Nacken- und Rückenschmerzen: Ein Überblick

In Deutschland sind Nacken- und Rückenschmerzen eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Nahezu jeder dritte Erwachsene hat regelmäßig mit ihnen zu kämpfen.1 Dabei ist es egal ob oben, mittig oder unten — betroffen sein können alle Bereiche der menschlichen Rückseite. Doch wie kommt es zu den Beschwerden, die oftmals so groß sind, dass ein geregelter Arbeitsalltag nicht mehr möglich scheint?

Wenn Rückenschmerzen den Nacken und oberen Rücken betreffen

Sobald Menschen über Rückenschmerzen im Nacken- und Schulterbereich klagen, betrifft dies in der Regel die Halswirbelsäule, Schulterblätter und Schlüsselbeine sowie deren Muskelgruppen. Zusätzlich zu den Schmerzen treten hierbei oft auch Bewegungseinschränkungen des Kopfes oder der Arme auf. Doch wie genau kommt es dazu? Ist vom Nacken die Rede, wird damit der hintere Teil des Halses bezeichnet — auf die Wirbelsäule bezogen sind das die ersten sieben Wirbelkörper (C1 bis C7). In diesem Bereich befindet sich eine Vielzahl an Muskeln, die für die Beweglichkeit des Kopfes verantwortlich sind. Gerade bei Verspannungen durch Zugluft oder starken Stress (beispielsweise eine verkrampfte, steife Haltung), verhärtet sich die Muskulatur und führt zu Nacken- und Rückenschmerzen, die vor allem bei Drehbewegungen des Kopfes zu spüren sind.

Kommt es zusätzlich zu Schmerzen in den Armen oder gar Taubheitsgefühlen und Funktionsausfällen, ist in vielen Fällen ein Bandscheibenvorfall die Ursache. Durch den Austritt des inneren weichen Kerns der Bandscheibe, wird Druck auf den dort verlaufenden Nerv ausgeübt. Ist dieser verantwortlich für Signalübertragungen zwischen dem Gehirn und den Armen, können Störungen der Beweglichkeit oder des Berührungsempfindens auftreten.

Auch die Schulterpartie bleibt nicht verschont, wenn es um Rückenschmerzen geht. Mögliche Ursachen sind:

  • Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur
  • Verschleißerscheinungen der knöchernen Strukturen (beispielsweise Schultergelenk)
  • Verletzungen, vor allem durch Sport
  • Entzündungen des Muskelgewebes, beispielsweise aufgrund einer Überlastung

Patienten mit Schulterschmerzen fällt es oftmals schwer, die Arme zu heben oder auf der betroffenen Seite zu liegen. Da mögliche Verspannungen sich bis in den Lendenbereich und in den Nacken ausbreiten können, sind Rückenschmerzen über den gesamten Rücken hinweg möglich.

Schmerzen im mittleren Rücken – die Ursachen

Der mittlere Rücken umfasst etwa den Bereich von den Schulterblättern bis zur letzten Rippe. In Bezug auf die Wirbelsäule sind das die insgesamt zwölf Brustwirbel (Th1 bis Th12). Treten in dieser Körperpartie Rückenschmerzen auf, strahlen sie möglicherweise ebenfalls bis in Nacken und Schultern sowie den Lendenbereich aus. Schuld daran sind die verschiedenen Muskelgruppen und Bandstrukturen, die über den ganzen Rücken miteinander in Verbindung stehen. Bei Schmerzen nehmen wir automatisch eine Schonhaltung ein. Dabei kann die Entlastung des einen Muskels zur Fehlbelastung eines anderen führen, der dann möglicherweise ebenfalls Schmerzen verursacht. Häufige Auslöser, welche unter anderem für Beschwerden im mittleren Rücken sorgen können sind:

  • Skoliose: Eine Verkrümmung der Wirbelsäule, deren Ursachen bis heute noch nicht abschließend erforscht sind. In den meisten Fällen ist sie angeboren und zeigt sich im Verlauf des Wachstums. Die Fehlstellung führt zu überdurchschnittlich starken Verschleißerscheinungen der Bandscheiben und Wirbelgelenke.
  • Verspannung: Bedingt durch eine einseitige Belastung — beispielsweise einhändige Malerarbeiten — verhärtet sich der Muskelbereich. Das führt zu Rückenschmerzen, die sich schlimmstenfalls bis zum Nacken und auf den Kopf übertragen.
  • Verschleißerscheinungen: Durch regelmäßige Überanstrengung (zum Beispiel schweres Heben) oder anhaltender Fehlhaltung (wie eine falsche Sitzhaltung am Arbeitsplatz) nutzen sich Knorpel, Gelenke und Bandscheiben schneller ab als gewöhnlich.

