Bänderdehnung – dick und schmerzhaft

Bänder haben viele Funktionen: Sie verbinden Knochen miteinander, stabilisieren unsere Gelenke und sind dafür zuständig, den Bewegungsspielraum eines Gelenks auf ein sinnvolles Maß zu beschränken. Wird das Gelenk jedoch abrupt über die normale Belastungsfähigkeit hinaus bewegt, kann es zu einer Bänderdehnung, der Vorstufe eines Bänderrisses, kommen.

Bänderdehnung: Wie schlimm ist sie?

Für Verletzungen der Bänder gibt es folgendes Schema zur Einordnung:

  • Grad I: Bänderzerrung (auch Bänderdehnung genannt)
  • Grad II: partielle Ruptur (Bänderanriss)
  • Grad III: vollständige Ruptur (Bänderriss)

Die typische Bänderdehnung fällt in die Klassifikation des Grades I. Es ist dabei nicht zu Rissen im Gewebe gekommen und das Gelenk bleibt stabil. Generell kann jede Stelle des Bandes von einer solchen Überdehnung betroffen sein, auch der Bänderansatz. Je nachdem, wie groß Kraft, Geschwindigkeit und Richtung der plötzlichen und gewaltsamen Bewegung sind, desto ausgeprägter ist die Verletzung.

Das gilt sowohl

  • bei akuten Verletzungen wie Sportunfällen als auch
  • bei Fehl- oder Überbelastungen im Alltag.

Auch eine übermüdete oder vor Sportbeginn nicht genügend aufgewärmte Muskulatur kann die Verletzungsgefahr erhöhen. Wie groß das Ausmaß der Verletzung ist, hängt aber auch von Faktoren ab, die altersbedingt sind oder von Bewegungsmangel herrühren (inaktivitätsbedingt).

Aus was bestehen Bänder und wie sind sie aufgebaut?

Bänder bestehen aus Bindegewebssträngen; die Hauptzellen dieses Bindegewebes nennt man Fibroblasten. Je älter wir werden, desto mehr Fibroblasten werden durch Chondroblasten (Knorpelbildungszellen) ersetzt, was zur Folge hat, dass die Elastizität der Bänder abnimmt.

Bei ihren täglichen Aufgaben kommt den Bändern ihre anatomische Verlaufsform – eine Wellenform – zugute: So können sie einwirkende Kräfte besser aufnehmen und puffern.

Welche Symptome sind typisch bei einer Bänderdehnung?

Die Überdehnung eines Bandes äußert sich durch verschiedene Symptome:

  • Schmerzen (wenn auch weniger stark ausgeprägt als bei einem Bänderriss)
  • begleitende Kraft- und Bewegungseinschränkung
  • Druckempfindlichkeit
  • leichte Schwellung
  • herabgesetzte Belastbarkeit

Ist zudem ein Bluterguss (Hämatom) entstanden, wird die Verletzung bereits als Grad II (partielle Ruptur) eingestuft – denn bei einer reinen Bänderdehnung tritt kein Blut in die umliegenden Strukturen aus.

Bei welchen Sportarten ist das Risiko für eine Bänderdehnung erhöht?

Zu den Risikosportarten zählen solche mit schnellen Richtungswechseln und Gegnerkontakt, zum Beispiel Fußball, Basketball, Badminton, Squash, Tennis sowie Ski- und Snowboardfahren. Doch auch Menschen, die sportlichen Aktivitäten nicht so zugetan sind, sind vor einer Bänderdehnung nicht gefeit: Sie kann auch die Folge kleiner Unachtsamkeiten und Bagatellereignisse wie falschem Auftreten, Umknicken des Fußes oder Ausrutschen auf nassem Boden sein. Übrigens: Auch das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen vergrößert das Risiko, sich beim Umknicken zu verletzen.

Sehr häufig betroffen: Sprung- und Kniegelenk

Das Sprunggelenk verbindet das Schien- und Wadenbein mit den Fußknochen und ist das Gelenk, das in der Regel am stärksten beansprucht wird. Vergleicht man das Sprunggelenk mit dem Knie- oder Hüftgelenk, trägt es eine größere Last, und das bei kleinerer Fläche. Beim Gehen oder Laufen muss das Sprunggelenk sogar das bis zu fünffache des Körpergewichts abfedern.1 In 65 bis 70 Prozent der Fälle ist das Außenband Ligamentum fibulotalare anterius (LFTA), eines der drei stabilisierenden Außenbänder des oberen Sprunggelenks, von Verletzungen betroffen.2 Allgemein gesehen knickt man weitaus häufiger zur Außenseite des Fußes hin um (Supinationstrauma) als zur Innenseite (Pronationstrauma). Bänderdehnungen und andere Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk können bei fast allen Ball- und Sprungsportarten auftreten.

