Kopfschmerzen: Ursachen für das Brett vorm Kopf

Kopfschmerz ist gleich Kopfschmerz? So einfach ist es nicht. Nach der Internationalen Kopfschmerzklassifikation gibt es insgesamt 367 verschiedene Kopfschmerzformen.1 Davon gelten 302 als sicher bekannt, 65 weitere Kopfschmerzformen werden angenommen, sind aber noch nicht umfassend erforscht.

Sensibler auf Schmerzen reagieren durch Störungen des körpereigenen Schmerzhemmsystems

Damit der Mensch Schmerzen wahrnehmen kann, verfügt er über ein „Meldesystem“. Die Schmerzmelder werden medizinisch Nozizeptoren genannt. Bei Schmerzen führen chemische Mechanismen dazu, dass die Gefäße überdehnt werden und die Nozizeptoren, die in den Gefäßwänden sind, verstärkt auf Schmerz ansprechen.

Bei jedem Menschen ist das Schmerzhemmsystem individuell und situationsabhängig unterschiedlich stark aktiv.

Es besteht aus

  • Teilen des Gehirns,
  • den Nervenbahnen im Rückenmark,
  • und den dazugehörigen Botenstoffen.

Im Rückenmark wird reguliert, wie viele körpereigene schmerzhemmende Stoffe ausgeschüttet werden. Zusätzlich wird im Gehirn die Bildung von schmerzhemmenden Stoffen wie zum Beispiel Serotonin angeregt und kann so kontrollierend auf die Schmerzverarbeitung einwirken. Muskelverspannungen und veränderte Botenstoffmengen im Blut und Hirnwasser beeinträchtigen das schmerzabwehrende System. Unklar ist, ob diese Vorgänge Ursache oder Folge der Kopfschmerzen sind. Sicher ist, dass Störungen im System eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit hervorrufen.

Schmerzempfindung im Gehirn

Unser Gehirn reguliert selbstständig, wie viele Schmerzinformationen es verarbeitet und wie viele Impulse davon bewusst wahrgenommen werden. Die Schmerzfilter im Hirnstamm arbeiten dabei nicht mechanisch, sondern steuern die Schmerzinformation der Nerven über elektrische und chemische Mechanismen. Kopfweh entsteht, wenn die Schmerzinformationen zeitweise ungesteuert in das Gehirn einströmen.

Was sind die gängigsten Auslöser für das Alltagsleiden Kopfschmerzen?

Kopfschmerzen durch Stress
Kopfschmerzen durch Nackenverspannung
Der Kauapparat – dentogene Ursachen
Belastungskopfschmerzen durch Überanstrengung
Lebensstil: Alkohol, Schlafmangel, Nikotin
Kopfschmerzen durch übermäßige Medikamenteneinnahme
Weitere Auslöser für Kopfschmerzen

Kopfschmerzen durch Stress

Stress, egal ob durch zwischenmenschliche Konflikte, chronischen Alltagsstress oder ständige Überforderung, fördert Muskelverspannungen. Viele Menschen, die unter Stress stehen, pressen krampfhaft die Lippen aufeinander oder die Zunge gegen den Gaumen, nehmen eine geduckte Körperhaltung an oder ziehen den Kopf ein. Durch die permanente innere Anspannung verkrampfen die Betroffenen, es kommt Muskelverspannungen im Kopf- und Rückenbereich. Bei Kopfschmerzen durch Stress finden sich die Betroffenen häufig in einer Spirale des Schmerzes wieder: Die auftretenden Schmerzen verstärken das Stressempfinden und damit die Muskelverspannung, der Kopfschmerz nimmt zu, die Muskeln verhärten sich noch mehr…

Kopfschmerzen durch Nackenverspannung

Mit dem Ausdruck „zervikogener Kopfschmerz“ bezeichnen Mediziner Kopf- und Nackenschmerzen, die durch Veränderungen der Halswirbelsäule oder muskuläre Verspannungen im Hals- und Nackenbereich entstehen. Durch die Verspannung lässt sich der Kopf nicht mehr so leicht drehen. Die Schmerzen strahlen von der Nackenmuskulatur oder den oberen Halswirbelsegmenten in den Hinterkopf, die Stirn, Schläfe und zum Gesicht aus, denn die Nervenbahnen aus den oberen Halswirbeln versorgen diese Körperregionen mit.

Der Kauapparat – möglicher Entstehungsherd für Kopfschmerzen

Schmerzen im Kiefer sowie überlastete oder entzündete Kiefergelenke können zu einer verspannten Nackenmuskulatur führen. Zähneknirschen, ständiges starkes Zusammenbeißen der Zähne oder das Pressen der Zunge gegen den Gaumen – auch diese Funktionsstörungen können für eine angespannte Kau-, Kopf- und Nackenmuskulatur, die zu Kopfschmerzen führt, verantwortlich sein. Ob der Kopfschmerz von einer Fehlfunktion im Kausystem herrührt, stellt ein Zahnarzt fest.

Beim Sport überanstrengt – Belastungskopfschmerzen als Folge

Belastungskopfschmerzen können sowohl bei Belastungsbeginn, als auch bei Ausbelastung – das ist die subjektiv empfundene körperliche Belastungsgrenze – oder erst nach Belastungsende auftreten. Sie dauern zwischen wenigen Minuten und 24 Stunden. Ob und wie stark die Kopfschmerzen auftreten, hängt von der Belastungsart, der Intensität der Anstrengung sowie der Gewöhnung ab. Wer Sport macht, schwitzt. Der Flüssigkeitsverlust begünstigt zusätzlich das Entstehen von Kopfschmerzen.

