Kopfschmerzen – Entstehung und Ursachen

20. Oktober 2017
1 Min.

Kopfschmerzen sind unangenehm, machen mürbe und schränken die Lebensqualität der Betroffenen in allen Bereichen ein: Partnerschaft, Familien- und Arbeitsleben. Innerhalb eines Jahres leiden etwa 70 Prozent der Bevölkerung – Frauen häufiger als Männer – unter Kopfweh.1 Alarmierend sind vor allem die Beschwerden bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 27 Jahren. Die Zahl der an Kopfschmerz Leidenden stieg in dieser Altersgruppe im Zeitraum von 2005 bis 2015 um 42 Prozent.2 Doch woran liegt das? Wie entstehen die Kopfschmerzen? Und was ist Kopfschmerz überhaupt?

Überblick:


Wichtige Fragen zum Thema Kopfschmerzen:

Welche Arten von Kopfschmerz gibt es?

Kopfweh kann in verschiedenen Formen in Erscheinung treten. Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerzen sind nur einige Beispiele.

Wie entstehen Kopfschmerzen?

Die genaue Entstehung von Kopfschmerzen ist noch nicht endgültig geklärt und bedarf weiterer Forschungen.

Welche Ursachen gibt es für Kopfweh?

Zu den denkbaren Auslösern zählen unter anderem Stress, Nackenverspannungen, sportliche Belastungen oder übermäßiger Medikamentengebrauch.

Wann sollten Betroffene mit Kopfschmerzen zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist angeraten, wenn Kopfschmerzen sehr stark und/oder ohne erkennbare Ursache auftreten, über längere Zeit anhalten oder mit Begleitsymptomen wie Übelkeit und/oder Erbrechen einhergehen.

Anzeige

Kopfschmerzen: Unterscheidung primäre und sekundäre Form

Ganz allgemein bezeichnet der Begriff Kopfschmerzen (umgangssprachlich auch Kopfweh) Schmerzempfindungen im Bereich des Kopfes. Experten unterscheiden insgesamt 250 verschiedene Kopfschmerzformen.3 Diese können wiederum in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden: in primäre und sekundäre Kopfschmerzen.

Primäre Kopfschmerzen

Primäre Kopfschmerzen stellen ein eigenständiges Krankheitsbild dar, mit dem Kopfschmerz als Hauptsymptom. Zu den primären Kopfschmerzen gehören zum Beispiel Migräne und Spannungskopfschmerzen. Sie umfassen mehr als 95 Prozent aller Kopfschmerzen und kommen somit deutlich häufiger vor als die sekundäre Form.1

Gut zu wissen

Die Kopfschmerzen können sich in Lokalisation (Stirn-, Hinterkopf- oder Nackenkopfweh), Häufigkeit des Auftretens, Dauer und dem Einhergehen von Begleitsymptomen (wie Lärm- oder Lichtempfindlichkeit) stark unterscheiden.

Sekundäre Kopfschmerzen

Im Gegensatz zu der primären Form rufen bei der Gruppe der sekundären (symptomatischen) Kopfschmerzen andere Erkrankungen wie eine Erkältung oder Nasennebenhöhlenentzündung die Kopfschmerzen als Folge hervor. Auch ernst zu nehmende Leiden wie Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Verletzungen im Kopfbereich stecken möglicherweise hinter sekundären Kopfschmerzleiden.

Daher können beim Verdacht auf eine symptomatische Kopfschmerzerkrankung genauere Untersuchungen zur Diagnosestellung nötig sein. Je nach vermuteter Krankheit bedient sich der Mediziner verschiedener Diagnostikgeräte. Etwa ist eine Untersuchung des Schädels mithilfe einer Magnetresonanz- oder Computertomographie denkbar.

Wie entstehen Kopfschmerzen?

Bei den meisten Formen von Kopfschmerzen ist noch nicht abschließend geklärt, wie es zu den Schmerzen kommt. Das Gehirngewebe selbst hat keine Schmerzrezeptoren – was also passiert im Körper, wenn der Kopf hämmert, brummt und pocht?

