Kopfschmerzen oder Migräne – wie sich beide Kopfschmerzarten äußern

Eine Studie der Schmerzklinik Kiel ergab: 71 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens zumindest zeitweise an Kopfschmerzen.1 In diese Zahl sind alle möglichen Formen von Kopfschmerzerkrankungen eingeschlossen. Doch es sind genau zwei Kopfschmerzformen, die zusammen für 92 Prozent aller Kopfschmerzen verantwortlich sind: Spannungskopfschmerzen und Kopfschmerzen vom Migränetyp.2 Erfahren Sie, welche typischen Unterschiede es zwischen Kopfschmerzen und Migräne gibt.

Kurzüberblick: Kopfschmerzen und Migräne

Während für den Spannungskopfschmerz meist Muskelverspannungen, Fehlhaltungen, Flüssigkeitsmangel oder stressbedingte Anspannung verantwortlich sind, wird Migräne von bestimmten auslösenden Faktoren, den sogenannten Triggern, beeinflusst. Ein Trigger ist dabei nicht die Ursache der Migräne, sondern der akute Auslöser, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt. Trigger können sein: zu wenig oder unregelmäßiger Schlaf, bestimmte Nahrungsmittel, Hormonschwankungen, Umweltfaktoren wie helles oder flackerndes Licht sowie starke Gerüche oder Wetterlagen.

Wie unterscheiden sich Kopfschmerzen und Migräne?

Es gibt einige Anhaltspunkte, die auf Spannungskopfschmerz oder den Migränetyp schließen lassen, zum Beispiel:

  • Stärke des Schmerzes
  • Ort des Schmerzes
  • Charakterisierung des Schmerzes
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Ruhebedürfnis
  • Verstärkung der Beschwerden bei körperlicher Aktivität
  • Übelkeit und Erbrechen

Tipp: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch

Wichtig für den Arzt ist es, zu erkennen, ob Sie an Kopfschmerzen oder Migräne leiden. Nur so kann er Sie richtig behandeln. Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs hilft dabei. Dokumentieren Sie alle Symptome und Auswirkungen, die Kopfschmerzen oder Migräne auf Sie haben – möglichst genau und mit Angabe, wann und in welchen Situationen die Beschwerden aufgetreten sind.

Diese Eckpunkte sollten Sie notieren:

  • Schmerzintensität
  • Schmerzdauer
  • Schmerzcharakter (ein- oder beidseitig, pochend oder dumpf)
  • Begleiterscheinungen
  • Kopfschmerzart (Lassen sich die Begleiterscheinungen eher der Migräne oder dem Spannungskopfschmerz zuordnen?)
  • mögliche Auslöser für Kopfschmerzen oder Migräne
  • Einnahme von Medikamenten

Symptome bei Kopfschmerzen und Migräne

Welche Symptome auftreten können, zeigt folgende Tabelle:

Symptome Migräne Spannungskopfschmerz
Stärke der Kopfschmerzen mäßig bis sehr stark leicht bis mittelstark
Ort der Kopfschmerzen oft einseitig, der Kopfschmerz beginnt häufig mit Nackenschmerzen selten einseitig, meist beidseitig
Schmerzcharakter pochend, pulsierend dumpf, drückend
Kopfschmerzdauer 4 bis 72 Stunden 30 Minuten bis 1 Woche
Übelkeit und Erbrechen Übelkeit und Erbrechen sind Hinweis auf einen Migräne-Anfall. nein
Empfindlichkeit: Licht, Lärm, Geruch typischerweise vorhanden; Symptome möglicherweise unterschiedlich stark ausgeprägt meist nicht vorhanden; maximal ein Symptom in leichter Form
Aura (neurologische Symptome wie zum Beispiel Flimmern oder Lichtblitze im Blickfeld, Teilausfälle beim Sehen oder Störungen des Sprachzentrums) bei der sogenannten Migräne mit Aura vorhanden nein
Ruhebedürfnis meist vorhanden; Schmerzen verschlimmern sich durch körperliche Aktivität nein; Schmerzlinderung bei leichter körperliche Aktivität
Zunahme der Beschwerden bei körperlicher Aktivität meist vorhanden nein

Symptome kritisch betrachten

Nicht immer ist es so einfach, den Kriterienkatalog aufzuschlagen, stur die Symptome abzuhaken, und eine eindeutige Diagnose zu erhalten, denn: Patienten erfüllen nicht immer alle Kriterien für die ein oder andere Kopfschmerzart vollständig. Oder es treten gleich mehrere Kopfschmerzarten gleichzeitig bei den Betroffenen auf, was leicht zu Verwechslungen führt: Ein starker Spannungskopfschmerz wird dann zum Beispiel für eine beginnende Migräne gehalten und fälschlicherweise mit Migränemitteln behandelt. Im Umkehrschluss hilft es natürlich nichts, einen echten Migräneanfall so zu behandeln wie Spannungskopfschmerzen. Symptome differenziert und für jeden Patienten individuell zu betrachten ist wichtig: Einer wirksamen Therapie, die bei den Kopfschmerzarten unterschiedlich abläuft, geht immer eine sorgfältige Schmerzanalyse voraus.

Kombinationskopfschmerz – wenn sich Spannungskopfschmerzen und Migräne-Anfälle verbinden

Die Hälfte der Kopfschmerzpatienten leidet sowohl an Migräne als auch an Spannungskopfschmerzen.[3]

So äußert sich der sogenannte Kombinationsschmerz:

  • mittelstarke bis schwere Kopfschmerzen
  • zusätzlich einseitige Kopfschmerzattacken
  • Migräneattacken überlagern die Symptome des Spannungskopfschmerzes

Die zahlreichen möglichen Symptomvariationen und die Tatsache, dass die eine Kopfschmerzart fließend in die andere übergehen kann, erschwert die Diagnose. Oft wird dann eine „Hilfsdiagnose“ gestellt, ein sogenannter „migräneartiger Kopfschmerz“ (migränoide Kephaligie).

Kombinationskopfschmerz behandeln

Mögliche Therapieansätze bei der Kombination aus Kopfschmerz und Migräne sind die

  • medikamentöse Schmerztherapie,
  • physikalische Therapie, zum Beispiel Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik sowie
  • Akupunktur.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Medikamente zur Schmerzlinderung einnehmen, auch, um sie richtig zu dosieren. Prinzipiell gilt: Meist ist weniger mehr. Die Anzahl der gleichzeitig eingenommenen Medikamente sollte niedrig gehalten werden, um unerwünschte Nebenwirkungen zu verringern und einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu vermeiden. Damit ist ein Dauerkopfschmerz gemeint, der durch den langfristigen Gebrauch von Schmerzmitteln ausgelöst werden kann.

Grundsätzlich wird bei Kombinationskopfschmerz jede beteiligte Kopfschmerzart einzeln nach den für sie geltenden Regeln behandelt. Bei uns finden Sie weitere Informationen zur Therapie von Spannungskopfschmerzen sowie zu den Behandlungsmöglichkeiten von Migräne.

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1 Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne, Berlin [u.a.], August 2016.
2 Ebd.
3 Füller, Ingrid: Kopfschmerzen und Migräne, Berlin, 2006.