Welche Art von Auslöser den Schmerzen zugrunde liegt, obliegt der Beurteilung eines Fachmanns. Nicht selten werden zur sicheren Diagnosestellung auch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Kernspintomografie angewandt.

Was ist Schuld an den Schmerzen im unteren Rücken?

Der untere Rückenbereich ist besonders häufig von Schmerzen betroffen. Dies liegt vor allem daran, dass er das gesamte Gewicht des Oberkörpers trägt und beim Bücken starken Belastungen ausgesetzt ist. Wenn vom unteren Rücken gesprochen wird, ist der Anteil der Wirbelsäule gemeint, der sich von der untersten Rippe bis hin zum Becken erstreckt (L1 bis L5). Aber auch das Kreuzbein ist oft ein Auslöser von Beschwerden.

Wie bei Nacken- und Rückenschmerzen im oberen und mittleren Rücken gehören zu den Ursachen vor allem Verspannungen und Verschleißerscheinungen, beispielsweise eine verstärkte Abnutzung der Bandscheiben. Zudem liegen in der Nähe der Lendenwirbelsäule Hüfte, Becken, Leiste und Schambein. Sie können ebenfalls zu Schmerzen führen, welche dann in den unteren Rücken ausstrahlen — dasselbe gilt für innere Organe wie den Darm oder Eierstöcke und Gebärmutter bei Frauen.

Eine weitere Besonderheit des unteren Rückens ist der Ischiasnerv. Wird dieser durch eine Entzündung oder Ähnliches in Mitleidenschaft gezogen, kommt es zu vom Rücken über den Po bis in die Beine ausstrahlenden Schmerzen. Auch Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen sind möglich.

Der Hexenschuss

Was der Volksmund als Hexenschuss bezeichnet, nennt der Mediziner „Lumbago“. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einem plötzlichen, heftigen Kreuzschmerz während einer eigentlich normalen Bewegung (zum Beispiel Bücken oder Drehen). Schuld ist dann häufig eine Wirbelgelenkblockade oder eine Muskelzerrung.

Die Folge: Durch die starken Schmerzen und das Verkrampfen der Rückenmuskulatur nehmen Betroffene eine Schonhaltung ein und laufen nach vorne übergebeugt — so wie in vielen Geschichten die alten Hexen dargestellt werden.

Fazit

Die Auslöser von Nacken- und Rückenschmerzen sind zahlreich, daher ist es wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Nur so kann eine angemessene Behandlung von Ärzten und Physiotherapeuten durchgeführt werden. Ebenso wichtig sind auch vorbeugende Maßnahmen, wie das Stärken der Muskulatur. Je besser diese aufgebaut ist, desto mehr Stabilität bietet sie den knöchernen Bestandteilen des Körpers — das Risiko für Verschleißerscheinungen sinkt. Gut trainierte Muskeln sind zudem besser durchblutet und neigen in geringerem Ausmaß zu Verspannungen sowie Verletzungen. Förderlich sind nahezu alle Sportarten, die das Herz-Kreislauf-System in Schwung bringen und den gesamten Körper in Bewegung setzen (beispielsweise Schwimmen). Für einen gezielten Muskelaufbau kann es hilfreich sein, unter der Anleitung eines Physiotherapeuten oder Trainers Sport zu treiben. Nacken- und Rückenschmerzen haben so deutlich geringere Chancen.

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1Statista: Statistiken zu Rückenschmerzen. URL: https://de.statista.com/themen/1364/rueckenschmerzen/ (10.07.2018).