Die hormonelle Migräne

Änderungen im Hormonhaushalt sind nicht nur als Auslöser aller Arten von Migräne bekannt, es gibt auch eine spezielle Form der Migräne, die hormonelle oder menstruelle Migräne bezeichnet wird. Sie tritt spezifisch zu Beginn der Regelblutung auf. Zur Diagnose ist ein Migränetagebuch notwendig, womit die Patientin auch eventuelle andere Auslöser identifizieren kann.

Was ist eine hormonelle oder menstruelle Migräne?

Wenn Sie im Zeitraum von zwei Tagen vor Ihrer Regelblutung bis zu den ersten drei Tagen der Menstruation unter starken Kopfschmerzen leiden, dann haben Sie vermutlich eine hormonelle Migräne, auch menstruelle Migräne genannt. Zwar sind Menstruation und andere Änderungen des Hormonhaushalts bekanntermaßen Migräneauslöser, aber die menstruelle Migräne ist eine spezielle Migräneform. Bei der hormonellen Migräne tritt keine Aura auf und sie dauert oft länger als andere Migränetypen.

Einschneidende Veränderungen im hormonellen Zyklus der Frau

Nach der Kopfschmerzklassifikation wird zwischen zwei Migränearten unterschieden, die mit dem Hormonzyklus in Verbindung stehen:

  • menstruelle Migräne: ausschließlich zur Regelblutung, circa 10 Prozent der Migränepatientinnen sind betroffen1
  • menstruationsassoziierte Migräne: tritt in bestimmten Abschnitten des Zyklus auf, circa 30 Prozent der Frauen, die unter Migräne leiden, sind betroffen2

Ursachen der menstruellen / hormonellen Migräne

Die menstruelle Migräne steht sehr wahrscheinlich mit den Änderungen im Hormonhaushalt während der Periode in Zusammenhang. Es gibt momentan zwei Theorien über die möglichen Ursachen der Migräne während der Periode:

  • die Freisetzung des Hormons Prostaglandin während der ersten 48 Stunden der Menstruation
  • die Abnahme des Östrogenspiegels während des normalen Menstruationszyklus

Offensichtlich ist bei letzterem nicht die Höhe des Östrogenspiegels selbst ausschlaggebend, sondern nur dessen Veränderung.

Migräne durch die Pille?

Grundsätzlich können Antikonzeptiva (die „Antibabypille“ oder kurz „Pille“) Migräne auslösen. Die Antibabypille ist ein hormonelles Verhütungsmittel, das den Hormonhaushalt verändert. Das kann zu Kopfschmerzen und zu Migräne führen. Auf der anderen Seite kann die Pille aber auch hormonell bedingte Migräne lindern, wenn sie etwa einen gestörten Hormonhaushalt wieder ins Lot bringt oder hormonelle Schwankungen ausgleicht. Der Arzt kann am besten einschätzen, ob die Einnahme eines hormonellen Verhütungsmittels einer Migränepatientin eher zu- oder abträglich ist.

Diagnose der hormonellen Migräne

Es gibt noch keine Tests zur Diagnose der hormonellen Migräne. Deswegen ist es wichtig, für mindestens drei Monate ein detailliertes Kopfschmerztagebuch zu führen, in dem Sie alle Kopfschmerzattacken und die Tage Ihrer Periode notieren. Anhand der Aufzeichnungen können Sie und Ihr Arzt auch andere Migräneauslöser identifizieren und diese gerade in den hormonell empfindlichen Tagen vermeiden.

Therapie der hormonellen Migräne

Es gibt verschiedene Therapieoptionen für die menstruelle Migräne, die davon abhängig sind,

  • wie regelmäßig Ihr Zyklus ist,
  • ob Sie starke Kopfschmerzen oder andere menstruationsbedingte Schmerzen haben und
  • ob Sie Empfängnisverhütungsmittel nehmen oder nicht.

Neben den üblichen Medikamenten zur Migränevorbeugung kann auch eine Therapie mit einem Hormonpräparat wirksam sein, mit dem die Menstruation über einen längeren Zeitraum unterdrückt wird.  Lassen Sie sich dazu von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich beraten.

Mehr erfahren:

Hausmittel bei Migräne >>

Welche Migräne-Symptome gibt es? >>

 

1 Gaul, Charly et al.: Patientenratgeber Kopfschmerzen und Migräne, Berlin 22014, S. 45.
2 Ebd.