Der Tag danach: Wie entsteht ein Kater?

Haben Sie schon einmal etwas vom Alkoholischen Post-Intoxikations-Syndrom gehört? Der Volksmund bringt die medizinische Fachbezeichnung mit einem wesentlich kürzeren Wort auf den Punkt: Kater. Obwohl der Kater bereits im Alten Testament und in der griechischen Mythologie beschrieben wird, sind die Ursachen bis heute noch nicht abschließend geklärt.

Was ist ein Kater?

Ein Kater ist keine Krankheit im herkömmlichen Sinn. Beschreiben lässt sich ein Kater mit einem allgemeinen Unwohlsein oder einer Befindlichkeitsstörung, die nach zu viel Alkoholgenuss auftritt. Wer am Morgen nach einer durchzechten Nacht verkatert aufwacht, hat mindestens einen Tag lang mit den Nachwehen zu kämpfen und ist in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt.


Der Kater – die Hauptsymptome:

  • Kopfschmerz
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Zittern
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Krankheitsgefühl
  • Übelkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • vermehrter Durst

Bei circa zwei Dritteln der Betroffenen sind die beiden Symptome Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen nach dem Alkoholkonsum am stärksten ausgeprägt.

Wie entsteht ein Kater eigentlich?

Genau genommen ist es nicht der Alkohol, der den Kater hervorruft, sondern die Stoffwechselprodukte, die sich bilden, wenn der Alkohol in der Leber abgebaut wird. Das Leberenzym Alkohol-Dehydrogenase (ADH) wandelt das Ethanol (umgangssprachlich: Trinkalkohol) in den giftigen Stoff Acetaldehyd um, der so schnell es geht wieder abgebaut werden muss. Dafür ist ein weiteres Enzym zuständig, die Aldehyd-Dehydrogenase (AIDH). Sie wandelt Acetaldehyd zu ungiftiger Essigsäure um, die dann zur Blase weitergeleitet wird. Ein ziemlich mühsamer und für den Körper anstrengender Prozess.

Was aber hat nun der Stoff Acetaldehyd mit Kopfschmerzen zu tun? Ganz einfach: Der Stoff verengt die Blutgefäße – einer der Gründe für die typischen Kater-Kopfschmerzen. Zum Glück gibt es neben dem Enzym Aldehyd-Dehydrogenase ein weiteres helfendes Enzym, das die bei Alkoholkonsum entstehenden schädlichen Stoffwechselprodukte in harmlose Verbindungen umwandelt: die UDP-Glukuronosyltransferase. Bewegung sorgt für eine vermehrte Bildung dieses Enzyms.

Kopfschmerzen nach Alkohol – die Ursachen

Es gibt tatsächlich einen eigenen Forschungszweig, der sich mit dem Kater, seiner Entstehung und den folgenden Beschwerden befasst: die Crupologie. Doch noch immer sind die genauen Ursachen, die zu einem Kater und Kopfschmerzen nach Alkohol führen, nicht abschließend geklärt.

Alkohol entzieht Wasser

Alkohol hemmt die Ausschüttung des Hormons Vasopressin. Das Hormon fördert und reguliert eigentlich die Rückresorption (Aufnahme) von Wasser in der Niere. Wird nicht genügend Vasopressin produziert, scheiden die Nieren zu viel Wasser aus, was sich durch häufiges Wasserlassen bemerkbar macht. Hinzu kommt, dass Betroffene bei ausgiebigem Alkoholgenuss und Kater zu Schwitzen, Erbrechen und Durchfall neigen. All das entzieht dem Körper zusätzlich Wasser. Doch bei den häufigen Gängen zur Toilette geht nicht nur Wasser verloren: Mit dem Urin werden essenzielle Mineralien und Elektrolyte wie Kalzium, Natrium und Kalium herausgeschwemmt, die wichtig sind

  • für die Funktionsweise der Körperzellen und
  • die Reizweiterleitung des Nervensystems.

