Opioide gehören zu den stärksten Schmerzmitteln

Für die Therapie von Schmerzen orientieren sich Ärzte am Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diesem zufolge werden Schmerzen in die Kategorien schwach, mittelstark und stark eingeteilt und je nach Ausmaß verschieden medikamentös behandelt. Gegen starke Schmerzen werden in der Schmerztherapie Opioide beziehungsweise die natürlichen Opiate eingesetzt. Hier erfahren Sie alles Wichtige über die Schmerzmittel aus dieser Gruppe.

Der Einsatz von Opioiden

Zur Behandlung akuter starker Schmerzen sind leichte bis mäßige beziehungsweise mittelstarke Schmerzmittel nicht ausreichend. Solchem starken Leid der Patienten kann der Arzt mit einer Schmerztherapie durch Opioide entgegenkommen. Opioide gehören zu den effektivsten Schmerzmitteln.




Ein Einsatz dieser Mittel kann zum Beispiel

  • nach oder während Operationen,
  • bei schweren Verletzungen oder
  • bei chronischen, starken Schmerzen notwendig sein.

Auch bei Koliken (starke Krämpfe in der Bauchgegend), Krebserkrankungen oder schlimmen Schmerzen des Bewegungsapparats etwa durch Arthrose oder Osteoporose können Opiate nötig sein.

Gut zu wissen:

Der bekannteste Vertreter aus der Wirkstoffgruppe ist das Morphium. Dieses starke Schmerzmittel wird aus dem Milchsaft des Schlafmohns hergestellt. Solche natürlich gewonnenen Mittel, die Opium enthalten, werden als Opiate bezeichnet. Opioide heißen hingegen alle Stoffe, die eine opiatähnliche Wirkung zeigen. Heutzutage werden viele dieser Stoffe synthetisch hergestellt und enthalten also kein Opium.

Opioide im Überblick

Opioide Substanzen werden nach ihrer Stärke in

  • schwache
  • mittelstarke und
  • starke Wirkstoffe – zum Beispiel das Opiat Morphium – unterteilt.

Im Folgenden erhalten Sie genauere Informationen zu den Wirkstoffen Piritramid, Pethidin, Levomethadon sowie Tilidin und Naloxon.

Pethidin und Piritramid

Die Opioide Pethidin und Piritramid kann ein Arzt bei starken Schmerzen nach Unfällen oder Tumorschmerzen verschreiben. Auf Vorlage eines Betäubungsmittelrezepts sind die Wirkstoffe als Injektionslösung erhältlich. Diese Lösung kann der Arzt in die Vene, den Muskel oder unter die Haut spritzen.

In Studien wurde die Gabe von Pethidin bei Kindern noch nicht umfassend untersucht, daher wird es bei ihnen nicht eingesetzt. Piritramide kommt dagegen auch bei Kindern zum Einsatz, allerdings in sehr niedriger Dosierung.

Levomethadon

Chemisch betrachtet ist das Opiat Levomethadon dem Wirkstoff Piritramid ähnlich. Levomethadon ist ein sehr starkes Mittel gegen Schmerzen. Wie Piritramid wird es bei starken Schmerzzuständen nach Unfällen, Operationen oder Krebs eingesetzt. Daneben kann es auch bei chronischen Schmerzen helfen. Das Medikament gibt es in Form von Injektionslösungen oder Tropfen. Auch beim Entzug der Droge Heroin kann Levomethadon die starken Entzugserscheinungen mildern.

Wirkstoffkombination Tilidin & Naloxon

Die Wirkstoffe Tilidin und Naloxon sind in der Regel als Wirkstoffkombination erhältlich. Diese wird ebenfalls bei starken bis sehr starken Schmerzen verwendet. Die Kombination kann auch schon eingenommen werden, wenn starke Schmerzen zu erwarten sind – zum Beispiel durch eine Operation. Tilidin und Naloxon können auch Patienten mit schweren Schmerzen aufgrund von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose helfen.