Noch am besten erforscht ist die Entstehung der Kopfschmerzen im Spezialfall der Migräne: Auch wenn das Gehirn selbst vollkommen schmerzfrei ist, so spielen die Hirnhäute (welche das Gehirn umgeben) vermutlich doch eine Rolle. Die Hirnhäute und deren Gefäße werden durch den sogenannten Trigeminusnerv versorgt. Entwickelt sich im Bereich der Hirnhäute eine Entzündung, aktiviert das wiederum den Trigeminusnerv. Dieser kann durchaus Schmerzimpulse auslösen, die der Mensch dann womöglich als Kopfschmerz wahrnimmt.4

Wie kommt es zur Entzündungsreaktion?

Mediziner vermuten, dass es im Hirnstamm (zwischen Rückenmark und Großhirn) Regionen gibt, die während einer Migräneattacke aktiviert werden. Dort ausgelöste Impulse erregen die Fasern des vegetativen Nervensystems und vergrößern die Blutgefäße im Bereich der Hirnhäute. Die erweiterten Gefäße sind durchlässiger. Entzündungsfördernde Stoffe können so von den Gefäßen ins umliegende Gewebe gelangen und dort eine Entzündung auslösen.4

Kopfschmerz ist subjektiv

Anzeige

„Du bist zu empfindlich“, „Indianer kennen keinen Schmerz“ – oft treffen Betroffene auf wenig Verständnis für ihre Situation. Manchmal wird ihnen sogar unterstellt, sie würden simulieren und die Kopfschmerzen als Ausrede benutzen. Woran liegt das? Jeder Mensch empfindet Schmerz anders. Was als schmerzhaft wahrgenommen wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Stress, Belastungssituationen am Arbeitsplatz, die allgemeine Stimmungslage, welche Erfahrungen hat der Betroffene in der Vergangenheit mit Schmerz gemacht – all diese Komponenten beeinflussen die Schmerzwahrnehmung.

Hinzu kommt: Für das soziale Umfeld mag es möglicherweise schwer nachzuvollziehen sein, warum die Schmerzen trotz unauffälliger Arztbefunde immer wiederkehren. Doch nur, weil es bei Kopfschmerz keinen offensichtlichen Beweis für die Schmerzen gibt – so wie ein Armbruch auf Röntgenbildern sichtbar gemacht wird oder am Gips zu erkennen ist – heißt das nicht, dass keine Schmerzen bestehen. Lassen Sie sich nicht beirren: Aktives Handeln und Informieren sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung von Kopfschmerz.

Die gängigsten Auslöser für das Alltagsleiden Kopfschmerzen

Kopfweh kann durch unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden. Dazu zählen:

Kopfschmerzen durch Stress

Stress, egal ob durch zwischenmenschliche Konflikte, chronischen Alltagsstress oder ständige Überforderung, fördert Muskelverspannungen. Viele Menschen, die unter Stress stehen, pressen krampfhaft die Lippen aufeinander oder die Zunge gegen den Gaumen, nehmen eine geduckte Körperhaltung an oder ziehen den Kopf ein. Durch die permanente innere Anspannung verkrampfen die Betroffenen und es kommt zu Muskelverspannungen im Kopf- und Rückenbereich.


Ein Teufelskreis

Bei Kopfweh durch Stress finden sich die Betroffenen häufig in einer Spirale wieder: Die auftretenden Schmerzen verstärken das Stressempfinden und damit die Muskelverspannung, der Kopfschmerz nimmt zu, die Muskeln verhärten sich noch mehr. Aus diesem Grund sollten Betroffene in erster Linie versuchen, den Stress zu reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.

Kopfschmerzen durch Nackenverspannung

Eine Frau bekommt Kopfschmerzen durch eine Nackenverspannung

Mit dem Begriff „zervikogener Kopfschmerz“ bezeichnen Mediziner Kopf- und Nackenschmerzen, die durch Veränderungen der Halswirbelsäule oder muskuläre Verspannungen im Hals- und Nackenbereich entstehen. Sie äußern sich vor allem durch einseitige Schmerzattacken.

Aufgrund der Verspannung lässt sich der Kopf nicht mehr so leicht drehen. Die Schmerzen strahlen von der Nackenmuskulatur oder den oberen Halswirbelsegmenten in den Hinterkopf, die Stirn, Schläfe und zum Gesicht aus, denn die Nervenbahnen aus den oberen Halswirbeln sind für die Versorgung dieser Körperregionen mit zuständig.

