Viszeraler Schmerz – wenn der Schmerz von den inneren Organen ausgeht

Viszeraler Schmerz wird als Eingeweideschmerz bezeichnet; er geht von den Organen des Rumpfes aus und fühlt sich meist wie ein dumpfer Schmerz an. Viszeraler Schmerz ist häufig mit zusätzlichen Symptomen verbunden, wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen. Projizierter Schmerz ist zudem charakteristisch: Dabei spürt der Betroffene den Schmerz in anderen, zum Teil weit entfernten Regionen des Körpers. Der Ort der Reizeinwirkung ist bei viszeralem Schmerz also nicht unbedingt identisch mit dem Ort der Schmerzwahrnehmung.

Was ist viszeraler Schmerz?

Viszeraler Schmerz – eine Art von nozizeptivem Schmerz, bei dem eine physiologische Reaktion auf einen Schmerzreiz erfolgt – kommt aus den inneren Organen, dem Magen-Darm-Trakt oder aber dem Beckenbereich. Dort sitzen Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren), die dem Gehirn über das Rückenmark melden, wenn ein Schaden vorliegt.

Vor allem gegenüber Druck, Dehnung, Mangeldurchblutung und Entzündungen erweisen sich diese Rezeptoren als sehr empfindlich, andere Schmerzreize, wie Verletzungen oder die Temperatur, haben dagegen eher geringe Auswirkungen.

Anders als somatischer Schmerz, der von der Haut, den Muskeln, Gelenken, Knochen oder dem Bindegewebe ausgeht, ist der viszerale Schmerz schwieriger zu lokalisieren.

Wie fühlt sich viszeraler Schmerz an?

Der viszerale Schmerz kann zuerst durch einen plötzlichen, krampfartigen und kurzfristig gut lokalisierbaren Schmerz in Erscheinung treten, der sich dann ändert und als drückender oder dumpfer Schmerz empfunden wird. Er ist dann eher vage, diffus sowie schwer zu definieren und lokalisieren. Unabhängig vom tatsächlichen Ursprung wird er oft in der Mitte des Rumpfes, im Bereich zwischen dem unteren Bauch und der Brust wahrgenommen. Manchmal kann der viszerale Schmerz aber auch auf andere Körperregionen ausstrahlen (projizierter Schmerz), was die Lokalisierung noch schwieriger macht.

Unterschiede zwischen oberflächlichem, somatischem und tiefem, viszeralem Schmerz

Schmerzform somatisch viszeral
Lokalisation oberflächlich innere Organe
Qualität plötzlicher, scharfer Schmerz langsamer, dumpfer Schmerz
Lokalisierbarkeit genau schwierig
Begleitsymptome selten Übelkeit, Änderung von Blutdruck und Puls, Angst, Beklemmung

Wer sich in den Finger schneidet, spürt einen plötzlichen, scharfen Schmerz. Die inneren Organe aber, wie Darm und Blase, haben keine oder kaum Rezeptoren für diese Art von Schmerz. Deswegen fühlt sich viszeraler Schmerz eher wie ein träger, dumpfer Schmerz an. Bei einem blutenden Finger weiß der Verletzte ganz genau, wo der Schmerz herkommt. Beim viszeralen Schmerz ist das schwieriger zu sagen, weil es weitaus weniger schmerzleitende Rezeptoren in den inneren Organen gibt.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Tatsache, dass mit viszeralem Schmerz häufig auch begleitende Symptome einhergehen, die den Körper als Ganzes betreffen. So zum Beispiel:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwitzen
  • blasse Haut
  • Blutdruckanstieg oder -abfall
  • Änderung des Pulses

Auch emotionale Reaktionen sind bei starken viszeralen Schmerzen zu beobachten, wie Angst oder Beklemmungsgefühle.

Ursachen für viszerale Schmerzen

Viszeraler Schmerz wird häufig durch Druck in und um die inneren Organe verursacht. Auch Dehnung der Bauchhöhle oder von Darm und Blase können zu dem Schmerz führen. Vielfältige Erkrankungen können die Ursache für viszerale Schmerzen sein. So erzeugt eine Minderdurchblutung des Herzmuskels, die zum Beispiel im Rahmen der Koronaren Herzkrankheit auftreten kann, Herzschmerzen.

Zu den Ursachen von chronischen viszeralen Schmerzen gehören:

  • Magenschleimhautentzündungen (Gastritis)
  • Sodbrennen
  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Gallenwegserkrankungen
  • Verstopfung
  • Reizdarm
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Sehr starke Schmerzen verursachen Nierensteine in den Harnwegen, sogenannte Koliken in den Harnleitern.

Behandlung des viszeralen Schmerzes

Zuallererst gilt es, die Ursache viszeraler Schmerzen – falls bekannt – zu beheben. Erst wenn der Ursprung der Symptome bekannt ist, sollten die Schmerzsymptome behandelt werden, da eine zu frühe Schmerztherapie die Diagnose erschweren oder verfälschen kann. Wird die Ursache der Symptome jedoch nicht in angemessener Zeit gefunden, hat die Schmerzbehandlung zum Wohle des Patienten Vorrang.

Die symptomatische Behandlung von viszeralen Schmerzen beruht hauptsächlich auf einer medikamentösen Therapie. Wegen breitgefächerten Ursachen für viszerale Schmerzen werden sehr unterschiedliche Substanzgruppen von Schmerzmitteln eingesetzt, wie zum Beispiel:

  • milde Opioide, wie Codein
  • stärker wirksame Opioide, wie Morphin
  • Benzodiazepine
  • Antidepressiva
  • je nach zugrundeliegender Erkrankung verschiedene andere Pharmaka

Woher kommt projizierter Schmerz?

Viszeraler Schmerz wird oft in andere Körperbereiche projiziert; man spricht von übertragenem Schmerz. So werden Schmerzen im Herz bei einem Herzinfarkt manchmal in den linken Arm und/oder die linke Schulter projiziert, während Schmerzen in der Blase häufig in den Damm ausstrahlen, den Bereich zwischen After und den äußeren Geschlechtsorganen.

Bei der Schmerzprojektion ordnet das Gehirn die Schmerzen bestimmten Haut- oder Muskulatur-Arealen zu, die sich mit dem eigentlich betroffenen Bereich die Schmerzbahn teilen. Die Lage dieser Bereiche an der Körperoberfläche stimmt in der Regel ungefähr mit der Lage des betroffenen Organs überein. In manchen Fällen liegen die Areale und der eigentliche Ursprung der Schmerzen jedoch weit auseinander: So kann zum Beispiel der Schmerz in der Gallenblase in die rechte Schultergegend projizieren.

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