Doch nicht nur die Bänder des Sprunggelenks können überdehnt sein: Das Knie ist das am häufigsten betroffene Gelenk bei Sportverletzungen, die entweder durch das Verdrehen des Knies zustande kommen oder zum Beispiel beim Anprall des Gegners gegen das Knie. Kombinationsverletzungen bei den Bändern des Kniegelenks (Innen- und Außenband, vorderes und hinteres Kreuzband) sind relativ häufig. Mit Kombinationsverletzungen sind Verletzungen gemeint, die gleich mehrere Strukturen im Knie betreffen, also zum Beispiel das vordere und hintere Kreuzband oder das vordere Kreuzband und das hintere Innenband.

Bänderdehnung, was nun? Die Erste-Hilfe-Maßnahmen

Wie bei so vielen anderen Sportverletzungen findet auch bei der Erstversorgung einer Bänderdehnung innerhalb der ersten zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Unfall die PECH-Regel Anwendung: Pause – Eis – Compression (Druckverband) – Hochlagern. Ganz wichtig ist vor allem der erste Punkt, die Pause. Wird die Verletzung ignoriert und das betroffene Gelenk weiter belastet, kann dies die Verletzung noch verschlimmern und der Sportler dadurch für eine noch längere Zeitspanne vom Training ausfallen.

Die Behandlung einer Bänderdehnung

Allen voran gilt: Verlassen Sie sich lieber nicht auf Eigendiagnosen. Sobald Sie starke Schmerzen am Bewegungsapparat feststellen oder Sie sehen, dass sich ein Bluterguss bildet und die Verletzung somit ins Gewebe einblutet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er kann eine handfeste Diagnose stellen und eine zielgerichtete Behandlung einleiten.

Es gibt viele Möglichkeiten der Bänderdehnung-Behandlung, wie:

  • Ruhigstellung, Stabilisierung und Schmerzmedikation durch Bandagen, Stützverbände, Tapes, Orthesen (Kunststoffschienen)
  • Physiotherapie (zum Beispiel zur Muskelkräftigung und -koordination)
  • propriozeptives Training (Training auf instabilen Untergründen wie zum Beispiel Balance Pads oder Ballkissen)

Auf dieses Koordinationstraining sprechen die Rezeptoren an Gelenken, Muskeln, Sehnen und Haut an. Es hilft so dabei, nach einer Verletzung schneller wieder in Form zu kommen, aber auch Stürzen vorzubeugen, wenn die Übungen regelmäßig in das normale Training miteinbezogen werden.

Lieber nicht:

Auf Gehhilfen wie Krücken sollte in der Phase der Behandlung einer Bänderdehnung weitestgehend verzichtet werden, da sie den Betroffenen dazu verleiten, sich eine Art Schonhaltung anzueignen, die weitere Verletzungen nach sich ziehen kann.

Übungen des propriozeptiven Trainings – ganz ohne Geräte

Es gibt viele Übungen, die ohne Zusatzgeräte auskommen. Sie können diese ganz einfach nachmachen:

  • Einbein-Stand: Beginnen Sie im sicheren Stand, heben Sie dann ein Bein gebeugt an. Position circa 20 bis 30 Sekunden halten, dann das Bein wechseln. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich erhöhen, indem die Übung bei geschlossenen Augen durchgeführt wird.
  • Balanceakt auf dem Handtuch: Rollen Sie für diese Übung ein Handtuch der Länge nach zusammen, sodass es die Form eines dicken Seils bekommt, und balancieren Sie darauf.
  • Schuhe ausziehen: Wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, können Sie öfter mal barfuß über eine Wiese laufen: Gehen Sie abwechselnd auf den Zehenspitzen, den Innen- und Außenseiten der Füße sowie auf der Ferse.

Bei einer Bänderdehnung müssen Patienten übrigens meist gar nicht so lange warten, bis sie sportlich wieder loslegen dürfen: Häufig ist die Verletzung bereits nach circa einer Woche ausgeheilt. Ihr Arzt wird Ihnen das finale „Go“ geben.

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1 Orthopädische Gelenkklinik Gundelfingen. URL: https://gelenk-doktor.de/sprung-gelenk/sprungelenkschmerzen-und-schmerzen-im-knoechel.html (01.09.2017).
2 Scheid, Volker; Prohl, Robert: Sportbiologie. Kursbuch Sport. 2007. S. 184.