Bestimmte Sportarten, bei denen sich vorübergehend ein erhöhter Druck im Kopf aufbaut, begünstigen belastungsbedingte Kopfschmerzen:

  • Aktivitäten mit Pressatmung (zum Beispiel beim Gewichtheben)
  • intensive Läufe (Anstrengungskopfschmerz)
  • Tauchen oder Bergsteigen (Höhenkopfschmerz)

Zu den Belastungskopfschmerzen gehören auch die Schmerzen, die nach Unfällen des Kopfes und der Halswirbelsäule entstehen. Mediziner sprechen von einem posttraumatischen Kopfschmerz.

Kopfschmerzen: Ursache ungesunder Lebensstil

Botenstoffe wie Serotonin beeinflussen die physiologischen Abläufe im Körper. Im zentralen Nervensystem ist Serotonin zudem an der Schmerzempfindung beteiligt. Wird der Organismus bestimmten Belastungen ausgesetzt, kann es dazu kommen, dass die Nervenbotenstoffe im Gehirn zu schnell verbraucht werden, da die Schmerzinformationen aus den Muskeln ständig reguliert werden müssen. Das ist zum Beispiel bei Kopfschmerzen durch Nackenverspannung der Fall, die durch einseitige Körperbewegungen und ungünstige Arbeitspositionen – zum Beispiel beim Arbeiten vor dem PC – entstehen können.

Auch Aspekte wie

  • zu wenig Schlaf oder Ruhepausen mit Entspannung,
  • Alkohol,
  • Nikotin und
  • Lärm

können sich negativ auf den „Botenstoff-Vorrat“ und dessen Nachproduktion auswirken.

Kopfschmerz als Folge von Schmerzmitteln

Der medikamenteninduzierte Kopfschmerz (MIKS) entsteht, wenn Betroffene übermäßig viele Schmerzmittel (Analgetika) oder Migränemittel (Triptane) einnehmen. In der Praxis wird zwischen der akuten und der chronischen Form unterschieden. Die akute tritt als unerwünschte Nebenwirkung meist unmittelbar oder ein paar Stunden nachdem die Medikamente eingenommen wurden auf. Ärzte sprechen von einem chronischen MIKS, sobald der Schmerz an mindestens 15 Tagen im Monat auftritt und manchmal sogar von Übelkeit und Erbrechen begleitet wird.

Bei der Einnahme von Medikamenten die 10-20-Regel beachten

Schmerzmittel und spezifische Migränemittel sollten maximal an 10 Tagen zum Einsatz kommen. An mindestens 20 Tagen pro Monat sollte also darauf verzichtet werden. Bei der 10-20-Regel gilt: Nicht die an den maximal 10 Tagen pro Monat eingenommenen Tabletten werden gezählt, sondern die jeweiligen Einnahmetage, unabhängig von der eingenommenen Menge.

Es gibt zwei Hauptfaktoren, die den medikamenteninduzierten Kopfschmerz begünstigen:

  • psychische Faktoren
  • ein verändertes Schmerzwahrnehmungssystem

Aus Angst vor den Schmerzen oder davor, das tägliche Arbeitspensum mit Kopfschmerzen nicht bewältigen zu können oder im Umfeld auf Unverständnis zu stoßen, werden immer mehr Medikamente immer häufiger und schneller eingenommen. Mit der Sorge im Hinterkopf, die Schmerzen könnten wieder auftreten, nehmen manche Betroffene die Medikamente vorbeugend ein oder bereits bei den ersten kleinen Anzeichen für Kopfschmerzen. Die körpereigenen Schmerzregler werden verstellt: Wird die Schmerzmitteldosis ständig erhöht, müssen die Schmerzrezeptoren ihre Empfindlichkeit reduzieren, um sich an die erhöhte Schmerzmittelkonzentration gewöhnen und diese verarbeiten zu können. Vereinfacht kann man sagen, die Rezeptoren, die die Schmerzempfindlichkeit im Körper regeln, „stumpfen ab“. Die Folge: Beim Menschen steigt die Schmerzempfindlichkeit. Den nun als stärker empfundenen Schmerzen rücken die Kopfschmerzgeplagten wieder mit Schmerzmitteln zu Leibe und die Schmerzempfindlichkeit erhöht sich erneut – ein Teufelskreis. Was viele nicht wissen: Klingt die Wirkung des Medikaments ab, setzt in diesem Fall zudem ein Absetzkopfschmerz ein.

Sekundäre Kopfschmerzen: Ursachen auf einen Blick

Kopfschmerzen, die in Folge anderer Krankheiten auftreten, heißen sekundäre Kopfschmerzen. Folgende Ursachen sind beispielsweise möglich:

  • orthopädische Ursachen (Schleudertrauma, Wirbelsäulenverkrümmung)
  • HNO-Ursachen (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • internistische Ursachen (hormonelle Störungen, Bluthochdruck, Allergien)
  • neurologische Ursachen (Epilepsie, Hirnhautentzündung)
  • das Auge betreffende Ursachen (Sehstörungen)

Sekundäre Kopfschmerzen machen mit circa fünf Prozent nur einen kleinen Teil der Kopfschmerzerkrankungen aus.2 Trotzdem sollten Sie nicht über diese hinwegsehen, sondern die Ursachen von einem Arzt möglichst schnell behandeln lassen.

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1 Göbel, Hartmut: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne, 8. Aufl., 2016, S. 6.
2 Bartlick, Holger: Kopfschmerzen & Migräne, 2014, ISBN 978-3-99052-076-5, S. 9.