Acetylsalicylsäure: Der Wirkstoff gegen Schmerzen im Überblick

Acetylsalicylsäure kann vielfältig angewandt werden, nämlich bei Schmerzen, Fieber oder Entzündungen. Der Wirkstoff ist bereits seit 1899 auf dem Markt und findet noch immer Verwendung. Seit 1977 steht Acetylsalicylsäure auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO, auf der Medikamente für die dringlichsten Bedürfnisse der medizinischen Versorgung zu finden sind. Hier erfahren Sie mehr über den Wirkstoff, der zu den erfolgreichsten Arzneistoffen zählt.

Acetylsalicylsäure hilft nicht nur gegen Schmerzen

Das Medikament Acetylsalicylsäure ist auch bekannt als ASS. Es gehört zu den verschreibungsfreien Mitteln gegen Schmerzen und ist in der Apotheke in verschiedener Dosierung erhältlich.

ASS kann gegen leichte und mäßige Schmerzen zum Beispiel bei:

  • Kopfschmerzen oder Migräne,
  • Zahnschmerzen und
  • Regelschmerzen helfen.

Neben seinem Einsatz als Schmerzmittel (Analgetikum) ist es auch ein Fiebermittel (Antipyretikum) und ein Entzündungshemmer (Antiphlogistikum). Der Wirkstoff zählt auch zu den sogenannten Thrombozytenaggregationshemmern: Er hemmt die Blutgerinnung, macht das Blut flüssiger und kann zur Vorbeugung von Blutgerinnseln (Thrombose) bei vorhergehendem Herzinfarkt oder Schlaganfall dienen.

Wussten Sie es?

Die Acetylsalicylsäure ist ein Abkömmling der Salicylsäure, die ihren Namen von der Silberweide (lateinisch „Salix alba“) erhalten hat. Aus der Rinde der Weide wurde seit dem Jahr 1829 die Substanz Salicin extrahiert, aus der sich die Salicylsäure herstellen lässt. Heutzutage wird die Substanz in den ASS-Tabletten jedoch synthetisch hergestellt.

Die Wirkung von Acetylsalicylsäure

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure gehört zur Gruppe der nichtopioiden-Analgetika, da er zwar Schmerzen stillt, aber im Körper keinen Effekt auf Rezeptoren (Andockstellen) für Opioide hat. Daneben wird er zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) gezählt. Andere Beispiele für Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind

Sie gehören zu den leichten Schmerzmitteln. Acetylsalicylsäure beeinflusst wie andere NSAR die Bildung von Prostaglandin, einem Gewebshormon, welches Entzündungsprozesse, Schmerzen und Fieber hervorrufen kann. Acetylsalicylsäure hemmt die Bildung dieser Hormone, dadurch kann sie Schmerzen und Entzündungen lindern und Fieber senken.

Ein weiterer Effekt der Prostaglandine: Sie fördern die Blutgerinnung. ASS-Tabletten setzen diese Wirkung herab und vermindern somit die Gerinnung des Bluts. Daneben hat Acetylsalicylsäure eine blutverdünnende Wirkung: Es hemmt die Thrombozytenaggregation – den normalen Vorgang des Verklebens von Blutplättchen im Körper. Indem ASS das Zusammenlagern der Plättchen verhindert, bleibt das Blut dünnflüssiger und es entstehen weniger Gerinnsel (Thrombosen). Aufgrund der blutverdünnenden Wirkung sollten Sie ASS-Tabletten vor einer OP in Absprache mit Ihrem Arzt rechtzeitig absetzen, da die Neigung zu Blutungen auch einige Tage nach der Einnahme noch gesteigert sein kann.

Die Dosierung von Acetylsalicylsäure

Eine ASS-Tablette enthält im Regelfall 500 Milligramm des Wirkstoffes. Niedrigere Dosierungen nehmen vor allem Patienten mit erhöhtem Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Blutverdünnung und Gerinnungshemmung ein. Gegen starke Schmerzen, Fieber und Entzündungen sind erst höhere Dosen ab 500 Milligramm pro Tag wirksam.

