Wetter-Kopfschmerz: Gibt es ihn wirklich?

20. Juli 2020
9 Min.
Die Meinungen, inwieweit Wetterschwankungen und Kopfschmerzen zusammenhängen, gehen weit auseinander. Während Wissenschaftler eine eher zufällige Verbindung vermuten, sind Betroffene sich meist sicher, dass ihre Beschwerden auf die Einflüsse von Wetteränderungen zurückzuführen sind. Auch Migränepatienten berichten immer wieder über Anfälle, die beispielsweise durch große Temperaturschwankungen ausgelöst werden. Doch was ist dran, an der Theorie des Wetter-Kopfschmerzes?

Überblick:

Was die Wissenschaft zum Thema Wetter und Kopfweh sagt

Frau hält sich die Hände an die Schläfen, da sie unter Wetter-Kopfschmerz leidet.

Besonders häufig mit dem Wetter in Verbindung gebracht werden Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne. Viele Forscher stehen diesem Zusammenhang jedoch skeptisch gegenüber und vermuten, dass hier möglicherweise vor allem das subjektive Empfinden des Patienten als Ursache verantwortlich ist. Da sowohl das Wetter als auch Kopfschmerzen den Alltag stark beeinflussen können, ist es durchaus wahrscheinlich, dass Betroffene eine Verbindung ziehen. Oftmals fällt es leichter, offensichtliche und medienpräsente Merkmale wie beispielsweise Föhn oder große Temperaturschwankungen wahrzunehmen, als unauffälligere Auslöser wie Stress. Eine ausreichend gesicherte Studienlage gibt es hierzu bisher jedoch noch nicht — weder für, noch gegen einen Zusammenhang.1

Anzeige

Da jedoch zahlreiche Erfahrungsberichte zur Wetterfühligkeit von Betroffenen vorliegen, beschäftigt sich die Wissenschaft nach wie vor mit dieser Thematik. Vor allem

  • Luftdruck,
  • Luftfeuchtigkeit,
  • Temperatur sowie
  • Wetterwechsel
und ihr Einfluss auf die Kopfschmerzen stehen im Fokus der Beobachtungen. Da es für die Entstehung von Spannungskopfschmerzen oder Migräne insgesamt jedoch sehr viele Trigger (auslösende/begünstigende Faktoren) — beispielsweise Stress, Ernährung, hormonelle Schwankungen oder bestimmte Medikamente — gibt, ist die Forschung in diesem Bereich sehr komplex und anspruchsvoll. Zudem muss nicht jeder Trigger zwangsläufig jedes Mal zu Beschwerden führen, was den Nachweis darüber, was letztendlich verantwortlich war, noch schwieriger gestaltet.

Alternativmedizinischer Ansatz zum Wetter-Kopfschmerz:

In der chinesischen Medizin wird davon ausgegangen, dass Kopfschmerzen, die durch Hitze oder Kälte schlimmer werden, beispielsweise auf ein Ungleichgewicht zwischen dem Yin und Yang bestimmter Organe (wie der Leber) zurückzuführen sind. Yin und Yang gelten als zwei gegensätzliche, sich ergänzende Kräfte, die im Gleichgewicht stehen sollen.2

Zudem blockieren laut der traditionellen Lehre Faktoren wie Wind-Hitze, Wind-Kälte oder Wind-Nässe Kopf und Nacken und sorgen so für Beschwerden in diesem Bereich.3

Anzeige

Wetterbedingte Kopfschmerzen aus Sicht der Betroffenen

Wetterlage und Klimaveränderungen sind wichtige Bestandteile der Umwelt des Menschen. Dies liegt auch daran, dass unser Körper eine Kerntemperatur von etwa 37 Grad Celsius benötigt, um all seine Funktionen aufrecht erhalten zu können.4 Ändert sich die Umgebungstemperatur oder kommt es zu großen Schwankungen, muss der Organismus ausgleichend entgegenwirken (beispielsweise indem sich bei Hitze die Gefäße weiten, um mehr Wärme nach außen abzugeben). In den meisten Fällen bekommen wir davon überhaupt nichts mit. Kommt es jedoch zu einem besonders starken Wetterumschwung oder sind wir durch zusätzliche Faktoren wie Stress oder ein geschwächtes Immunsystem vorbelastet, können Beschwerden auftreten. Dazu zählen neben Kopfschmerzen unter anderem:

  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen

Manche Menschen reagieren ihrer eigenen Einschätzung nach von Natur aus besonders sensibel in Bezug auf Wetterveränderungen — sie werden als „wetterfühlig“ bezeichnet.

