Kopfschmerzen: Wann ist ein Arztbesuch angeraten und welcher Experte ist der richtige?

21. Dezember 2020
10 Min.

Kopfschmerzen – egal ob pochend oder stechend – hatte wohl jeder schon einmal. Meist liegen harmlose Ursachen zugrunde und die Schmerzen verschwinden nach kurzer Zeit von selbst wieder. Aber was, wenn das nicht passiert und das Kopfweh anhält oder besonders stark ist? Dann empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Doch welcher ist der richtige Ansprechpartner? Und was macht der Mediziner bei Kopfschmerzen?

Überblick:

Wichtige Fragen zum Thema Kopfschmerzen und Arztbesuch

 

Wann wegen Kopfschmerzen zum Arzt?

Wenn Kopfschmerzen nach einer Verletzung, in Kombination mit anderen Symptomen (Schwindel, Erbrechen, Lähmungen) beziehungsweise sehr stark und plötzlich auftreten, muss dies umgehend durch einen Mediziner abgeklärt werden. Auch weniger akute aber dafür chronische Kopfbeschwerden stellen einen Grund für einen Arztbesuch dar.

Welcher Arzt ist der richtige bei Kopfweh?

Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner bei Kopfschmerzen. Er kann an einen Neurologen oder je nach vermuteter Ursache zudem an weitere Fachärzte verweisen, wie zum Beispiel an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

Was macht der Arzt bei Kopfschmerzen?

Neben der ausführlichen Patientenbefragung (Beschreibung der Kopfschmerzen, Dauer, Häufigkeit) können Verfahren wie eine Computer- oder Magnetresonanztomografie als Teil der Diagnostik zum Einsatz kommen.

Wann empfiehlt sich der Gang zum Arzt bei Kopfschmerzen?

Kopfschmerzen sind in den meisten Fällen harmlos und beispielsweise auf viel Stress, Verspannungen im Nackenbereich oder eine Erkältung zurückzuführen. Trotzdem kann unter Umständen ein Arztbesuch angebracht sein, wenn bestimmte Begleitsymptome vorliegen oder das Kopfweh länger anhält.

Kopfschmerzen – schnell handeln bei akuten Notfällen

Sie sollten sofort einen Mediziner aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt rufen, wenn:

  • der Kopf durch einen Aufprall, Sturz oder anders verletzt wurde
  • Kopfschmerzen sehr plötzlich und stark auftreten (sogenannter Vernichtungsschmerz, oft begleitet von Todesangst)
  • ein steifer Nacken und hohes Fieber hinzukommen
  • Kopfschmerzen von neurologischen Auffälligkeiten (Bewusstseinsstörungen, Lähmungen oder Sprachprobleme) begleitet werden

Kopfschmerzen in Kombination mit Sprach- oder Bewusstseinseinschränkungen sowie Lähmungserscheinungen können unter anderem ein Hinweis auf einen Schlaganfall sein. In diesem Fall zählt bei der Behandlung jede Minute, um bleibende Schäden am Gehirn zu vermeiden. Ein steifer Nacken, hohes Fieber und Kopfschmerzen sind dagegen Anzeichen einer Hirnhautentzündung. Diese bedarf ebenfalls einer sofortigen Behandlung, da sie sonst einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann.

Übelkeit und Erbrechen als Begleitsymptome

Leiden Sie oder ein Mitmensch unter Kopfschmerzen gemeinsam mit Übelkeit und/oder Erbrechen, nachdem beispielsweise der Kopf gestoßen wurde, sollten die Alarmglocken klingeln. Diese Symptome weißen auf eine Gehirnerschütterung (leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas) hin.

In der Regel ordnen Ärzte die Überwachung des Patienten für 24 Stunden im Krankenhaus an.1 Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, falls aufgrund der Kopfverletzung unerwartete Probleme (wie Hirnblutungen) auftreten. In der Regel erholen sich Betroffene von einer Gehirnerschütterung aber ohne Komplikationen.

Weitere Gründe für einen Arztbesuch

Glücklicherweise sind Kopfschmerzen in den allermeisten Fällen nicht so akut, dass ein Notarzt gerufen werden muss. Es ist unter manchen Gegebenheiten für Betroffene jedoch trotzdem sinnvoll, zeitnah einen Mediziner aufzusuchen, nämlich wenn:

  • Kopfschmerzen regelmäßig auftreten und ihre Häufigkeit zunimmt
  • die Intensität der Kopfschmerzen steigt
  • der Kopfschmerz sich in seiner Charakteristik verändert (zum Beispiel: Sie leiden regelmäßig unter Spannungskopfschmerz, seit neuestem ist der Schmerz aber eher pochend und anfallsartig)
  • Kopfschmerzen in dieser Form das erste Mal nach dem 50. Lebensjahr in Erscheinung treten2
  • der Kopfschmerz mit einer Verschlechterung der Sehkraft einhergeht
  • herkömmliche Schmerzmittel keine Linderung verschaffen

Bitte beachten: Schmerzreduzierende Medikamente sind generell nur zur kurzzeitigen Symptomminderung angebracht – sie behandeln nicht die Ursache für Kopfschmerzen. Das bedeutet, auch wenn Sie Ihre Kopfschmerzen mit Schmerzmitteln in den Griff bekommen, ist ein Arztbesuch bei regelmäßigen Beschwerden ratsam, damit eine geeignete Therapie gefunden werden kann.


