Schmerztabletten: Welche „Waffen“ gegen Schmerzen gibt es?

Schmerzen – sie können unangenehm bis unerträglich sein und viele verschiedene Ursachen haben, beispielsweise Verletzungen oder Erkrankungen. Zum Glück gibt es mittlerweile eine Vielzahl wirksamer Schmerzmittel: Wirkstoffe wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure kennen vermutlich die meisten. Wie sieht es aber mit Diclofenac oder Naproxen aus? Und welche sind wann am besten geeignet?

Was sind Schmerzmittel?

Schmerzmittel (Analgetika) sind Arzneistoffe zur Behandlung akuter oder chronischer Schmerzen. Es gibt sie in unterschiedlichen Darreichungsformen wie Tabletten, Salben oder Tropfen zu kaufen. Aber wie genau kann eine unscheinbar wirkende Tablette unsere Kopfschmerzen lindern? Oder die Zahnschmerzen erträglicher werden lassen?


Das Bestreben des Menschen, Schmerzen zu lindern, hat eine jahrtausendealte Geschichte. Bereits unsere Vorfahren nutzten pflanzliche Schmerzmittel, wie

  • den Schlafmohn oder
  • Weidengewächse, um damit Kranke zu behandeln.

Denn deren Inhaltsstoffe – das erkannten unsere Vorfahren schon früh – haben eine schmerzstillende Wirkung. Heute müssen wir keine Pflanzen mehr pflücken, sondern erhalten Schmerztabletten in der Apotheke. Die Pharmazie, die Wissenschaft, die sich mit der Herstellung von Arzneimitteln beschäftigt, konnte die Wirkweise der Pflanzen chemisch nachahmen und somit eine industrielle Produktion ermöglichen – wodurch zumindest rezeptfreie Schmerzmittel für jeden zugänglich geworden sind. Die Bandbreite an unterschiedlichen Schmerzmitteln ist mittlerweile jedoch so riesig, dass Betroffene schnell den Überblick verlieren können. Bei der Wahl des richtigen Analgetikums sind neben den Schmerzursachen und der Wirkweise mögliche Nebenwirkungen entscheidend.

Wichtig:

Nur weil Schmerzmittel rezeptfrei erhältlich sind oder es sich um pflanzliche Schmerzmittel handelt, bedeutet das nicht, dass sie beliebig eingenommen werden dürfen. Auch sie können bei einer zu häufigen Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Beachten Sie deshalb die genauen Einnahmeempfehlungen auf der Packungsbeilage oder lassen Sie sich bezüglich der Dosierung von einem Arzt oder Apotheker beraten.

Analgetikum: Leicht bis mäßig, mittelstark, stark

Bei der Frage, welche Schmerztablette für einen Patienten infrage kommt, orientieren sich Ärzte in erster Linie am Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dieses Modell, das ursprünglich für die Orientierung in der Krebs-Schmerztherapie entwickelt wurde, besteht aus drei Stufen:

  1. Bei leichten bis mäßig starken Schmerzen reichen nicht-opioide Schmerzmittel in der Regel aus. Mit Opioiden sind aus Opium – dem Mohnsaft – gewonnene oder synthetisch hergestellte Arzneimittel gemeint, die sehr wirksam sind, aber nur mit Vorsicht angewendet werden dürfen.
  2. Mittelstarke Schmerzen behandeln Ärzte in der Regel mit schwachen Opioiden.
  3. Bei sehr starken Schmerzen muss der behandelnde Arzt hingegen starke Opioide in Erwägung ziehen.

Bei dem Stufenmodell handelt es sich um eine grobe Richtlinie. Da bei der Medikamentengabe Kriterien wie vorhandene Grunderkrankungen des Patienten oder Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten et cetera eine Rolle spielen, kann der Arzt nach seinem Ermessen von diesem Schema abweichen. Auf jeder Stufe können außerdem begleitend weitere Medikamente gegen unerwünschte Nebenwirkungen der Schmerzmittel wie Übelkeit verabreicht werden.

Stufe 1: Leichte bis mäßig starke Schmerzmittel

Zu den Schmerzmitteln gegen leichtere Schmerzen gehören in erster Linie nicht-steroidale Antirheumatika, kurz NSAR, wie Ibuprofen, Diclofenac oder die Acetylsalicylsäure. Die entzündungshemmenden Schmerzmittel können beispielsweise bei

  • leichten bis mäßig starken Kopfschmerzen,
  • Gelenkbeschwerden oder
  • grippalen Infekten für Linderung sorgen.

Paracetamol hat zwar keine entzündungshemmende Wirkung wie die drei anderen genannten Wirkstoffe, ist aber ebenfalls ein Schmerzmittel, das in niedrigen Dosierungen rezeptfrei erhältlich ist. Aber nur, weil verschiedene Schmerztabletten zur gleichen Gruppe, den schwächeren Medikamenten, gezählt werden, heißt das nicht, dass sie auf gleiche Weise wirken. In unserem Schmerzmittelvergleich finden Sie weitere Informationen über die einzelnen Wirkstoffe und wann Sie am besten geeignet sind.

Stufe 2: Mittelstarke Schmerzmittel

Bei mittelstarken Schmerzen kommen nach der WHO-Empfehlung schwache Opioide wie Tilidin oder Naloxon zum Einsatz. Je nach Ihren Beschwerden kann der Arzt zusätzlich Analgetika aus der Stufe 1 verabreichen. Medikamente aus den Stufen 1 und 2 zu kombinieren, ist also generell möglich. Aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften ist beispielsweise Naproxen ein beliebtes Schmerzmittel bei der Behandlung von akuten oder chronischen Gelenkerkrankungen. Triptane wurden hingegen speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt.

Stufe 3: Stark wirksame Schmerzmittel

Bei unerträglich starken akuten oder chronischen Schmerzen helfen meist nur noch stark wirksame opioide Schmerzmittel, um das Leiden erträglicher zu machen. Ein solches ist beispielsweise Morphin, das als Rauschmittel gilt und unter die Betäubungsmittelrichtlinien fällt. Weitere stark wirkende, dem Morphin ähnliche Opioide sind:

  • Codein
  • Tramadol
  • Oxycodon
  • Fentanyl
  • Buprenorphin

Eine Therapie mit solch starken Schmerzmitteln kommt beispielsweise während einer Operation, bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen (zum Beispiel Krebs) infrage.

Vorsicht Schmerztabletten: Lassen Sie sich beraten!

Stark wirksame Schmerzmittel wie Opioide bekommen Sie nur durch eine Verschreibung des Arztes in der Apotheke. Aber auch vor der Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln sollten Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Nicht nur, dass bei allen Schmerzmitteln Nebenwirkungen möglich sind, Schmerztabletten unterscheiden sich stark in ihrer Wirksamkeit. Deshalb ist eine fachkundige Beratung unerlässlich. Besonders ältere Menschen, die häufig eine Vielzahl an anderen Medikamenten einnehmen, sollten ihren Arzt oder Apotheker darüber informieren, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Andere Grunderkrankungen sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Das Analgetikum Diclofenac darf beispielsweise nicht bei Bluthochdruck oder einem erhöhten Cholesterinwert eingenommen werden. Für schwangere oder stillende Frauen gelten ebenfalls besondere Vorsichtsmaßnahmen. Gleiches gilt für Kinder: Auch für sie sind nicht alle Schmerztabletten geeignet. Weiterführende Informationen dazu finden Sie in unserem Text Schmerzmittel für Kinder.

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