Schmerztagebuch und Schmerzskala helfen beim Schmerzmanagement

Kein Schmerz gleicht dem anderen: Jeder Mensch empfindet Schmerz sehr individuell und unterschiedlich. Ob Sie nun Rückenschmerzen, Migräne oder Nervenschmerzen haben: Nur Sie selbst wissen, wie stark und unangenehm Ihr Schmerz ist. Deswegen ist es wichtig, dass Sie als Schmerzpatient dem Arzt möglichst genau vermitteln können, wie Sie den Schmerz empfinden, wie stark er ist und inwiefern er Sie beeinträchtigt. Zu diesem Zweck verwenden viele Ärzte eine so genannte Schmerzskala.

Was versteht man unter Schmerzmanagement?

Unter dem Begriff Schmerzmanagement fassen Mediziner alle Maßnahmen zusammen, die zur Beobachtung und Therapie eines Schmerzpatienten gehören. Verwendet wird der Begriff insbesondere bei der Behandlung chronischer Schmerzen, da hier häufig ein interdisziplinäres Vorgehen von Ärzten verschiedener Fachrichtungen zusammen mit Physiotherapeuten und Therapeuten aus psychiatrischen, psychosomatischen oder psychologischen Disziplinen notwendig ist. Ebenso wichtig bei der Therapie ist aber auch die aktive Mitarbeit des Schmerzpatienten.

Was ist eine Schmerzskala?

Es gibt verschiedene Typen von Schmerzskalen. Die einfachste und gebräuchlichste Form zeigt eine Reihe von zehn Smilies, von 0: lachend (schmerzfrei), bis 10: stark weinend (unerträglicher Schmerz). Der Arzt fragt, wo Sie Ihren Schmerz auf dieser Skala einordnen würden. Das mag simpel klingen, diese Art von Schmerzskala beruht aber auf wissenschaftlicher Forschung. Seit man Schmerz nicht mehr nur als bloßes Symptom sieht, sondern als ernstzunehmende Krankheit, sind Schmerzskalen wichtige Instrumente für das Schmerzmanagement geworden – um Schmerzen zu bewerten und zu überwachen. Besonders wichtig sind sie für Menschen, die sich nicht eindeutig artikulieren können, wie Kinder oder Erwachsene mit geistigen Einschränkungen.

Schmerzstärke mit einer Schmerzskala bestimmen

Natürlich besteht auch bei einer Schmerzskala das Problem, dass sie subjektiv ist. Der eine beschreibt seinen Schmerz mit einer „zwei“ auf der Skala, wo ein empfindlicherer Mensch schon eine „sechs“ ansetzen würde. Für den Arzt ist diese Angabe also nicht ausreichend; er braucht mehr Kontextinformation. Er könnte zum Beispiel nach dem schlimmsten Schmerz fragen, den der Patient im Laufe des Lebens ertragen hat, die Geburt eines Kindes zum Beispiel oder ein Nierenstein. Mit diesem Schmerz soll der Patient dann den aktuellen Schmerz vergleichen. Außerdem lässt der Arzt den Patienten den Schmerz über die letzte Woche hinweg einschätzen.

Schmerzskalen sind besonders hilfreich, wenn es darum geht, den Schmerz über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten und aufzuzeichnen. Verwendet man bei einem Patienten beständig dieselbe Schmerzskala, kann der Arzt sich einen guten Eindruck davon verschaffen, wie sich der Schmerz entwickelt und wie die Behandlung anschlägt.

Stufen einer Schmerzskala

Diese Stufen hat die Schmerzskala:

0: Schmerzfrei

1: Sehr geringer, kaum bemerkbarer Schmerz

2: Geringer Schmerz: ein wenig lästig, vielleicht zeitweise etwas stärker werdend

3: Bemerkbarer Schmerz: Schmerz, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, mit dem sich jedoch gut leben lässt und an den man sich gewöhnt

4: Mittlerer Schmerz: ist der Patient abgelenkt, kann er ihn für einige Zeit ignorieren, aber er ist immer bemerkbar

5: Mittelstarker Schmerz: Betroffene können ihn höchstens für einige Minuten ignorieren und müssen sich aktiv anstrengen, wenn sie konzentriert arbeiten oder an sozialen Aktivitäten teilhaben wollen

6: Mittelstarker Schmerz: stört den Patienten bei allen normalen Alltagshandlungen; es fällt schwer, sich zu konzentrieren

7: Starker Schmerz: dominiert die Wahrnehmungen; soziale Kontakte und die Ausführung von normalen Alltagsaktivitäten sind signifikant beeinträchtigt; auch der Schlaf ist gestört.

8: Intensiver Schmerz: körperliche Aktivitäten werden ernsthaft eingeschränkt; Gespräche sind nur unter großen Mühen möglich (entspricht etwa dem Schmerz bei einer natürlichen Geburt)

9: Unerträglicher Schmerz: Konversation unmöglich, der Patient schreit oder stöhnt

10: Unbeschreiblicher Schmerz: der Patient kann nicht aufstehen und ist möglicherweise im Delirium

Das Schmerztagebuch

Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel für das Schmerzmanagement bei chronischen Schmerzen ist das Schmerztagebuch. Es handelt sich dabei um ein standardisiertes Dokumentationssystem, in das der Patient

  • sein Befinden,
  • die eingenommenen Medikamente und
  • deren Wirkung und Nebenwirkungen einmal oder mehrmals täglich einträgt.

Dies liefert dem behandelnden Arzt vielfältige Informationen, mit denen er die angeordnete Therapie optimieren kann. Durch das Schmerztagebuch kann der Patient seinen Schmerz selbst auch genauer charakterisieren; er lernt verschiedene Schmerzniveaus besser einzuordnen, indem er den Schmerzverlauf über den Tag nachzeichnet. Außerdem kann er eventuelle Schmerzauslöser, Schmerzverstärker oder schmerzlindernde Mittel und Verhaltensweisen besser identifizieren. Durch die Beobachtung solcher Faktoren lernen die Patienten sich selbst und ihre Erkrankung besser kennen. Das Führen eines Schmerztagebuchs lässt den Patienten außerdem einen aktiven Part in der Behandlung der Erkrankung einnehmen, was das Gefühl des Ausgeliefertseins vermindert und sich oft günstig auf die Therapie auswirkt.

Wie finde ich ein geeignetes Schmerztagebuch?

Schmerztagebücher liegen in vielfältigen Varianten vor und können zum Beispiel kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Wenn Betroffene es optimal auf die eigenen Bedürfnisse anpassen möchten, ist es möglich, selbst ein Schmerztagebuch für die eigene Erkrankung zu erstellen. Schmerzpatienten sollten darauf achten, zwar genügend Raum für möglichst detailgenaue Abfragen zur täglichen Situation vorzusehen, trotzdem aber das Schmerztagebuch nicht zu umfangreich zu gestalten. Die meisten Patienten nutzen ein einfach zu handhabendes und schnell auszufüllendes Schmerztagebuch regelmäßig – und nur das ist auch wirklich sinnvoll. Das Schmerztagebuch soll Ihnen als Patient so wenig Mühe wie möglich machen und Missverständnisse ausschließen.

Sie sollten Ihr Schmerztagebuch konsequent – mindestens einmal täglich – führen. Nur durch eine lückenlose Dokumentation können Sie und Ihr Arzt Ihren Gesundheitszustand und die Wirksamkeit der Therapie richtig beurteilen.

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