Mittel gegen Kopfschmerzen – was hilft zuverlässig gegen Brummen, Ziehen und Stechen im Kopf?

Bahnen sich Kopfschmerzen an, reicht es häufig aus, genug Wasser zu trinken und sich eine kurze Auszeit an der frischen Luft zu gönnen. Vorbeugend bewirken genügend Schlaf, Bewegung, eine gute Körperhaltung sowie ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz manchmal Wunder. Wenn sich allerdings auch mit all diesen Kniffen keine Besserung einstellt, können Mittel gegen Kopfschmerzen die Beschwerden lindern.

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Tipps zur Einnahme

Kopfschmerzen-Medikamente zur akuten Therapie

Es gibt hunderte Kopfschmerz-Tabletten, Brauselösungen und Kapseln auf dem Markt. Doch welches Schmerzmittel wirkt wann? Eine kleine Übersicht wichtiger Wirkstoffe:

  • Acetylsalicylsäure (ASS): Der Wirkstoff kann bei Kopfschmerzen in verschiedenen Darreichungsformen eingenommen werden: als Tablette, Brausetablette oder Granulat. Bei Erwachsenen ist ASS zudem zur Linderung von Erkältungsbeschwerden geeignet. Allerdings darf Acetylsalicylsäure zum Beispiel nicht eingenommen werden, wenn der Patient unter Magen- und Darmgeschwüren leidet oder er verengte Atemwege, Asthma oder Nesselausschlag hat. Da ASS die Blutgerinnung sehr stark beeinträchtigt, sollten Frauen während der Regelblutung und Menschen mit einer Störung der Blutgerinnung darauf verzichten.
    Wirkungsbild: schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend
  • Paracetamol: Wer Probleme mit dem Schlucken von Kopfschmerztabletten hat, kann bei Paracetamol auch auf Saft und Brausetabletten zurückgreifen. Patienten mit Leber- und Nierenerkrankungen sollten die Einnahme vorher mit ihrem Arzt abklären. Nicht eingesetzt werden darf Paracetamol zum Beispiel bei einem Mangel des Enzyms Glukose-6-Phospat-Dehydrogenase, der einer erhöhten Zerstörbarkeit von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) führt und somit eine chronische Blutarmut verursachen kann.
    Wirkungsbild: schmerzlindernd, fiebersenkend
  • Ibuprofen und Naproxen: Ursprünglich wurden Ibuprofen und Naproxen für die Behandlung von Rheuma entwickelt. Durch die ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung können Ibuprofen und Naproxen bei entzündungsbedingten Schmerzen von Muskeln, Knochen und Gelenken sowie bei Erkältungskrankheiten helfen. Die Vorsichtsmaßnahmen bei Ibuprofen und Naproxen ähneln denen der Acetylsalicylsäure.
    Wirkungsbild: schmerzlindernd, entzündungshemmend, fiebersenkend
  • Diclofenac: Bei leichten bis mäßig starken Schmerzen bei Gelenkverschleiß (Arthrose), Migräne, Kopfschmerzen, Regelschmerzen und Fieber kann Diclofenac zum Einsatz kommen. Nicht angewendet werden darf Diclofenac zum Beispiel bei Herzschwäche oder Blutbildungs- und Blutgerinnungsstörungen.
    Wirkungsbild: entzündungshemmend, fiebersenkend, schmerzlindernd

Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac sind keine Mittel gegen Kopfschmerzen im klassischen Sinn: Sie gehören der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) an. Die schmerzlindernde Wirkung tritt ein, da das Enzym Cyclooxygenase (COX) gehemmt und so die Neubildung von Prostaglandinen gebremst wird. Bei ihnen handelt es sich um Botenstoffe, die dazu beitragen, dass der Schmerz ausgelöst wird.

Kopfschmerz-Medikamente zur vorbeugenden Behandlung

Es gibt Medikamente, die Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerzen oder Migräne vorbeugen können.

Spannungskopfschmerzen vorbeugen

Ist der Spannungskopfschmerz bereits chronisch, das heißt, wenn sich der Kopfschmerz zu einem dauerhaften Problem entwickelt hat und es mehr als 180 Kopfschmerztage pro Jahr gibt1, kann eine Langzeitprophylaxe mit Antidepressiva sinnvoll sein. Eingesetzt werden hauptsächlich trizyklische Antidepressiva, die die Wirkstoffe Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin oder Trimipramin beinhalten. Der Arzt verschreibt dem Kopfschmerzpatienten die Antidepressiva in der Regel nicht wegen einer vorhandenen Depression, sondern weil die Medikamente dazu dienen, die körpereigenen Schmerzregulationssysteme in ihrer Funktion zu normalisieren. Bei 60 bis 70 Prozent der behandelten Patienten bessern sich die Beschwerden.2

Das Wirkungsbild der vorbeugenden Behandlung mit Antidepressiva bei chronischem Spannungskopfschmerz wird folgendermaßen beschrieben: Reduktion der Schmerzempfindlichkeit, stimmungsaufhellend und angstlösend.