Der Körper reagiert auf den Wasser- und Elektrolytmangel mit Kopfschmerzen, Kraftlosigkeit, trockenen Schleimhäuten, Durst, Schwindel oder Benommenheit.

Begleitalkohole („Fuselalkohole“)

Bei der alkoholischen Gärung entstehen neben Ethanol auch Begleitalkohole wie Propanol, Butanol und Methanol. Diese Gärungsnebenprodukte sind für das Aroma und den Geschmack des alkoholischen Getränks wichtig. Geht es an den Alkoholabbau, widmet sich der Körper zuerst dem Ethanol. Die Begleitalkohole (also „die schlechteren Alkohole“) verweilen länger im Körper – und bei ihrem Abbau entsteht Formaldehyd, ein Zellgift. Der Körper reagiert mit Kopfschmerzen, Erschöpfungszuständen und Übelkeit.

  • Schwächer fällt der Kater aus, wenn Alkohol getrunken wird, der eine geringere Konzentration an Begleitalkoholen aufweist, wie es zum Beispiel bei Wodka oder Gin der Fall ist.
  • Stärker fällt der Kater bei Likören, Whiskey, Brandy oder schweren Rotweinen aus. Hier ist die Konzentration an Begleitalkoholen höher.

Ob es zum Kater kommt, hängt also nicht nur von der getrunkenen Menge ab, sondern auch davon, was Sie trinken.

Wird der Katerkopfschmerz noch einmal unterschieden?

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft definiert zwei Untergruppen von Kopfschmerzen nach Alkohol:

  sofortiger Kopfschmerz induziert durch Alkohol zeitverzögerter Kopfschmerz induziert durch Alkohol
Kopfschmerzbeginn innerhalb von 3 Stunden nach Alkoholaufnahme innerhalb von 5 – 12 Stunden nach Alkoholaufnahme
Kopfschmerzende innerhalb von 72 Stunden nach Alkoholkonsum spätestens nach von 72 Stunden
Kopfschmerzmerkmale beidseitig, pulsierend, körperliche Aktivität verstärkt die Kopfschmerzen beidseitig, pulsierend, körperliche Aktivität und körperliche Routinearbeiten verstärken die Kopfschmerzen

Wie viel Alkohol notwendig ist, um einen Kater zu provozieren, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Bei Migränepatienten reichen jedoch bereits kleine Mengen aus.

Ein kleiner Exkurs – wie entstand der Begriff „Kater“?

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für die Frage, warum ausgerechnet das Wort „Kater“ die Auswirkungen eines feuchtfröhlichen Abends beschreibt. Eine Vermutung ist die Nähe zum Wort „Katarrh“, das volkstümlich einen Symptomkomplex beschreibt, der Kopfschmerzen, Unwohlsein und Krankheitsgefühl umfasst. Möglicherweise steht die Wortentstehung von „Kater“ aber auch in Zusammenhang mit dem Wort „Katzenjammer“ – schließlich ist es doch ein recht jämmerliches Gefühl, das sich am nächsten Morgen nach zu vielen geleerten Flaschen Bier oder Wein einstellt.

Kopfschmerzen nach Alkohol – ein Fall für den Arzt?

Mit einem Kater muss man in der Regel nicht zum Arzt. Problematisch wird es jedoch, wenn der Betroffene droht, in eine Alkoholabhängigkeit zu schlittern und daher sehr oft unter einem Kater leidet. Alkohol kann sowohl innere Organe als auch das Gehirn irreversibel schädigen und die Lebenserwartung mindern.

Ansonsten gibt es einige Hausmittel – auch wenn deren Wirkung nicht wissenschaftlich bewiesen ist –, mit denen sich Katerschmerzen behandeln lassen, wie zum Beispiel ein Katerfrühstück mit Salzhering und Salzgurken. Auch viel alkoholfreie Flüssigkeit oder Medikamente mit den Inhaltsstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, den Kater so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

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