau überprüfen, ob andere Ursachen für Ihren Schwindel verantwortlich sein könnten, dazu gehören zum Beispiel:

  • Nervenirritationen oder Verletzungen des Innenohrs
  • transitorische ischämische Attacken, TIA (vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns)
  • Menière-Krankheit oder Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs)
  • benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (gutartiger Lagerungsschwindel): eine harmlose und sehr häufige Form des Schwindels

Sie sehen: Hinter einem Schwindelanfall können viele verschiedene Ursachen stecken. Treten Schwindelanfälle häufiger auf, sollten Sie das unbedingt von einem Arzt abklären lassen.

Therapie bei vestibulärer Migräne

Auch für diese Migräneform ist eine Heilung bislang unmöglich; man kann nur versuchen, den jeweiligen Anfall zu stoppen oder die Symptome zu bekämpfen. In einer Studie von Ärzten der Charité in Berlin wurden 61 Patienten mit vestibulärer Migräne durchschnittlich neun Jahre lang beobachtet.3 In 56 Prozent der Fälle verbesserten sich die Schwindelanfälle von selbst, bei 29 Prozent nahmen sie zu und bei 16 Prozent blieben die Anfälle in etwa gleich.

Wie bei allen Migränearten hilft es auch bei der vestibulären Migräne, die individuellen Migräneauslöser zu kennen und wenn möglich zu vermeiden. Um diese Einflüsse zu entlarven, hilft es ein Migränetagebuch zu führen.

Mehr erfahren:

Welche Ursachen hat Migräne? >>

Arten von Migräne im Überblick >>

Migräne natürlich behandeln >>

 

1 Neurologen und Psychiater im Netz. URL: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schwindel/vestibulaere-migraene/ (21.09.2017).
2 Ebd.
3 Pub Med.gov: U.S. National Library of Medicine National Institutes of Health. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=23019266 (18.08.2017).