Kopfschmerzen bei Kindern

Kinder können Schmerzen in Bezug auf Intensität und genaue Lokalisation oft nur schwer einschätzen. Es empfiehlt sich daher, vor allem häufig auftretendes Kopfweh bei Kindern durch einen Mediziner untersuchen zu lassen.

Welcher Arzt ist für Kopfschmerzen zuständig?

Generell ist der Hausarzt immer der richtige Ansprechpartner bei unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen. Er kann sich einen ersten Eindruck vom Beschwerdebild verschaffen. Gibt es Hinweise auf eine kompliziertere Kopfschmerzart (wie Clusterkopfschmerzen mit extrem starker Intensität) oder Erkrankungen als Grund für die Beschwerden, hat der Allgemeinmediziner die Möglichkeit, an einen Facharzt zu überweisen.

In der Regel ist dies der Neurologe. Der Experte für Erkrankungen des Nervensystems kann nicht nur Krankheiten wie Hirnverletzungen als Ursache ausschließen, sondern berät beispielsweise ebenfalls in Sachen chronische Kopfschmerzen.

Weitere Ärzte bei Kopfschmerzen

Vermutet der Hausarzt, dass Verspannungen im Bereich von Rücken, Schultern und Nacken oder Haltungsfehlstellungen der Auslöser für das Kopfweh sind, überweist er eventuell direkt an einen Orthopäden (Experte für Erkrankungen des Bewegungsapparats). Auch der Zahnarzt kann unter Umständen bei Kopfschmerzen konsultiert werden, wenn zum Beispiel Zahnschmerzen bis in den Kopf strahlen.

Diagnose – was macht der Arzt bei Kopfschmerzen?

Vor der eigentlichen körperlichen Untersuchung wird Ihnen der Mediziner im Rahmen des Patientengesprächs (Anamnese) einige Fragen stellen:

  • Seit wann haben Sie Kopfschmerzen?
  • Welchen Charakter haben die Kopfschmerzen (eher stechend oder pochend)?
  • Wie lange halten Schmerzattacken an?
  • Treten gemeinsam mit den Kopfschmerzen noch weitere Symptome auf (Übelkeit, Schwindel)?
  • Kommen die Kopfschmerzen gehäuft zu einer bestimmten Uhrzeit vor?
  • Sind Ihnen denkbare Auslöser aufgefallen (Stress, Medikamenteneinnahme), die in Zusammenhang mit den Beschwerden stehen könnten?
  • Sind chronische Kopfschmerzerkrankungen (zum Beispiel Migräne) in der näheren Verwandtschaft bekannt?

Führen eines Kopfschmerzkalenders

Um dem Arzt die Diagnose zu erleichtern und auf das Patientengespräch gut vorbereitet zu sein, ist es sinnvoll, vorab die auftretenden Symptome zu dokumentieren. Ein Kopfschmerzkalender kann dabei helfen. In diesem wird unter anderem festgehalten, wann die Schmerzen mit welcher Intensität auftreten und ob mögliche Auslöser (wie Stress) als Ursache infrage kommen.

Download: Kopfschmerzkalender

Ergänzend zur Anamnese kann der Mediziner eine Reihe von körperlichen Untersuchungen durchführen, wenn Charakteristik und Begleiterscheinungen der Schmerzen auf eine Erkrankung als Auslöser hindeuten. Zu den möglichen Methoden der Diagnostik gehören:

  • Computertomografie (CT): Hierbei werden verschiedene Schichtaufnahmen des Gehirns erstellt. Fachärzte können anhand dieser beispielsweise Hirnblutungen oder Durchblutungsstörungen entdecken.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Die MRT liefert noch detailliertere Aufnahmen des Kopfes als die CT. Selbst kleinste Geschwulste oder Entzündungen werden so erkennbar.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Bei einem EEG wird durch auf dem Kopf befestigte Elektroden die elektrische Aktivität der Hirnrinde gemessen. Diese Untersuchungsmethode findet unter anderem beim Verdacht auf eine Epilepsie-Erkrankung Anwendung.
  • Liquorpunktion: Mithilfe einer dünnen Spritze wird etwas Liquor (Nervenwasser) im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen und anschließend im Labor untersucht. Die Zusammensetzung des Liquors zeigt, ob zum Beispiel eine Hirnhautentzündung oder Hirnblutung besteht.
Pauline Zäh
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Medizinredakteurin
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