Prophylaktisch gegen Clusterkopfschmerzen

Zuerst einmal muss unterschieden werden, ob ein gelegentlicher (episodischer) oder chronischer Clusterkopfschmerz vorliegt. In Frage kommen

beim episodischen Clusterkopfschmerz:

  • Verapamil oder Ergotamin (Mittel 1. Wahl)
  • Methysergid, Kortikosteroide oder Lithium (Mittel 2. Wahl)
  • Valproinsäure (Mittel 3. Wahl)

und beim chronischen Clusterkopfschmerz:

  • Verapamil oder Lithium (Mittel 1. Wahl)
  • Kortikosteroide (Mittel 2. Wahl)
  • Methysergid oder Valproinsäure (Mittel 3. Wahl)3

Die Wahl des Wirkstoffes orientiert sich immer an mehreren Faktoren wie der Verträglichkeit, der Dauer der Anwendbarkeit sowie der Handhabbarkeit. Umfassend beraten kann Sie ein auf Clusterkopfschmerz spezialisierter Arzt.

Mit Medikamenten der Migräne vorbeugen

Eine medikamentöse Vorbeugung kommt bei Migräne nur unter besonderen Voraussetzungen infrage. Zum Beispiel dann,

  • wenn die Lebensqualität des Migränikers sehr stark unter den Migräneanfällen leidet oder
  • die bisherigen Medikamente, die während einer akuten Attacke eingenommen werden, schlecht vertragen werden.

Dann gibt es mehrere Medikamente, die zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können. Allen gemein ist die Tatsache, dass sie eigentlich nicht migränespezifisch sind. Das heißt, sie wurden ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelt, bevor man herausgefunden hat, dass sie auch gut gegen Migräne helfen. Beispiele hierfür sind Betablocker wie Metoprolol oder Propranolol und Mittel gegen Epilepsie wie Valproinsäure oder Topiramat.

Sehr individuell: Die medikamentöse Therapie

Welches Mittel gegen Kopfschmerzen bevorzugt wird, hängt von der individuellen Situation des Betroffenen ab. Nicht alle Medikamente wirken bei jedem Menschen gleich. Während ein Betroffener das Medikament beispielsweise gut verträgt, können beim anderen unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Auch Vorerkrankungen der Patienten müssen berücksichtigt werden. Schmerzmittel sind sich also in Ihrer Zusammensetzung und Wirkungsweise nicht so ähnlich, wie es bei einem flüchtigen Blick erscheinen mag. Daher ist der Gang zum Arzt verbunden mit einem Aufklärungsgespräch ratsam.

Medikamenteninduzierten Kopfschmerz vermeiden

Schmerzmittel dürfen nur kurzfristig und auf keinen Fall an mehr als zehn Tagen im Monat eingenommen werden. Klinische Beobachtungen zeigen, dass die in der Akuttherapie eingesetzten Mittel gegen Kopfschmerzen selbst (Dauer-)Kopfschmerzen verursachen können, wenn sie regelmäßig an zwei bis drei Tagen pro Woche eingenommen werden.

Kopfschmerzen: Medikamente richtig einnehmen

Nachfolgend einige Hinweise für die gelegentliche und kurzfristige Behandlung mit Mitteln gegen Kopfschmerzen:

  • das Medikament nicht auf leeren Magen einnehmen, da es sonst die Magenschleimhaut angreifen kann.
  • Schmerzmittel mit ausreichend Wasser einnehmen.
  • Nicht abwarten, bis sich der Schmerz manifestiert hat, sondern die Schmerzmittel direkt nach Eintritt der Kopfschmerzen einnehmen.
  • Dosieren Sie die Schmerzmittel wie ärztlich oder in der Packungsbeilage empfohlen. Eine ausreichend hohe Dosierung hilft besser als zum Beispiel zwei zeitversetzte halbe Mengen. Unterdosierung ist also oft nutzlos, die Überdosierung dagegen schädlich.

Außerdem ist es förderlich, sich Ruhe zu gönnen, um die Kopfschmerz-Medikamente wirken zu lassen.

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1 Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne, Berlin [u.a.], 82016, S. 271.
2 Ebd., S. 411.
3 Auflistung entnommen: Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne, Berlin [u.a.], 82016, S. 361.