Symptome einer Migräne: Durchfall, Übelkeit, Aura und mehr

Ein Migräneanfall kann bis zu vier Stadien durchlaufen, die durch unterschiedliche Symptome charakterisiert sind. Die Schwierigkeit besteht darin, dass nicht nur die unterschiedlichen Arten der Migräne verschiedene Symptome aufweisen. Die Anzeichen einer Migräne können auch bei den einzelnen Patienten abweichen, ja sogar bei einzelnen Migräneanfällen ein und desselben Betroffenen.

Stadien und Symptome eines Migräneanfalls

Bis zu vier Stadien sind während eines Migräneanfalls möglich:

  1. Prodromalphase (auch Ankündigungsphase)
  2. Aura
  3. Migräneattacke, die eigentliche Kopfschmerzphase
  4. Postdromalphase, die Abklingphase

Die Prodromalphase

Ein oder zwei Tage vor der eigentlichen Migräne bemerkt der Migränepatient oftmals Veränderungen und Warnsignale, die eine Migräneattacke ankündigen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Verstopfung
  • Stimmungsschwankungen – von Reizbarkeit über Depression bis hin zu Euphorie
  • Heißhunger nach bestimmten Nahrungsmitteln, wie nach Süßem oder Fettigem
  • Nackensteifheit
  • häufiges Gähnen
  • zunehmender Durst und Harndrang
  • Schwitzen oder Frieren

Eine Migräneattacke kündigt sich bei etwa 30 Prozent der Betroffenen durch körperliche oder psychische Symptome an.1

Die Migräne-Aura als Symptom

Etwa jeder Fünfte Migränepatient hat eine Migräne mit Aura2. Unter einer Aura versteht man Phänomene, die typischerweise vor oder während der eigentlichen Migräneattacke auftreten. Vor allem umfasst sie Sehstörungen, wie Lichtblitze oder sich bewegende Wellen- oder Zickzacklinien, die sich zu Gittern zusammenlagern und auf gekrümmten Bahnen bewegen. Manchmal kann eine Aura auch durch Störungen der Gefühlsempfindung (sensorische Aura), der Bewegung (motorische Aura) oder der Sprache (verbale Aura) charakterisiert sein.

Beispiele für die Symptome einer Migräne-Aura sind:

  • visuelle Phänomene, wie das Sehen von verschiedenen Formen, hellen Flecken oder Lichtblitzen
  • Sehausfälle
  • „Ameisenlaufen“ oder Nadelstiche an Armen und Beinen
  • Schwäche oder Taubheit im Gesicht oder auf einer Körperhälfte
  • Störungen der Sprache
  • Hören von Geräuschen oder Musik
  • unkontrollierbare Zuckungen oder andere Bewegungen

Diese Symptome beginnen normalerweise allmählich, bauen sich über mehrere Minuten hinweg auf und bleiben typischerweise zwischen 5 und 60 Minuten bestehen. Spätestens eine Stunde später setzt normalerweise der Kopfschmerz ein. Es gibt jedoch auch Patienten, die eine Aura haben ohne anschließende migränetypische Kopfschmerzen.

Die Kopfschmerzphase oder eigentliche Migräneattacke

In der Kopfschmerzphase setzt der typische Kopfschmerz ein, der mit einer Reihe von Begleiterscheinungen einhergeht. Während dieser Phase können folgende Symptome auftreten:

  • pulsierender, pochender Kopfschmerz, fast immer einseitig
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht, mitunter auch Geräuschen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • verschwommenes Sehen

Der Migränekopfschmerz ist häufig so stark, dass die Betroffenen die gerade ausgeführte Tätigkeit unterbrechen müssen. Körperliche Anstrengung, Licht, Lärm und auch Stress verschlimmern die Beschwerden.

Die Postdromalphase

Die letzte Phase der Migräne, die sogenannte Postdromalphase, folgt auf die Migräneattacke selbst. Einige Migränepatienten fühlen sich jetzt ausgelaugt und erschöpft, andere erleichtert und euphorisch. Etwa 24 Stunden lang können folgende Symptome auftreten:

  • Verwirrtheit
  • Launenhaftigkeit
  • Schwindel
  • Schwäche
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit

Betrachten wir nun einige typische Symptome eines Migräneanfalls genauer.

Pochender Schmerz

Pochender, pulsierender Schmerz ist das typische Zeichen für Migräne, dabei tritt der Schmerz häufig nur auf einer Seite des Kopfes auf. Oft scheinen die Kopfschmerzen direkt hinter dem Auge zu liegen. Vor allem anfangs ist das Symptom lokalisiert, es breitet sich dann aber weiter aus, zum Teil bis in den Nacken.

Steifer, schmerzender Nacken

Ein charakteristischer Beginn eines Migräneanfalls ist das Gefühl, dass der Nacken steif wird und anschließend Kopf- und Nackenschmerzen auftreten. Laut einer Umfrage der amerikanischen National Headache Foundation haben 38 Prozent der befragten Migränepatienten immer und 31 Prozent häufig Nackenschmerzen im Verlauf einer Migräneattacke.3

Übelkeit und Erbrechen bei Migräne

73 Prozent der Migränepatienten leiden unter Übelkeit und 29 Prozent unter Erbrechen.4 Wie die Studie weiterhin zeigte, haben Migränepatienten, die häufig unter einer migränebedingten Übelkeit leiden, auch stärkere Kopfschmerzen und sprechen allgemein schlechter auf Schmerzmittel an als Patienten ohne begleitende Übelkeit.