Opioide: Wie wirken die Schmerzmittel?

Opioide Analgetika (Schmerzmittel) verfügen über eine Wirkung, die Schmerzen dämpft. Im Gegensatz zu den nichtopioiden Mitteln wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), besetzen sie Andockstellen (Rezeptoren) für Opioide im Körper. Diese Stellen befinden sich vor allem im zentralen Nervensystem, das heißt im Gehirn und Rückenmark. Dadurch unterdrücken Opioide die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzsignalen.

Früher nahmen Wissenschaftler an, dass Opioid-Rezeptoren ausschließlich in Gehirn und Rückenmark vorliegen. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass es auch im Darm Rezeptoren für Opioide gibt.

Eine optimale Wirkung erreichen die Opioide, wenn der Wirkstoffspiegel im Blutspiegel konstant bleibt. Um dies zu gewährleisten, gibt der Arzt ein fixes Schema für die Einnahmezeiten von Tabletten vor. Außerdem sind auch Schmerzpflaster gängig, deren Wirkstoff kontinuierlich über die Haut aufgenommen wird.

Suchtgefahr durch Opioide und Opiate?

Opioide wirken nicht nur gegen Schmerzen, sondern sind auch angstlösend und euphorisierend, das heißt, sie führen zu einer überschwänglich positiven Gemütsverfassung. Die euphorisierende Wirkung schwächt sich bei gleichbleibender Dosis mit der Zeit ab (Toleranzentwicklung). Sie kann nur weiterhin erreicht werden, wenn mehr Opioide genommen werden. So kann eine Abhängigkeit entstehen.

Bei einer Schmerztherapie ist die Suchgefahr allerdings gering. Denn Therapien mit Opioiden beziehungsweise Opiaten werden in der Regel genau vom behandelnden Arzt überwacht. Außerdem sind sie nur mit einem ärztlichen Betäubungsmittelrezept (BTM-Rezept), einem gelben Rezept, in der Apotheke erhältlich, das nur sieben Tage gültig ist. Dadurch wird ein Missbrauch der starken Medikamente erschwert.

Das Betäubungsmittelmittelgesetz

Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG), das früher noch als „Opiumgesetz“ bekannt war, regelt den Umgang mit Stoffen wie Opiaten und Opioiden, die ein hohes Abhängigkeitspotenzial haben. Dort ist die Aufbewahrung und Dokumentation der Mittel geregelt. Beim Ausstellen eines Rezepts für Opioide muss der Arzt im Gegensatz zu den nichtopioiden Schmerzmitteln deren Notwendigkeit begründen.

Welche Nebenwirkungen haben Opioide?

Häufig Nebenwirkungen bei einer Therapie mit opioiden Wirkstoffen sind Darmträgheit und Verstopfung, da die dämpfende Wirkung nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Bewegung des Darms betreffen kann. Außerdem treten bei manchen Patienten Müdigkeit und Schwindel oder Übelkeit und Erbrechen auf. Seltene unerwünschte Wirkungen der Opioide sind Juckreiz, Mundtrockenheit, Probleme beim Wasserlassen und Beeinträchtigung des Herz-Kreislaufsystems.

Einige der Nebenwirkungen legen sich nach ein bis zwei Wochen der Therapie. Verschwinden die Symptome nicht von allein, ist es manchmal nötig, Medikamente dagegen einzusetzen. Beispielsweise geben Ärzte gegen starke Übelkeit oder Erbrechen zusätzlich zum Opiopid Antiemetika, die diese Nebenwirkungen unterdrücken.

Bei einer Überdosierung der Opioide kann es zu einer Abflachung des Atems (Atemdepression) bis hin zum lebensbedrohlichen Atemstillstand kommen. Der Arzt verabreicht in diesem Notfall das Medikament Naloxon, welches die Wirkung des Opioids aufhebt (antagonisiert) und die Atmung wieder normalisiert.

Wichtig:

Opioide können außerdem die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Daher sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie weiterhin Autofahren oder Maschinen bedienen können.

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