Triptane: Spezielles Migräne-Mittel

Migräne kann den Alltag empfindlich einschränken: Betroffene leiden unter starken, wiederkehrenden, pulsierenden und einseitigen Kopfschmerzen, die von Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit begleitet sein können. Für Menschen mit schweren Migräneanfällen steht seit den 1990er Jahren die Wirkstoffgruppe der Triptane zur Verfügung. Diese speziellen Medikamente können sowohl die Schmerzen als auch die Begleitsymptome einer Migräne wirksam lindern.

Wann kommen Triptane zur Anwendung?

Triptane sind Medikamente, die speziell zur Behandlung von Migräne zugelassen sind. Als einziges weiteres Anwendungsgebiet gilt daneben der Cluster-Kopfschmerz.

Für die Therapie der leicht- und mittelgradigen Migräne empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) die frühzeitige und hochdosierte Einnahme von Schmerzmitteln, wie sie auch beim Spannungskopfschmerz verwendet werden. Geeignet sind hier etwa:

Lässt sich die Migräneattacke mit diesen Schmerzmedikamenten nicht ausreichend behandeln, können Triptane als spezifische Migränemittel zum Einsatz kommen. Bei etwa 60 Prozent der Migränepatienten, die auf die gängigen Schmerzmittel nicht ansprechen, bringen Triptane Linderung.1 Grund dafür ist, dass Triptane ihre Wirkung über einen vollkommen anderen Mechanismus entfalten.

Wie wirken Triptane?

In unserem Gehirn gibt es eine Reihe von Botenstoffen, die unter anderem dafür zuständig sind, unsere Stimmung zu beeinflussen und Schmerzempfindungen weiterzuleiten. Ein wichtiger Botenstoff ist das Serotonin, das Wohlfühlhormon. Triptane sind dem Serotonin chemisch verwandt und können im Gehirn an die gleichen Rezeptoren binden. Dadurch lindern Triptane über drei Mechanismen die Symptome einer Migräne:

  • Verengung der Blutgefäße: Triptane legen sich wie Serotonin an den 5-HT1B-Rezeptor. Dies bewirkt ein Zusammenziehen der übermäßig erweiterten Blutgefäße im Gehirn.
  • Hemmung der Schmerzentstehung: Durch die selektive Bindung an Nerven an den 5HT1D-Rezeptor vermindern sie die Freisetzung von schmerzvermittelnder Eiweiße.
  • Reduzierung der Schmerzwahrnehmung: Sie unterdrücken die Weiterleitung von Schmerzsignalen, wodurch das Schmerzempfinden ebenfalls gehemmt wird.

Diese drei Wirkmechanismen tragen dazu bei, dass der Migräneschmerz nachlässt. Gleichzeitig lindern sie auch typische Begleiterscheinung wie Übelkeit. Da sie sehr spezifisch wirken, sind sie bei anderen Kopfschmerzarten nicht geeignet.

Welche Triptane gibt es in Deutschland?

In Deutschland sind aus der Gruppe der Triptane sieben verschiedene Wirkstoffe erhältlich. Als Darreichungsform stehen Tabletten, Schmelztabletten, Injektionen, Zäpfchen oder Nasensprays zur Verfügung. Folgende Triptane sind auf dem Markt:

  • Almotriptan
  • Eletriptan
  • Frovatriptan
  • Naratriptan
  • Rizatriptan
  • Sumatriptan
  • Zolmitriptan

Die verschiedenen Triptane unterscheiden sich hinsichtlich der Wirksamkeit, dem Wirkeintritt und der Wirkdauer und können anhand dieser Kriterien in drei Gruppen unterteilt werden:

Einteilung der Triptane in verschiedene Gruppen:

Gruppe Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3
rasche, starke Wirkung, kurze Wirkdauer, hohe Rate an Nebenwirkungen ausgeglichene Wirkung lange Wirkdauer, langsamer Wirkungseintritt
Wirkstoff Sumatriptan zur Verabreichung als Spritze unter die Haut Almotriptan, Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan (als Tablette), Zolmitriptan Frovatriptan, Naratriptan

Welches Präparat ist für mich geeignet?

Welches Triptan für welchen Patienten am besten ist, ist individuell verschieden. Hier gilt es für Patienten, sich vom Arzt sorgfältig beraten zu lassen und gegebenenfalls verschiedene Triptane auszuprobieren. Die meisten Patienten benötigen mehrere Anläufe, um das bei ihnen wirksame Triptan zu finden.

Auf der Suche nach dem geeigneten Triptan empfiehlt sich aus diesem Grund folgendes Vorgehen:

  • Bei mindestens drei Migräne-Attacken in Folge sollte das verordnete Triptan eingenommen werden. Wirkt es bei allen drei Attacken nicht, kann in Rücksprache mit dem Arzt auf ein anderes Triptan umgestellt werden. Dieser Wechsel kann im Einzelfall so lange erfolgen, bis ein passendes Präparat gefunden wurde.
  • Über die Zahl der Patienten, die auf keines der verfügbaren Triptane ansprechen, gibt es keine eindeutigen Zahlen. Experten schätzen jedoch, dass die Zahl dieser sogenannten „Non-Responder“ bei 10 bis 20 Prozent liegt.
  • Wichtig zu wissen ist allerdings auch, dass nicht jede Einnahme eines Triptans wirksam sein muss, auch wenn Betroffene prinzipiell durch das Medikament eine gute Linderung erfahren. Warum die Wirksamkeit bei verschiedenen Gaben unterschiedlich ausfallen kann, ist bislang nicht bekannt.

