Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura, auch klassische Migräne genannt, ist nach der einfachen Migräne (ohne Aura) die zweithäufigste Migräneform. Im Folgenden beschreiben wir ihr Hauptcharakteristikum, die Aura, und gehen auch auf einige Subtypen der Migräne mit Aura ein.

Was ist eine Migräne mit Aura?

Bei einer Migräne mit Aura treten vor oder mit den typischen Kopfschmerzen andere spezifische Migränesymptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Die Symptome der Aura erscheinen meistens etwa 30 Minuten vor der eigentlichen Migräneattacke, also den Kopfschmerzen.

Diese Art der Migräne ist so typisch, dass man sie früher als die „klassische Migräne“ bezeichnet hat – im Gegensatz zur „einfachen Migräne“ ohne Aura. Da allerdings einige der Symptome der Migräne mit Aura auch allgemeine Migränesymptome sind, ist die korrekte Diagnose häufig schwierig.

Was genau ist eine Aura?

Unter einer Aura versteht der Arzt neurologische Symptome, die im Rahmen eines Migräneanfalls auftreten. Patienten beschreiben eine Aura zum Beispiel so: „Zuerst sehe ich an manchen Stellen meines Gesichtsfelds nur noch Flimmern, dann folgen oft Lichtblitze. Schließe ich die Augen, leuchten die Lichtblitze intensiv bläulich-gelb wie ein Feuerwerk. Nach einer halben Stunde dann ein intensiver Kopfschmerz hinter und rund um das rechte Auge. Der ist so schlimm, dass die ganze Gesichtshaut auf dieser Seite gerötet ist.“1

Meist handelt es sich bei einer Aura um visuelle Erscheinungen, zum Beispiel:

  • Blitze oder Sterne vor den Augen
  • Zickzacklinien
  • blinkende Lichter
  • farbige Flecken
  • blinde Flecken im Seefeld (Skotome)
  • Tunnelblick-Phänomen
  • zeitweise oder teilweise Blindheit

Eine Aura kann jedoch auch andere Symptome umfassen:

  • Empfindungsstörungen wie Taubheit und Kribbeln
  • „Ameisenlaufen“ in Armen und Beinen
  • Schwäche auf einer Seite des Körpers
  • Benommenheit oder Schwindel
  • optische, akustische oder Geruchshalluzinationen

Die Aura dauert meistens weniger als 30 Minuten, wobei einige der Symptome auch noch in der Kopfschmerzphase anhalten können.

Migräneaura ohne Kopfschmerz und Aura ohne Migräne

Eine Aura muss nicht immer mit Kopfschmerzen verbunden sein. Tatsächlich definiert die Internationale Kopfschmerzgesellschaft zwei verschiedene Migränetypen mit Aura: Die Migräneaura mit Kopfschmerzen und die Migräneaura ohne Kopfschmerzen. Kopfschmerz ist also nur ein mögliches Symptom einer Migräneattacke. Die Patienten, die aber unter einer Migräne beziehungsweise Aura ohne Kopfschmerz leiden, sind oft sehr verunsichert, weil diese Erkrankung nicht sofort als Migräne zu erkennen ist:

„Seit gut einem Jahr leide ich an der Migräne-Aura ohne anschließenden Kopfschmerz, aber Sehstörungen, Wortfindungsstörung und Hörproblemen. Ich wurde gründlich untersucht mit CT usw. und die Diagnose war: Migräne ohne Kopfschmerz. Ehrlich gesagt stand ich der Diagnose etwas skeptisch gegenüber − weil: Migräne ohne Kopfschmerz nur mit Aura??!!“2

Migräne oder Aura ohne Kopfschmerz ist also durchaus nicht untypisch, aber gibt es auch eine Aura ohne Migräne? Ja, auch das gibt es. Der Begriff Aura bezeichnet in der Medizin nicht reale Sinneswahrnehmungen unterschiedlicher Art oder auch Gefühlsveränderungen (Affekte), die vor einem epileptischen Anfall oder eben vor oder im Laufe einer Migräneattacke auftreten.

Auslöser für die Migräne mit Aura

Migräne mit Aura kann wie andere Migränearten durch bestimmte Trigger ausgelöst werden, die jeweils individuell sind und die jeder Migränepatient kennen sollte, damit er sie vermeiden oder gegebenenfalls Vorkehrungen treffen kann. Typische Auslöser für Migräne mit Aura sind zum Beispiel:

  • bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade oder Bananen
  • Stress
  • Müdigkeit oder Hunger
  • bestimmte Medikamente
  • Veränderungen des Hormonhaushaltes
  • blitzende oder blinkende Lichter
  • Änderung von Luftdruck oder Höhe

Die Unterarten der Migräne mit Aura rechnet man zum Typus „komplizierte Migräne“.

Die komplizierte Migräne oder Migräne accompagnée

Bei der komplizierten Migräne, auch als Migräne accompagnée bezeichnet, dauern die neurologischen Störungen der Aura länger als bei der klassischen Migräne – sie können den eigentlichen Migräneanfall sogar überdauern. Beispiele für die komplizierte Migräne sind:

Die Basilarismigräne

Die Basilarismigräne, auch synkopale Migräne oder Bickerstaff-Syndrom genannt, ist eine seltene Sonderform der Migräne mit Aura. Sie entsteht durch eine kurzfristige Durchblutungsstörung (Ischämie) von Arterien, die unter anderem Kleinhirn, Hirnstamm und Innenohr versorgen. Betroffen sind vor allem junge Menschen, also [#145]Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Für die Basilarismigräne typisch ist eine Aura mit extremem und langanhaltendem Schwindel sowie anderen neurologischen Störungen. Nach der Aura kann Kopfschmerz auftreten, muss aber nicht. Wenn Kopfschmerz auftritt, ist er in der Regel beidseitig, wobei die pochenden Schmerzen am Hinterkopf lokalisiert sind und sich dann auf den gesamten Kopf ausbreiten können.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus)
  • Hörstörungen, Ohrensausen, Tinnitus
  • Gleichgewichtsstörungen

Typische neurologische Störungen

  • Sehstörungen wie Doppeltsehen
  • Gegenstände werden in ihrer Größe falsch wahrgenommen
  • falsche Farbwahrnehmung
  • Bewusstlosigkeit, auch Verwirrtheit und Desorientiertheit
  • Koordinationsstörung von Bewegungsabläufen

Meistens treten mehrere Symptome gleichzeitig auf. Ein Basilarismigräneanfall dauert normalerweise ein paar Minuten bis etwa eine Stunde, seltener auch mehrere Stunden. Zunächst beginnt die Aura mit meist visuellen Symptomen, danach folgt der Schwindel und andere Symptome wie neurologische Ausfälle. Wenn Kopfschmerzen auftreten, sind sie häufig sehr stark.

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1 Sacks, Oliver: Migräne. Rowohlt, Hamburg (2016).
2 Ebd.