Chronische Migräne – wenn der Schmerz den Alltag dominiert

Menschen mit chronischer Migräne haben über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen – also öfter Kopfschmerzen als kopfschmerzfreie Tage. Eine episodische, also nur zeitweise auftretende, Migräne kann über die Jahre in eine chronische Migräne übergehen. Die Betroffenen fühlen sich, als hätten sie ständig Migräne. Die Schmerzen werden von bekannten Risikofaktoren getriggert: Genau hier setzt auch die Behandlung der chronischen Migräne an.

Was ist eine chronische Migräne?

Migräne ist eine häufige, stark belastende neurologische Erkrankung, von der im Durchschnitt etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind.1 Die Migräneattacken werden bei vielen Patienten mit der Zeit häufiger.





Man teilt diesen Prozess in vier Phasen ein:

  1. keine Migräne
  2. niederfrequente episodische Migräne (weniger als zehn Kopfschmerztage pro Monat)
  3. hochfrequente episodische Migräne (10 bis 14 Kopfschmerztage pro Monat)
  4. chronische Migräne (15 oder mehr Kopfschmerztage pro Monat)

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft definiert chronische Migräne als Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat für mindestens drei Monate, wobei der Patient an mindestens acht Tagen pro Monat zusätzliche Migränesymptome aufweisen muss.

Schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland ist von chronischer Migräne betroffen.2 Patienten, die ständig an Migräne leiden, sind im Alltag viel stärker belastet als Migränepatienten mit selteneren Anfällen. Das kann die Lebensqualität verschlechtern und die Stimmung belasten: Angststörungen und Depressionen treten gehäuft auf. Letztendlich kann dadurch ein Teufelskreis aus Migräneattacken und psychischer Belastung entstehen.

Risikofaktoren der chronischen Migräne

Zu den Risikofaktoren, die ihrerseits die häufigen Schmerzzustände auslösen oder fördern können, gehören:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • andere Schmerzerkrankungen (zum Beispiel Fibromyalgie, sogenannter Faser-Muskel-Schmerz)
  • Fettleibigkeit
  • Asthma
  • Schnarchen
  • Stress
  • Kopf/Nacken-Verletzungen
  • Koffein
  • Medikamentenmissbrauch
  • andauernde oder häufige Übelkeit

Bei Patienten mit chronischer Migräne ist es oft schwierig, spezifische Trigger auszumachen.

Diagnose der chronischen Migräne

Zur korrekten Diagnose der chronischen Migräne ist es sehr wichtig, dass der Arzt die exakte Anzahl der Tage pro Monat kennt, an denen der Patient irgendeine Art von Kopfschmerz empfindet. Am besten führt man dazu ein Kopfschmerztagebuch. Denn häufig erinnern sich Patienten nur an die Tage, an denen die Kopfschmerzen so stark waren, dass sie Medikamente eingenommen haben oder nicht mehr am normalen Leben teilhaben konnten, und vergessen die Tage mit leichten Kopfschmerzen. Das gibt dem Arzt einen falschen Eindruck von der tatsächlichen Kopfschmerzbelastung und kann dazu führen, dass er die chronische Migräne nicht erkennt.

Außerdem ist es entscheidend, dass der Arzt andere mögliche Ursachen für häufige Kopfschmerzen ausschließt, wie zum Beispiel alle Arten sekundärer Kopfschmerzen (also Kopfschmerzen, die auf eine organische Erkrankung oder Verletzung zurückzuführen sind). Auch andere Arten chronischer Kopfschmerzen, wie chronische Spannungskopfschmerzen oder Hemicrania continua, ein einseitiger Dauerkopfschmerz, können verantwortlich sein.

So sieht die Therapie der chronischen Migräne aus

Auch bei dieser Migräneform ist Heilung noch nicht möglich, die Erkrankung lässt sich aber – durchaus erfolgreich – „managen“.3 Dazu werden übergreifende Behandlungskonzepte mit multimodalen Therapien eingesetzt, bestehend aus medikamentösen und verhaltenspsychologischen Behandlungen sowie Sport, Physiotherapie und entsprechenden Entspannungsverfahren.

Die Behandlung der chronischen Migräne baut dabei auf drei Säulen auf:

  • akute Behandlung der Migräneattacken
  • präventive Behandlung, um Migräneanfälle seltener zu machen
  • Management von Migräneauslösern und Lebensstil

Normalerweise hilft es dem Patienten mit ständiger Migräne schon sehr, wenn er seinen Lebensstil bezüglich Mahlzeiten, Trinken, Schlafen und Stress in möglichst geordnete Bahnen bringt. Andere Risikofaktoren, wie Depressionen, Angststörungen, schmerzhafte Erkrankungen, Schlaf-Apnoe (Atemaussetzer im Schlaf) sollten ärztlich behandelt werden.

Zur akuten und präventiven Behandlung werden medikamentöse und nichtmedikamentöse Methoden verwendet, die wir im Text „Behandlung der Migräne“ beschreiben. Zur medikamentösen Therapie gehören bei schwerer Migräne vor allem die sogenannten Triptane: Sie greifen in den Serotonin-Stoffwechsel ein und wirken wahrscheinlich gegen Kopfschmerzen, indem sie die bei Migräne geweiteten Blutgefäße verengen.

Mehr erfahren:

Welche Migräne-Symptome gibt es? >>

Arten von Migräne im Überblick >>

Hausmittel bei Migräne >>

 

1 MigräneLiga e.V. Deutschland. URL: https://www.migraeneliga.de/migraeneliga/ziele.html (21.09.2017).
2 Obermann, Mark et al.: Therapie der chronischen Migräne, in: Arzneimitteltherapie 2014;32:155-8.
3 US National Library of Medicine National Institutes of Health. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4416971/ (21.08.2017).