Ein Wort zur Verschreibungspflicht

In Deutschland unterliegen Triptane der Verschreibungspflicht, das heißt, sie müssen vom Arzt verordnet werden. Eine Ausnahme bilden Naratriptan und Almotriptan, die in der kleinsten Packungsgröße (N1-Größe) in der Apotheke frei verkäuflich zu erwerben sind. In diesem Fall übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Arzneimittel nicht.

Nebenwirkungen der Triptane

Unter der Anwendung von Triptanen kann es zu allgemeinen Nebenwirkungen wie einem mäßigen Schwächegefühl, Schwindel, Kribbeln, Wärme- oder Hitzeempfinden oder auch zu Übelkeit kommen. Seltener sind Blutdruckanstiege oder ein Engegefühl in der Brust (Angina pectoris). Sehr selten sind schwerwiegende Nebenwirkungen wie Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen und Störungen der Skelettmuskulatur.

Wechselwirkungen der Triptane

Triptane dürfen nicht mit Mutterkornalkaloiden (Ergotamin) eingenommen werden, da beide Stoffe zu einer Gefäßverengung führen. Das Migränemittel Ergotamin wird allerdings heute nur noch sehr selten verordnet. Spezielle Psychopharmaka aus der Gruppe der MAO-Hemmer können den Abbau von Triptanen verlangsamen. Clomipramin, Propanolol und Lithium können die Wirkung von Triptanen verstärken. Ihr Arzt kann Ihnen Empfehlungen zur Einnahme von Triptanen mit anderen Medikamenten geben.

Achtung: Triptane und Antidepressiva

Eine gefährliche und potenziell lebensbedrohliche Wechselwirkung kann durch die Einnahme von Triptanen und Antidepressiva entstehen. Vorsicht ist vor allem bei Medikamenten aus der Gruppe der SSRI (Selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer) oder der SSNRI (Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) geboten. Hier droht ein Serotonin-Syndrom, das Symptome wie Ruhelosigkeit, Halluzinationen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, vermehrte Reflexe, schneller Herzschlag oder Blutdruckschwankungen verursacht. Ein Serotonin-Syndrom ist ein medizinischer Notfall, der unbedingt ärztlich überwacht und behandelt werden muss. Selten kann auch die Kombination mit Johanniskraut und Triptanen zu einem Serotonin-Syndrom führen.

Wann dürfen Triptane nicht eingenommen werden?

Aufgrund ihrer gefäßverengenden Wirkung sind Triptane für Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte, einem Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen nicht geeignet. Auch schwere Einschränkungen der Leber- und Nierenfunktion gelten als Kontraindikation. Eine Anwendung wird bei Kindern, bei Menschen über 65 Jahren sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Hier kann der Arzt allerdings im Einzelfall entscheiden, ob eine Anwendung stattfinden kann.

Tipps zur Anwendung von Triptanen

Für eine optimale Wirkung nehmen Sie Triptane bereits bei den ersten Anzeichen eines Migräne-Kopfschmerzes ein. Ausnahme sind dabei Patienten, die den Beginn des Migräneanfalls mit einer Migräne-Aura bemerken. In der Auraphase dürfen Triptane noch nicht eingenommen werden. Zum einen können Triptane die Auraphase nicht lindern. Zum anderen kann es in der Migräne-Aura zur Verengung von Blutgefäßen kommen, sodass gefäßverengende Medikamente wie Triptane in dieser Phase die Symptome verschlechtern können.

Weitere Tipps zur Anwendung:

  • Auch wenn das Triptan nicht wirkt, dürfen Sie die Tageshöchstdosis nicht überschreiten.
  • Die Arzneistoffe dürfen höchstens an zehn Tagen im Monat und nur an drei aufeinanderfolgenden Tagen verwendet werden. Andernfalls droht ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz.
  • In der Regel wirken Triptane nicht nur gegen Migräne-Kopfschmerzen, sondern helfen auch gegen Begleitsymptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Sollte die Übelkeit vor der Einnahme sehr ausgeprägt sein, können Triptane bei Bedarf aber mit Medikamenten gegen Übelkeit kombiniert werden.
  • Zur Vorbeugung von Migräneanfällen sind Triptane nicht geeignet.
  • Gönnen Sie Ihrem Körper während und nach der Migräneattacke Zeit und Ruhe. Auch wenn die Medikamente gut wirken, benötigt der Körper Erholung.

Triptane bei Cluster-Kopfschmerz

Patienten mit einem Cluster-Kopfschmerz leiden unter heftigen, einseitigen Schmerzen im Augenbereich mit mindestens einem Begleitsymptom wie tränende Augen, laufende Nase (Rhinitis), Nasenschleimhaut- oder Lidschwellung.

Triptane sind auch beim Cluster-Kopfschmerz wirksam. Zur Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes wird meist Sumatriptan als Injektion unter die Haut verordnet. Für die Anwendung von Triptanen beim Cluster-Kopfschmerz gilt es, dieselben Anwendungshinweise und Kontraindikationen zu beachten, wie bei der Migräne.

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1 Pharmazeutische Zeitung: Triptane – Beratungsintensive Blitzableiter. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=37493 (24.04.2018).