Der Kauapparat – möglicher Entstehungsherd für Kopfschmerzen

Schmerzen im Kiefer sowie überlastete oder entzündete Kiefergelenke können zu einer verspannten Nackenmuskulatur führen. Auch Zähneknirschen oder ständiges starkes Zusammenbeißen der Zähne sind womöglich für eine angespannte Kau-, Kopf- und Nackenmuskulatur, die zu Kopfschmerzen führt, verantwortlich. Ob der Kopfschmerz von einer Fehlfunktion im Kausystem herrührt, stellt ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde fest.

Beim Sport überanstrengt – Belastungskopfschmerzen als Folge

Belastungskopfschmerzen können sowohl bei Belastungsbeginn, als auch bei Ausbelastung – das ist die subjektiv empfundene körperliche Belastungsgrenze – oder erst nach Belastungsende auftreten. Sie dauern zwischen wenigen Minuten und 24 Stunden.5 Ob und wie stark die Kopfschmerzen bestehen, hängt von der Belastungsart, der Intensität der Anstrengung sowie der Gewöhnung ab. Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit verstärken das Kopfweh unter Umständen zusätzlich. Zudem begünstigt der Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen beim Sport das Auftreten der Kopfschmerzen. Sportler sollten daher immer ausreichend trinken.

Bei bestimmten Sportarten, bei denen sich vorübergehend ein erhöhter Druck im Kopf aufbaut, treten Kopfschmerzen häufiger auf:

  • Aktivitäten mit Pressatmung, zum Beispiel beim Gewichtheben
  • intensive Läufe (Anstrengungskopfschmerz)
  • Tauchen oder Bergsteigen (Höhenkopfschmerz)

Anzeige

Kopfschmerzen: Ursache ungesunder Lebensstil

Aspekte wie

  • zu wenig Schlaf oder Ruhepausen mit Entspannung,
  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • das Rauchen von Zigaretten und/oder
  • ständiger Lärm
  • können sich negativ auf unseren Kopf auswirken und zu Kopfweh führen.
können sich negativ auf unseren Kopf auswirken und zu Kopfweh führen.

Vor allem bei übermäßigem Alkoholkonsum ist bekannt, dass der Kater am nächsten Morgen oftmals mit Kopfschmerzen einhergeht. Obwohl es noch nicht mit absoluter Sicherheit geklärt werden konnte, vermuten Forscher, dass vor allem ein Mangel an Flüssigkeit im Körper – auch Dehydratation genannt – ein Auslöser für alkoholbedingte Kopfschmerzen ist. Zu diesem kommt es, weil der Organismus auf Alkohol unter anderem mit einer vermehrten Flüssigkeitsausscheidung reagiert. Zudem entsteht beim Abbau des Alkohols im Körper das giftige Stoffwechselprodukt Acetaldehyd, welches einen schmerzenden Kopf hervorrufen kann.

Clusterkopfschmerzen: Besondere Auslöser

Bei Clusterkopfschmerzen spielen oft spezielle Trigger (Schlüsselreize, welche Clusterkopfschmerzen auslösen) eine Rolle. Wichtig: Sie sind sehr individuell und nie die eigentliche Ursache von Kopfschmerzen, sondern stoßen diese lediglich an.

Zu den möglichen Triggern zählen:

  • Lebensmittel, wie Bananen, Tomaten, Schokolade oder Joghurt
  • Genussmittel, zum Beispiel Alkohol oder Nikotin
  • Außenreize, unter anderem flackerndes Licht und laute Musik
  • Einnahme von Medikamenten

Kopfschmerz als Folge von Schmerzmitteln

Der Übergebrauchskopfschmerz entsteht, wenn Betroffene übermäßig viele Schmerzmittel (Analgetika) oder Migränemittel (Triptane) einnehmen. In der Praxis wird zwischen der akuten und der chronischen Form unterschieden. Die akute tritt als unerwünschte Nebenwirkung meist unmittelbar oder ein paar Stunden nachdem die Medikamente eingenommen wurden auf.

