Starke Schmerzmittel – ein Überblick

Es gibt Schmerzen, die kaum auszuhalten sind. Auf der Schmerzskala ganz oben stehen beispielsweise Erkrankungen wie eine Nierenkolik, Tumorerkrankungen oder Herzmuskelkrämpfe. Aber auch chronische Erkrankungen können den Alltag so stark beeinträchtigen, dass sehr starke Schmerzmittel notwendig sind. Neben Morphin – dem bekanntesten Wirkstoff bei starken Schmerzen – kommen in einem solchen Fall verschiedene Schmerzmittel infrage.

Opioide bei starken Schmerzen

Bei sehr starken Schmerzen kommen in der Regel opioide Schmerzmittel zum Einsatz, die ihre Wirkung direkt im zentralen Nervensystem entfalten. Diese haben dämpfende sowie beruhigende Eigenschaften, einige Opioide können außerdem euphorisierend wirken. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist das Morphin.

Entdecker dieses Wirkstoffes war der deutsche Chemiker Friedrich Sertürner. Ihm gelang es bereits 1805, den Wirkstoff aus dem Schlafmohn herzustellen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl chemisch verwandter Substanzen, die sich in ihrer Wirkweise alle etwas unterscheiden. Weitere gebräuchliche Opioide finden Sie in der nachfolgenden Tabelle:

Häufig verwendete Opioide bei starken Schmerzen

Wirkstoff Anwendung
Codein häufige Kombination mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure; Schmerzmittel bei mäßig starken bis starken Schmerzen; früher in der Substitutionstherapie bei Drogenabhängigkeit eingesetzt (aufgrund kurzer Wirkdauer aber durch Methadon ersetzt)1
Tramadol zur Behandlung des Restless-Leg-Syndroms (Erkrankung, bei der die Beine nicht kontrolliert werden können und die mit starker Missempfindung einhergeht)
Oxycodon doppelt so starke schmerzstillende Wirkung wie Morphin; hustenstillende Eigenschaften
Fentanyl etwa 120-mal so wirksam wie Morphin, Anwendung bei Operationen (in Verbindung mit einem Schlaf- und muskelentspannenden Mittel)
Buprenorphin Schmerzen nach Operationen und Verletzungen, nach einem Herzinfarkt oder chronischen Schmerzen bei Tumorerkrankungen; Mittel zum Drogenersatz (meist Heroin)

Andere starke Schmerzmittel

Neben Opioiden können bei starken Schmerzen ebenso andere Arzneistoffe zum Einsatz kommen. Ziconotid, ein synthetisch hergestelltes Mittel, verabreichen Ärzte beispielsweise bei schweren chronischen Schmerzen, wenn opioide Schmerzmittel nicht ausreichen. Ursprünglich wurde Ziconotid aus dem Gift der Kegelschnecke gewonnen.

Ziconotid wirkt folgendermaßen:

  • Es blockiert das Einströmen von Calcium in Nerven, die im Rückenmark enden. Calcium spielt eine wesentliche Rolle bei der Freisetzung von Nervenbotenstoffen, die wiederum zum Gehirn führende Nerven erregen.
  • Indem die Produktion des Calciums gehemmt wird, verringert sich die Weiterleitung von Schmerzsignalen.

Ziconotid wurde als Ersatz für Morphin ins Gespräch gebracht. Im Zuge eines Verdachtes, dass der Wirkstoff die Suizidgefahr erhöhen könne, hat sich diese Diskussion aber wieder weitgehend eingestellt.

Bei starken Schmerzen, Fieber und Krämpfen kommen ebenfalls häufig verschreibungspflichtige Medikamente mit dem Wirkstoff Metamizol zum Einsatz. Mehr über Einnahme, Wirkweise und mögliche Nebenwirkungen des Wirkstoffs, lesen Sie in unserem Text über Metamizol.

Einnahme nur mit ärztlicher Überwachung

Bei starken Schmerzmitteln ist ein verantwortungsvoller Umgang sowie eine ärztliche Begleitung der Therapie wichtig. Die meisten unterliegen außerdem strikten Vorlagen des Betäubungsmittelgesetzes (BMG). Der Grund hierfür ist, dass eine unsachgemäße Einnahme der Medikamente (zum Beispiel Überdosierung) mit Risiken – bis hin zum Atemstillstand – für den Patienten verbunden ist. Die genaue Dosierung errechnet der Arzt von Einzelfall zu Einzelfall gemäß den entsprechenden Patientendaten wie Alter, Gewicht, Erkrankung und individuellem Schmerzempfinden. Bei der Einnahme ist vor allem wichtig, dass Sie sich genau an die Vorgaben Ihres Arztes halten.

Mögliche Nebenwirkungen von starken Schmerzmitteln

Auch über mögliche Nebenwirkungen muss der Arzt vor der Therapie informieren. Bei Opioiden treten beispielsweise folgende Nebenwirkungen häufig auf:

  • Verdauungsprobleme (wie Verstopfung)
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Mundtrockenheit
  • Müdigkeit
  • Benommenheit und Schwindel

Der behandelnde Arzt ist außerdem dazu verpflichtet, Patienten, die starke Schmerzmittel einnehmen und eine Fahrerlaubnis besitzen, auf mögliche Risiken und Gefahren hinzuweisen. Gerade in der Einstellungsphase oder bei Erhöhung der Dosierung können die Medikamente die Reaktionsfähigkeit einschränken. Die Fahreignung ist in diesen Phasen nicht gegeben (gilt für alle Führerscheinklassen). Das sollte der Arzt auch schriftlich dokumentieren. Ist die Phase der medikamentösen Einstellung überwunden, besteht aber kein generelles Fahrverbot.2 Der Arzt kann danach die Fahrtüchtigkeit seiner Patienten einschätzen. Kriterien für den Arzt sind dabei der Allgemeinzustand des Patienten, dessen Koordinationsfähigkeit und der Therapieverlauf. Unabhängig davon sollten Patienten selbst immer kritisch hinterfragen, ob sie sich in der Lage fühlen, im Verkehr teilzunehmen. Da der Versicherungsschutz im Falle eines Unfalls nicht ganz klar ist, sollten Sie das Auto zur Sicherheit lieber stehen lassen.

Gut zu wissen:

Viele Menschen haben Angst, dass sie durch die Einnahme von starken Schmerzmitteln süchtig werden könnten. Aber im Rahmen einer Therapie, die vom Arzt genau überwacht wird, ist eine solche Gefahr sehr gering. Ein rauschähnlicher Zustand, wie er bei Drogen (zum Beispiel Heroin) beschrieben wird, tritt bei Schmerzmitteln in der Regel nicht ein.

Hier weiterlesen:

Wie wirken Opioide? >>

Das bekannteste Opioid – Morphin >>

Mehr über den Wirkstoff Metamizol >>

  

1 Biermann, Daniela: Harte Drogen, harter Weg, in: Pharmazeutische Zeitung. Ausgabe 51/2007. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4364 (13.12.2017).
2 ADAC: Medikamente im Straßenverkehr. URL: https://www.adac.de/_mmm/pdf/vm_medikamente_im_strassenverkehr_flyer_0513_48788.pdf (13.12.2017).