Schmerzentstehung – eine lebenserhaltende biologische Reaktion

Die meisten von uns mögen Schmerz nicht besonders. Dabei ist das Schmerzempfinden eine natürliche Reaktion und eines der wichtigsten Kommunikationsmittel unseres Körpers. Stellen Sie sich vor, Sie würden auf eine heiße Herdplatte fassen und dabei keinen Schmerz empfinden – schwere Verletzungen wären die Folge. Schmerz ist also ein Frühwarnsystem, ein „Schadensmelder“ oder „-warner“, mit dem Ihr Körper Ihnen sagt, dass etwas nicht in Ordnung ist und Sie etwas tun müssen. Die Schmerzentstehung und -wahrnehmung ist dabei jedoch viel komplexer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Die Definition von Schmerz

Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, um anzuzeigen, dass bestimmte Strukturen krank oder beschädigt sind. Schmerzexperten definieren Schmerz als ein unangenehmes Gefühl in unserem Körper, das uns dazu bringt, ein Verhalten zu ändern oder zu beenden. Schmerz ist ein komplexer, ausgefeilter Schutzmechanismus des Körpers. Meistens soll uns der Schmerz etwas mitteilen: Die Hand von der Herdplatte zu nehmen, mit einem verletzten Fuß nicht aufzutreten, uns hinzulegen oder zum Arzt zu gehen.

Welche Arten von Schmerz unterscheiden wir?

Nach Art des Auftretens werden

  • akuter Schmerz (von kurzer Dauer, zum Beispiel nach einer Verletzung),
  • chronischer Schmerz (über Wochen und länger andauernd, zum Beispiel Rückenschmerzen) und
  • wiederkehrender Schmerz (zum Beispiel bei Zahnschmerzen) unterschieden.

Die Schmerzqualität hängt eng mit der Schmerzwahrnehmung zusammen. Schmerz wird als

  • brennend,
  • stechend,
  • pochend,
  • bohrend,
  • reißend,
  • oder drückend beschrieben.

Dabei ist die Schmerzwahrnehmung eine sehr individuelle Erfahrung. Nur die Person, der etwas weh tut, kann den Schmerz angemessen beschreiben.

Welche Schmerzformen gibt es?

Der nozizeptive Schmerz ist die häufigste Form der Schmerzempfindung.

Schmerzentstehung: Wie nehmen wir Schmerzen wahr?

Zur Schmerzentstehung (also zur Ausbildung von nozizeptivem Schmerz) kommt es, wenn Nervenfasern gereizt werden. An den Enden dieser Nervenfasern liegen Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren), die auf bestimmte Umwelteinflüsse reagieren, zum Beispiel:

  • Temperatur
  • Verletzungen oder Verätzungen
  • Entzündungen
  • Druck und Zug (zum Beispiel bei einer Dehnung oder Stauchung)

Die Schmerzrezeptoren sind fast überall im Körpergewebe verteilt und dienen als Schmerzfühler des Gehirns. Sie sitzen in der Haut, den Muskeln, Knochen und den inneren Organen. Infolge von Entzündungen werden die Schmerzrezeptoren übersensibel und reagieren unter Umständen auch auf Situationen, die eigentlich unproblematisch sind.

Die Schmerzweiterleitung: Das Gehirn „bewertet“ den Schmerz

Bei Reizung leiten die Schmerzfasern elektrische Signale über das Rückenmark ans Gehirn weiter. Bereits auf dem Weg dorthin können diese Signale vom Gehirn stark beeinflusst werden. Kommt das Gehirn zum Beispiel aufgrund vorangegangener Signale zu dem Schluss, dass eine Situation wirklich gefährlich ist, verstärkt es die Schmerzübertragung. Genauso kann das Gehirn die Schmerzübertragung aber auch abschwächen oder vielleicht sogar in angenehme Gefühle umwandeln, zum Beispiel beim Sport. In Extremsituationen, wie nach sehr starken Verletzungen, oder durch meditative Praktiken kann das Gehirn die Schmerzübertragung auch blockieren – ein Vorgang, der als Schmerzmodulation bezeichnet wird.

Die elektrischen Signale der Schmerzfasern sind an sich neutral, erst das Gehirn wandelt sie in tatsächliches Schmerzempfinden um. Schmerz entsteht so gesehen also nicht in der verbrannten Hand oder dem gebrochenen Bein, sondern erst im Gehirn. Das Gehirn verrechnet dazu die Daten der Nozizeptoren und gleicht sie mit Erwartungen, Erfahrungen, sozialen Normen und Einstellungen sowie nicht zuletzt mit Sinneseindrücken ab. All das verarbeitet die Steuerzentrale des Körpers daraufhin zu einer Schmerzempfindung. Wo wir im Körper welchen Schmerz wie stark empfinden, wird also allein vom Gehirn bestimmt.

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