Ärzte sprechen von einem chronischen Schmerz, sobald das Kopfweh

  • an mindestens 15 Tagen im Monat auftritt und
  • ein regelmäßiger Übergebrauch von einem oder mehreren Medikamenten zur Behandlung akuter Kopfschmerzepisoden über einen Zeitraum von über 3 Monaten besteht.6

Bei der Einnahme von Medikamenten die 10-20-Regel beachten

Schmerzmittel und spezifische Migränemittel sollten maximal an 10 Tagen im Monat zum Einsatz kommen, um Kopfschmerzen durch Medikamenteneinnahme zu verhindern. An mindestens 20 Tagen pro Monat sollte also darauf verzichtet werden.7

Es gibt zwei Hauptfaktoren, die den Übergebrauchskopfschmerz begünstigen:

  • psychische Faktoren
  • ein verändertes Schmerzwahrnehmungssystem

Aus Angst vor den Schmerzen oder davor, das tägliche Arbeitspensum mit Kopfschmerzen nicht bewältigen zu können oder im Umfeld auf Unverständnis zu stoßen, werden immer mehr Medikamente immer häufiger und schneller eingenommen. Mit der Sorge im Hinterkopf, die Schmerzen könnten wieder auftreten, nehmen manche Betroffene die Medikamente vorbeugend ein oder bereits bei den ersten kleinen Anzeichen für Kopfschmerzen.

Die körpereigenen Schmerzregler werden folglich verstellt: Wird die Schmerzmitteldosis ständig erhöht, müssen die Schmerzrezeptoren ihre Empfindlichkeit reduzieren, um sich an die erhöhte Schmerzmittelkonzentration zu gewöhnen und diese verarbeiten zu können. Vereinfacht kann man sagen, die Rezeptoren, die die Schmerzempfindlichkeit im Körper regeln, „stumpfen ab“. Die Folge: Beim Menschen steigt die Schmerzempfindlichkeit. Den nun als stärker empfundenen Schmerzen rücken die Kopfschmerzgeplagten wieder mit Schmerzmitteln zu Leibe und die Schmerzempfindlichkeit erhöht sich erneut – ein Teufelskreis. Was viele nicht wissen: Klingt die Wirkung des Medikaments ab, setzt oft zudem ein Absetzkopfschmerz (ähnlich wie bei einem Entzug) ein. Daher ist es wichtig, dass Betroffene mit Verdacht auf Kopfschmerzen durch übermäßigen Arzneimittelgebrauch, dringend einen Arzt aufsuchen, der ihnen weiterhelfen kann.

Anzeige

Sekundäre Kopfschmerzen: Ursachen auf einen Blick

Kopfschmerzen, die in Folge anderer Krankheiten auftreten, heißen sekundäre Kopfschmerzen. Folgende Auslöser sind beispielsweise möglich:

  • orthopädische Gründe (Schleudertrauma, Wirbelsäulenverkrümmung)
  • HNO (Hals, Nase, Ohren) -Ursachen (Nasennebenhöhlenentzündung, Erkältung)
  • internistische Leiden (hormonelle Störungen, Bluthochdruck, Allergien)
  • neurologische Ursachen (Epilepsie, Hirnhautentzündung)
  • das Auge betreffende Auslöser (Sehstörungen, Sehschwächen)

Bei sekundären Kopfschmerzen sollten Sie die ursprüngliche Krankheit möglichst schnell von einem Arzt behandeln lassen. Denn nur so werden auch die Kopfschmerzen wieder verschwinden.

Mann hat Kopfschmerzen, weil Stress der Auslöser war.

Kopfweh als Warnsignal: Wann müssen Sie zum Arzt?

Sie sollten einen Arzt aufsuchen, wenn der Kopfschmerz beispielsweise:



  • plötzlich, heftig und ohne erkennbaren Grund auftritt
  • nach einer Kopfverletzung zunimmt
  • einen oder mehrere Tage nach einer Gehirnerschütterung Beschwerden bereitet
  • von Übelkeit und/oder Erbrechen begleitet ist
  • mit weiteren Symptomen wie Fieber, einem steifen Nacken, Gelenkschmerzen, starken Nackenschmerzen oder Schüttelfrost einhergeht
  • zusammen mit Sprach- und Konzentrationsstörungen, Sehstörungen oder Hörverlust auftritt

Lassen Sie die Ursachen der Beschwerden abklären. Die Warnsignale können – müssen aber nicht – Ausdruck einer Erkrankung sein. Je eher Sie sich bei einem Arzt untersuchen lassen, desto schneller kann er eine ernsthafte Krankheit ausschließen und Sie gezielt behandeln.

Pauline Zäh
E-Mail schreiben
Medizinvolontärin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!