Psychosomatische Schmerzen – Spiegel der Seele

Psychosomatische Schmerzen haben keine organische Ursache. Stattdessen sind psychische, emotionale und soziale Einflussfaktoren wie Stress, Angst oder Depressionen die Auslöser. Die Behandlung hängt von den individuellen Umständen des Patienten ab und umfasst neben Antidepressiva vor allem physio- und psychotherapeutische Verfahren.

Was sind psychosomatische Schmerzen?

Psychosomatische Schmerzen, auch psychogene oder psychische Schmerzen genannt, sind Schmerzen, die durch psychische Faktoren verursacht oder verstärkt werden. Der Begriff Psychosomatik (vom Griechischen „Psyche“ für Seele und „Soma“ für Körper) umschreibt Erscheinungen, bei denen die Psyche auf den Körper einwirkt. Genau wie psychische oder emotionale Probleme organische Krankheiten verursachen oder verstärken können, können sie auch Schmerzen hervorrufen, intensivieren oder verlängern. Ein Patient mit psychosomatischen Schmerzen hat also entweder keine nachweisbaren organischen Störungen wie Verletzungen und Entzündungen oder seine Schmerzen sind deutlich stärker und/oder andauernder, als es die körperlichen Befunde erwarten lassen.

Psychosomatische Schmerzen werden häufig durch psychischen Stress, Angst oder Depressionen ausgelöst. Sie kommen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen vor. Bei Kindern überwiegen meistens psychosomatische Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Unter den Erwachsenen sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer.

Psychische Schmerzen: Welche Arten treten auf?

Am häufigsten sind sieben Bereiche des Körpers von psychosomatischen Schmerzen betroffen:

  • Brust
  • Bauch und Unterleib (beispielsweise im Rahmen der Menstruation)
  • Gliedmaßen (Fuß, Knie, Arm)
  • Rücken
  • Zähne
  • Kopf (unter anderem bei Migräne)
  • Nacken

Es gibt aber auch Fälle, in denen die Patienten überall im Körper Schmerzen spüren oder bei denen der Schmerz in einem Körperteil beginnt und sich dann auf andere Körperteile ausbreitet.

Wie werden psychosomatische Schmerzen diagnostiziert?

Psychosomatische Schmerzen sind chronische Schmerzen, die meist in mehr als einer Region auftreten und über Monate oder Jahre hinweg andauern können.

Charakteristika sind:

  • Der Schmerz beziehungsweise seine Stärke und Lokalisation kann durch einen organisch medizinischen Befund nicht erklärt werden.
  • Beginn, Dauer und die Verstärkung der Symptome werden durch psychologische Faktoren verursacht.
  • Der Schmerz verursacht beim Patienten ernste Probleme und behindert ihn im Alltagsleben.
  • Die Schmerzempfindung ist real und vom Patienten nicht beabsichtigt oder vorgetäuscht. Auch ist sie nicht Folge einer psychischen Erkrankung, wie zum Beispiel einer Psychose.

Der Arzt diagnostiziert psychogene Schmerzen, indem er alle möglichen organischen Ursachen für den Schmerz ausschließt – sodass letztendlich nur noch psychische Faktoren als Ursache des Schmerzes übrigbleiben.

Mögliche Gründe für psychosomatische Schmerzen

Auch wenn kein organischer Grund für die Schmerzen vorhanden ist, so gibt es doch Auslöser für psychosomatische Schmerzen, wie zum Beispiel:

  • einschneidende negative Erfahrungen, wie der Verlust eines nahestehenden Menschen oder Naturkatastrophen,
  • Missbrauch in der Kindheit,
  • andere negative Einflüsse in der Familie
  • psychische Probleme

Manche Forscher sehen den psychogenen Schmerz auch als Art der Kommunikation, wenn der Patient irgendetwas nicht aussprechen kann oder will.

Wie werden psychosomatische Schmerzen behandelt?

Das Ziel der Behandlung psychosomatischer Schmerzen ist es, die Schmerzen abzustellen oder für den Patienten zumindest erträglich zu machen.

Die Behandlung kann daher folgende therapeutische Verfahren umfassen:

  • psychotherapeutische Methoden (kognitive Verhaltenstherapie, Gruppentherapie)
  • Antidepressiva
  • Schmerzmittel
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Physiotherapie
  • alternative Verfahren (Entspannungstechniken, Akupunktur, Hypnose)

Wichtig ist, die Behandlung immer von den individuellen Bedürfnissen des Patienten abhängig zu machen.

Psychogene Schmerzen bei Depression

Dass Depression und Schmerzen häufig gemeinsam auftreten, ist lange bekannt. Depressionen können durch chronische Schmerzen hervorgerufen werden. Umgekehrt verursachen aber auch die Depressionen oftmals Schmerzen. Was davon die sprichwörtliche Henne oder das Ei ist, lässt sich oft nur schwer entscheiden. Die genaue Diagnose ist jedoch wichtig, denn sie hat Auswirkungen auf die Behandlung.

Handelt es sich – wie in 84 Prozent der Fälle – um eine sekundäre Depression (trat also zuerst der Schmerz und dann erst die Depression auf1), helfen meist eine multimodale Therapie mit der Kombination aus einem Antidepressivum und einem Schmerzmittel sowie Ausdauertraining, möglichst im Freien ¬ denn dann kommen gleichzeitig auch zu niedrige Vitamin-D- und Melatonin-Spiegel wieder ins Lot, die die Entstehung von Depressionen beeinflussen.

Treten die Schmerzen dagegen erst im späteren Krankheitsverlauf der Depression auf, ist eine Behandlung mit Schmerzmitteln oft nicht sinnvoll. Sie könnten die Beschwerden depressiver Patienten sogar noch verstärken. Hier ist eine rein antidepressive Therapie erfolgversprechender.

Psychosomatische Kopfschmerzen

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten körperlichen Beschwerden. Wohl jeder von uns hat in seinem Leben mehr als einmal darunter zu leiden. Treten Kopfschmerzen sehr häufig auf, werden sie zu einem ernstzunehmenden Problem: entweder als Anzeichen einer Krankheit oder als für sich stehende Erkrankung.

Mediziner unterscheiden:

Auslöser für psychosomatische Kopfschmerzen können sein:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • ungünstige Stressverarbeitungsstrategien
  • zwischenmenschliche Belastungen
  • Schlafstörungen
  • sexuelle Probleme

Kopfschmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Suchen sie einen Spezialisten auf, wenn Sie öfter darunter leiden. Er kann herausfinden, ob es sich in Ihrem Fall um psychosomatische Schmerzen handelt oder ob vielleicht doch andere Faktoren hinter den Beschwerden stecken.

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1 Pues, Maria: „Wenn sie klagen, geht es ihnen besser“ in: Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 15 (2011). URL: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=37562 (11.07.2017).