Migräne-Sehstörungen

Bestimmte Arten von Migräne, wie die sogenannte Basilarmigräne, sind mit Sehstörungen, wie Unscharfsehen, Doppeltsehen oder Sehverlust verbunden. Die Basilaris-Migräne ist eine besondere und sehr seltene Form der Migräne, die meistens bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsene vorkommt. Die Symptome der Basilaris-Migräne sind äußerst vielfältig. Typisch sind visuelle Aurasymptome vor einem Anfall, daneben können aber auch Schwindelanfälle, Übelkeit und viele andere Symptome vorkommen.

Überempfindlichkeit gegen Licht, Lärm oder Gerüche bei Migräne

Helles Licht, laute Geräusche und bestimmte Gerüche können eine Migräne-Attacke auslösen oder die Schmerzen verschlimmern. Deswegen ziehen sich Migränepatienten während eines Anfalls häufig in dunkle, ruhige Räume zurück und können nicht mehr am Alltagsleben teilhaben.

Gähnen bei Migräne

Gähnen ist ein weiteres Frühzeichen für eine bevorstehende Migräneattacke. Anders als das normale Müdigkeitsgähnen tritt es allerdings viel intensiver und alle paar Minuten auf.

Migräne-Durchfall

Vielen Betroffenen ist nicht bewusst, dass es sich bei Durchfall (Diarrhö) auch um das Symptom einer Migräne oder um eine migräneartige Störung handeln kann. Manche Patienten leiden unter immer wiederkehrenden Migräne-Durchfällen, die regelmäßig zu bestimmten Tages- oder Wochenzeiten auftreten.

Fieber bei Migräne

Viele Patienten fühlen sich während einer einfachen Migräne, also einer Migräne ohne Aura, fiebrig. Tatsächlich kann es vor der eigentlichen Migräneattacke oder zusammen mit ihr zu folgenden Symptomen kommen:

  • Gesichtsröte
  • kalte Arme und/oder Beine
  • Schüttelfrost
  • Schwitzen
  • abwechselnde Kälte- und Hitzeschauer

Diese Migräne-Symptome müssen nicht unbedingt mit Fieber verbunden sein, aber Temperaturerhöhungen bis hin zu hohem Fieber können besonders bei jungen Migränepatienten auftreten.

Taubheit und Kribbeln bei Migräne

Einige Migränepatienten haben eine sensorische Aura. Das bedeutet, sie haben einen vorübergehenden Gefühlsverlust und spüren ein „Ameisenkribbeln“ – typischerweise auf einer Seite des Körpers. Das Gefühl bewegt sich von den Fingerspitzen die Arme hinauf bis ins Gesicht.

Migräne und Sprachstörungen

Auch Sprechschwierigkeiten können ein Zeichen dafür sein, dass eine Migräneattacke im Anflug ist. Betroffene Migränepatienten haben zum Beispiel Probleme, Worte zu finden oder es kommt ihnen so vor, als würden sie „dummes Zeug reden“. Sollten Sie eine solche Sprachstörung bei Migräne zum ersten Mal erleben, ist es empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen, denn dabei könnte es sich auch um die Folgen eines Schlaganfalls handeln.

Migräne und Stimmungsschwankungen

Ein weiteres Symptom bei Migräne sind Stimmungsschwankungen. Einige Migränepatienten fühlen sich plötzlich und grundlos sehr deprimiert oder niedergeschlagen, andere fühlen sich erregt und enthusiastisch.

Schlafstörungen bei Migräne

Viele Migränepatienten leiden unter Einschlafproblemen oder anderen Schlafproblemen – sie fühlen sich nach dem Aufwachen wie gerädert. Tatsächlich zeigen Studien, dass Patienten umso häufigere und heftigere Migräneattacken haben, je größer ihr Schlafmangel ist. Da auch die Migräne selbst zu Schlafproblemen führt, kann sich hier ein regelrechter Teufelskreis ausbilden.

Migräne ohne Kopfschmerzen

Migräneattacken ohne Kopfschmerz kommen gar nicht so selten vor. Die Patienten haben zwar die Symptome einer Aura, aber ohne Kopfschmerzen. In solchen Fällen wird die Migräne häufig nicht richtig diagnostiziert und zum Beispiel für einen Schlaganfall gehalten.

Das Phänomen wurde früher auch „Migraine-sans-migraine“ genannt. Von den circa 20 Prozent der Migränepatienten, die unter einer klassischen Migräne mit Aura leiden, haben etwa 10 Prozent von Zeit zu Zeit solche Auren ohne Kopfschmerzen.5 Experten sprechen von isolierten Auren. Sehr selten haben Migränepatienten ausschließlich isolierte Auren – vor allem Patienten in höherem Alter sind davon betroffen.

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Wie wird Migräne behandelt? >>

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1 Neurologen und Psychiater im Netz. URL: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/vorphase-kann-migraene-attacke-ankuendigen/ (20.09.2017).
2 Pharmazeutische Zeitung online. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=37188 (20.09.2017).
3 National Headache Foundation. URL: http://www.headaches.org/headache-fact-sheets/ (11.08.2017).
4 Ebd.
5 Pharmazeutische Zeitung online. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=37188 (20.09.2017).