Kopfweh: Wenn der Schmerz zu Kopf steigt

Kopfschmerzen sind unangenehm, machen mürbe und schränken die Lebensqualität der Betroffenen in allen Bereichen ein: Partnerschaft, Familien- und Arbeitsleben. Innerhalb eines Jahres haben etwa 70 Prozent der Bevölkerung – Frauen häufiger als Männer – mit Kopfweh zu tun.1 Alarmierend sind vor allem die Zahlen bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 27 Jahren. Die Zahl der an Kopfschmerz Leidenden stieg im Zeitraum von 2005 bis 2015 um 42 Prozent.2 Doch woran liegt das? Wie entstehen die Kopfschmerzen?

Was sind Kopfschmerzen?: Zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen unterscheiden

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft hat Kriterien aufgestellt, nach denen Kopfschmerzen in zwei Gruppen eingeteilt werden: in primäre und sekundäre Kopfschmerzen. Bei primären Kopfschmerzen ist der Schmerz selbst das Hauptsymptom. Primärer Kopfschmerz ist eine eigenständige Krankheit und hat keine andere, sekundäre Ursache. Zu den primären Kopfschmerzen gehören zum Beispiel Migräne und Spannungskopfschmerz.

Im Gegensatz dazu rufen bei der Gruppe der sekundären Kopfschmerzen andere Ursachen die Kopfschmerzen als sekundäre Folge hervor. Kopfschmerz kann ein ernst zu nehmendes Symptom einer Erkrankung wie einer Nasennebenhöhlenentzündung oder Stoffwechselstörung sein beziehungsweise bei Bluthochdruck sowie Verletzungen im Kopfbereich auftreten. Die Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft untergliedert neben primären und sekundären Kopfschmerzen auch noch in eine weitere Hauptgruppe: Schmerzen bei Nervenerkrankungen des Kopfes und andere Gesichtsschmerzen.

Primäre Kopfschmerzen in Zahlen


Primäre Kopfschmerzen umfassen mehr als 92 Prozent3 aller Kopfschmerzen.
Die internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) geht insgesamt von über 240 verschiedenen Kopfschmerzarten aus.4

Wie entstehen Kopfschmerzen?

Das Gehirngewebe selbst hat keine Schmerzrezeptoren – was also passiert im Körper, wenn der Kopf hämmert, brummt und pocht? Bei den meisten Formen von Kopfschmerzen ist noch nicht abschließend erforscht, wie die Schmerzen entstehen. Stellen Sie sich Kopfweh als Folge einer komplexen Kettenreaktion vor, die im Körper abläuft: Mediziner vermuten, dass es zwischen Rückenmark und Großhirn, im sogenannten Hirnstamm, Regionen gibt, die während einer Kopfschmerzattacke aktiviert werden. Dort ausgelöste Impulse erregen die Fasern des vegetativen Nervensystems und vergrößern die Blutgefäße im Bereich der Hirnhäute. Die erweiterten Gefäße sind durchlässiger und entzündungsfördernde Stoffe können so von den Gefäßen ins umliegende Gewebe gelangen.

 Die Hirnhäute und die darin verlaufenden Nerven sind mit dem sogenannten Trigeminusnerv verbunden und werden von ihm versorgt, das heißt mithilfe des Trigeminusnervs können Körpervorgänge durch Reizausübung und -wahrnehmung gesteuert werden. Eine in den Gefäßen im Bereich der Hirnhäute entstandene Entzündung wiederum aktiviert den Trigeminusnerv. Letztendlich ist es also dieser Nerv, der Schmerzimpulse zur Hirnrinde schickt, die der Mensch dann wahrnimmt.

Häufige Kopfschmerz-Krankheitsbilder

Die Kopfschmerzen unterscheiden sich in Lokalisation, Häufigkeit, Art, Auftreten von Begleitsymptomen und Dauer.

Kopfschmerz ist subjektiv

„Du bist zu empfindlich“, „Indianer kennen keinen Schmerz“ – oft treffen Betroffene auf wenig Verständnis für ihre Situation. Manchmal wird ihnen sogar unterstellt, sie würden simulieren und die Kopfschmerzen als Ausrede benutzen. Woran liegt das? Jeder Mensch empfindet Schmerz anders. Was als schmerzhaft empfunden wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Stress, Belastungssituationen am Arbeitsplatz, die allgemeine Stimmungslage, welche Erfahrungen hat der Betroffene in der Vergangenheit mit Schmerz gemacht – all diese Komponenten beeinflussen die Schmerzwahrnehmung.

Hinzu kommt: Für das soziale Umfeld mag es möglicherweise schwer nachzuvollziehen sein, warum die Schmerzen trotz unauffälliger Arztbefunde immer wiederkehren. Doch nur, weil es bei Kopfschmerz keinen offensichtlichen Beweis für die Schmerzen gibt – so wie ein Armbruch auf Röntgenbildern sichtbar gemacht wird oder am Gips zu erkennen ist – heißt das nicht, dass die Schmerzen nicht vorhanden sind und die Betroffenen nicht darunter leiden. Lassen Sie sich nicht beirren: Aktive Eigenverantwortung und Information sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung von Kopfschmerz.

Kopfweh als Warnsignal: Wann müssen Sie zum Arzt?

Sie sollten einen Arzt aufsuchen, wenn der Kopfschmerz beispielsweise

  • plötzlich, heftig und ohne erkennbaren Grund, wie er zum Beispiel nach übermäßigen Alkohol- oder Nikotinkonsum gegeben wäre, auftritt.
  • nach einer Kopfverletzung zunimmt.
  • einen oder mehrere Tage nach einer Gehirnerschütterung auftritt.
  • von Übelkeit und/oder Erbrechen begleitet ist.
  • mit Begleiterscheinungen wie Fieber, einem steifen Nacken, Gelenkschmerzen, starken Nackenschmerzen oder Schüttelfrost einhergeht.
  • zusammen mit Sprach- und Konzentrationsstörungen, Sehstörungen oder Hörverlust auftritt.

Lassen Sie die Ursachen der Beschwerden abklären. Die Warnsignale können – müssen aber nicht – Ausdruck einer ernsthaften Erkrankung sein. Je eher Sie sich bei einem Arzt untersuchen lassen, desto schneller kann er nach einer ärztlichen Untersuchung eine ernsthafte oder gar lebensbedrohliche Krankheit ausschließen und Sie rechtzeitig und gezielt behandeln.

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1 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. URL: http://www.dmkg.de/kopfschmerz-onlinebroschuere.html (Juni 2017).
2 Barmer – Arztreport 2017. URL: https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/artztreports/barmer-arztreport-2017-99088 (Juni 2017).
3 Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne, 2016. S.7.
4 Nobis, Hans-Günter [Hrsg.]: Schmerz – eine Herausforderung, 2016. S.22.