In Kombination mit anderen Wirkstoffen verbessert sich die Wirkung der Acetylsalicylsäure. In gängigen Kombipräparaten sind beispielsweise folgende Wirkstoffe enthalten:

  • ASS mit Koffein: für eine beschleunigte Wirkung
  • ASS mit Pseudoephedrin: bei Erkältungsschmerzen

Für die rezeptfreien Analgetika (mit Ausnahme der 400-Milligramm-Ibuprofen-Präparate), zu denen Acetylsalicylsäure gehört, gilt eine Dosierungsempfehlung von dreimal täglich ein bis zwei Tabletten.1 Die Tageshöchstdosis beträgt 3000 Milligramm. Außerdem sollten Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander oder öfter als zehn Tage im Monat eingenommen werden, da sonst Nebenwirkungen zum Beispiel ein durch Schmerzmittel bedingter Kopfschmerz auftreten können.

So nehmen Sie eine ASS-Tablette ein

Eine ASS-Tablette – mit oder ohne zusätzlichen Wirkstoff – nehmen Sie mit einem Glas Wasser ein. Am besten vermeiden Sie die Einnahme auf nüchternen Magen, denn sonst kann die Magenschleimhaut gereizt werden und die Gefahr für Nebenwirkungen wie Magenschmerzen steigt. Außerdem empfehlen Ärzte, die verordnete oder in der Packungsbeilage empfohlene Dosis einzunehmen, statt einer mehrmaligen Einnahme von weniger Wirkstoff, da dies ein zuverlässigeres Ergebnis erzielt.

Welche Nebenwirkungen treten bei Acetylsalicylsäure auf?

ASS-Tabletten können zu Nebenwirkungen vor allem im Magen-Darm-Trakt führen. Denn durch die Hemmung des Gewebshormons Prostaglandin wird auch der Schutz der Magenschleimhaut herabgesetzt. Bei einer Einnahme von Acetylsalicylsäure, vor allem in hoher Dosierung, klagen einige Personen daher über Magenschmerzen.

Außerdem kann

  • Übelkeit
  • Erbrechen oder
  • Durchfall auftreten.

Bei längerer Einnahme von ASS-Tabletten können winzige Blutungen (Mikroblutungen) im Magen-Darm-Trakt oder ein Magen-Darm-Geschwür entstehen. Seltenere Nebenwirkungen der Acetylsalicylsäure außerhalb von Magen und Darm sind Schwindel, Schläfrigkeit, Blutbildveränderungen oder Wasseransammlungen im Gewebe.

Wann darf Acetylsalicylsäure nicht eingenommen werden?

Nicht einnehmen sollten Sie die Acetylsalicylsäure bei

  • Magen-Darm-Geschwüren (mögliche Symptome: Druck- und Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen) und Blutungen sowie
  • einer Allergie auf Salicylate.

Bei Asthma bronchiale, Schwerhörigkeit und der Einnahme von anderen gerinnungshemmenden Arzneimitteln sollten Sie die Einnahme von ASS mit Ihrem Arzt besprechen. Bei einigen Medikamenten, zum Beispiel zur Behandlung von Herzbeschwerden (Digoxin und Digitoxin) oder manisch-depressiven Störungen (Lithium), können außerdem Wechselwirkungen mit dem Schmerzmittel auftreten.

Kinder unter 12 Jahren dürfen Acetylsalicylsäure nicht einnehmen, da sie das Auftreten des Reye-Syndroms erhöht – einer seltenen, aber gefährlichen Erkrankung des Gehirns und der Leber. Vor allem Kinder zwischen vier und neun Jahren sind davon infolge einer Virusinfektion betroffen. Wie Acetylsalicylsäure zur Entstehung des Syndroms beiträgt und wie häufig es im Zusammenhang mit dem Wirkstoff auftritt, ist bislang nicht bekannt.

Auch während der Schwangerschaft sollte Acetylsalicylsäure nicht eingenommen werden, außer der Arzt hat das Medikament explizit verordnet. Im letzten Schwangerschaftsdrittel und während des Stillens sollte man strikt keine Acetylsalicylsäure einnehmen.

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1 PharmaWiki. URL: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Acetylsalicyls%C3%A4ure (20.10.2017).