Bei einer vom Deutschen Wetterdienst durchgeführten Studie zur Wetterfühligkeit waren 50 % der Befragten der Meinung, dass das Wetter Einfluss auf ihre Gesundheit hat. Als häufigste Symptome wurden Kopfschmerzen und Migräne (59%) sowie Müdigkeit (55%) genannt.5

Besonders oft zu Beschwerden führen laut Beobachtungen Tiefdruck-Wetterlagen.5 Sie treten zu jeder Jahreszeit auf und bringen Regen, Gewitter oder Sturm mit sich. Auch das generelle Absinken des Luftdrucks sowie ein plötzlicher Anstieg der Lufttemperatur scheinen auslösende Faktoren zu sein.6

Migräne und Wetter — was Sie wissen sollten

Nicht nur Spannungskopfschmerzen, sondern auch Migräneattacken können nach Ansicht der Betroffenen durch das Wetter ausgelöst werden. Besonders abrupte Wetterwechsel und Föhn stehen im Ruf, verantwortlich für die Schmerzen zu sein.

Um herauszufinden, welche Wetterlagen (oder welche anderen Faktoren) bei Ihnen am häufigsten zu Beschwerden führen, raten Experten häufig dazu, ein Migräne-Tagebuch zu führen. So erlangen Sie ein Gespür dafür, was Ihre Migräneattacken auslöst, und können — nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt — rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen (beispielsweise die frühzeitige Einnahme von Schmerzmitteln).

Tipps zum Vorbeugen und Behandeln von Wetter-Kopfschmerz

Wer die Vermutung hat, dass er sensibel auf das Wetter reagieren könnte, hat die Möglichkeit, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

  • Verreisen Sie nicht in Urlaubsländer, die für ihr sehr unbeständiges Wetter bekannt sind (wie Island im Herbst) oder in denen es besonders heiß wird (beispielsweise Spanien während der Sommermonate).
  • Versuchen Sie, starke Temperaturunterschiede innerhalb und außerhalb eines Gebäudes zu vermeiden, indem Sie zum Beispiel regelmäßig Lüften und Klimaanlage/Heizung nicht zu sehr aufdrehen.
  • Trainieren Sie Temperaturwechsel. Dafür eignen sich unter anderem Wechselduschen und Saunagänge.

Auch die frühzeitige Einnahme eines Schmerzmittels (beispielsweise mit Acetylsalicylsäure) kann dafür sorgen, dass die Kopfschmerzen milder ausfallen oder gar nicht erst auftreten. Achten Sie jedoch auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Medikamenten und suchen Sie bei starken oder anhaltenden Beschwerden (wenn Sie etwa mehr als 8 bis 10 Mal im Monat Schmerzmittel benötigen) einen Arzt auf.7

Das Internet nutzen:

Mittlerweile gibt es einige Apps und Webseiten, die Nutzer vor bestimmten Wetterlagen, wie „Kopfschmerz-Wetter“, und weiteren Faktoren (zum Beispiel gefühlte Temperatur, Pollenflug, UV-Index) warnen. Beispielhaft zu nennen ist hier die App „GesundheitsWetter“ des Deutschen Wetterdienstes.

Doch auch wenn der Kopfschmerz bereits voll ausgeprägt ist, können noch Maßnahmen zur Behandlung beziehungsweise Linderung ergriffen werden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Einnahme von Schmerzmitteln (beispielsweise mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol)
  • Akupressur (Druckpunktmassage mit den Fingern)
  • Auftragen von Minzöl (in der Apotheke erhältlich) auf die Schläfen
  • leichte Bewegung, beispielsweise ein Spaziergang (bei Migräne jedoch besser auf Bewegung verzichten)

Eine genaue Vorhersage, wie lange die Wetter-Kopfschmerzen anhalten können, ist leider nicht möglich. Jeder Betroffene reagiert individuell. Zudem wird die Kopfschmerz-Dauer oft von zusätzlichen Faktoren — wie etwa einer schlaflosen Nacht —beeinflusst.

Fazit

Ob Kopfschmerzen wirklich durch bestimmte Wetterveränderungen ausgelöst werden können, bleibt aus Sicht der Wissenschaft nach wie vor umstritten. Fakt ist jedoch, dass das Wetter Einfluss auf unser Wohlbefinden und unseren Körper hat. Einige Menschen reagieren sensibler, andere dagegen weniger sensibel auf die klimatischen Bedingungen um sie herum. Zudem können gerade bei der Entstehung von Kopfschmerzen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Hierzu gehören beispielsweise Stress, Schlaf-, Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel, hormonelle Störungen oder Muskelverspannungen — welche Auslöser genau zusammenkommen müssen und welche Rolle das Wetter dabei spielt, ist schwer zu erforschen.

Jana Welsner
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin und Lebensmitteltechnologin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!