Endometriose – alles Wichtige auf einen Blick
- Ursachen: Nicht vollständig geklärt – diskutiert werden u. a. retrograde Menstruation, genetische Faktoren, hormonelle Einflüsse und Umweltfaktoren
- Symptome: Krampfartige Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen und verminderte Lebensqualität
- Diagnose: Anamnese, gynäkologische Untersuchung, Ultraschall, ggf. Bauchspiegelung (Laparoskopie) und ergänzende bildgebende Verfahren oder Bluttests
- Behandlung: Kombination aus Schmerzmitteln, hormoneller Therapie, operativen Eingriffen und alternativen Maßnahmen wie Ernährung, Bewegung oder Akupunktur
- Auswirkungen: Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, chronische Schmerzen, psychische Belastungen, erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Autoimmunerkrankungen
- Häufig gestellte Fragen
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine chronisch verlaufende Erkrankung bei Frauen, bei der sich die Gebärmutterschleimhaut unkontrolliert vermehrt. Das Gewebe siedelt sich vor allem im Bauch- und Beckenbereich an, beispielsweise:
- Eierstöcke
- Eileiter
- Bauchfell
Prinzipiell kann Endometriose überall auftreten. Manchmal siedeln sich die Herde in anderen Bereichen des Bauchraums an, etwa im Darm oder in der Blase. In seltenen Fällen können sogar gebärmutterferne Organe wie die Lunge betroffen sein.
Die Endometriose-Herde wachsen während des Monatszyklus mit der Gebärmutterschleimhaut. Damit können – je nach Lokalisation der Gewebswucherung – verschiedene Beschwerden wie krampfartige Unterleibsschmerzen einhergehen.
Wie häufig tritt Endometriose auf?
Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen bei Mädchen und Frauen: Laut einer Studie gab es im Jahr 2022 fast 340.000 Frauen in Deutschland, bei denen Endometriose diagnostiziert wurde.1
Obwohl in den letzten Jahren mehr Diagnosen gestellt wurden, liegt die tatsächliche Zahl der betroffenen Frauen Schätzungen zufolge noch deutlich höher. Wahrscheinlich führt die häufige Bagatellisierung von Menstruationsbeschwerden dazu, dass die Diagnose oft verzögert gestellt wird.
Was sind die Auslöser einer Endometriose?
Die genaue Ursache von Endometriose ist noch nicht vollständig geklärt.2 Es gibt jedoch mehrere wissenschaftliche Theorien und Risikofaktoren, die diskutiert werden.
Zu den Theorien zur Entstehung gehören:
- Retrograde Menstruation: Dabei gelangt Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation über die Eileiter in den Bauchraum, anstatt mit dem Blut ausgeschieden zu werden.
- Metaplasie-Theorie: Hier wird angenommen, dass sich Zellen außerhalb der Gebärmutter spontan in endometriumähnliche Zellen umwandeln können, auch aufgrund embryonaler Restzellen.
Weitere mögliche Mechanismen sind das Verschleppen von Zellen durch Blut- oder Lymphgefäße zu anderen Körperstellen, strukturelle Abweichungen oder Operationen im Bereich der Gebärmutter.
Mögliche Einflussfaktoren sind:
- genetische Faktoren: Endometriose tritt häufiger bei Frauen mit familiärer Vorbelastung auf. Beispielsweise haben Mädchen, deren Mütter unter Endometriose litten, ein 6-mal höheres Risiko selbst daran zu erkranken.2
- hormonelle Einflüsse: Besonders das Sexualhormon Östrogen wird in Zusammenhang mit der Entwicklung der Krankheit gebracht.
- immunologische Störungen: Ein gestörtes Immunsystem verhindert möglicherweise, dass sich Gewebe am „falschen Ort“ wieder abbaut.
- Umweltfaktoren: Beispielsweise werden Schadstoffe oder endokrine Disruptoren (körperfremde chemische Substanzen, die das Hormonsystem stören) als mitverantwortlich diskutiert.
Je mehr Regelblutungen eine Frau erlebt, desto höher scheint das Risiko für Endometriose zu sein – etwa bei einem frühen Beginn der Periode, einer langen Zeitspanne bis zur Menopause (letzte Menstruation), wenigen Schwangerschaften oder kurzen Stillzeiten.3
Lässt sich einer Endometriose vorbeugen?
Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand lässt sich einer Endometriose nicht direkt vorbeugen, da die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Es gibt zwar Studien, die Präventionsmaßnahmen untersuchen, allerdings sind diese noch unzureichend.
Was sind die Symptome von Endometriose?
Die Symptome einer Endometriose sind sehr vielfältig und können von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Mögliche Symptome sind:
- krampfartige Schmerzen im Unterleib, vor allem während der Menstruation
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen (bei Bildung von Endometriose-Herden in Blase oder Darm)
- Schmerzen, die in Rücken und die Beine ausstrahlen
- Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung (als mögliche Begleitsymptome)
- eingeschränkte Lebensqualität aufgrund der starken Schmerzen und ihrer Häufigkeit
Aha!
Das Beschwerdebild kann individuell sehr unterschiedlich sein, und die Größe der Endometrioseherde korreliert nicht unbedingt mit der Schmerzintensität. Viele Frauen leiden unter erheblichen Beschwerden, obwohl die Herde klein sind, und umgekehrt.
Diagnose: Wie wird Endometriose festgestellt?
Da die Erkrankung oft schwer zu erkennen ist, erfolgt die Diagnose meist in mehreren Schritten: Zunächst führt der Frauenarzt mit der Patientin ein ausführliches Gespräch (Anamnese), um die Beschwerden genau zu erfassen. Dabei werden unter anderem folgende Fragen geklärt:
- Seit wann bestehen die Schmerzen?
- Wie stark sind sie?
- Wo genau treten sie auf?
- Unter welchen Umständen verschlimmern sie sich (z.B. während der Menstruation)?
Im nächsten Schritt erfolgt eine allgemeine gynäkologische Untersuchung, die eine Sicht- und Tastuntersuchung beinhaltet. Zusätzlich kann ein Ultraschall durchgeführt werden. In einigen Fällen reichen diese Untersuchungen bereits aus, um eine Verdachtsdiagnose zu stellen.
Ist dies nicht der Fall, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig sein. Dabei wird unter Vollnarkose ein Endoskop in den Bauchraum eingeführt, um die Endometriose-Herde direkt zu erkennen. Oft können die Herde dabei gleich entfernt oder Gewebeproben zur weiteren Diagnostik entnommen werden.
Gut zu wissen!
Die Bauchspiegelung ist eine gute Methode, um eine Endometriose festzustellen. Allerdings kann sie diese nicht sicher ausschließen, da sich im Bauchraum womöglich kleinere Endometriose-Herde verstecken.
Je nach Stärke der Beschwerden und bisherigen Untersuchungsergebnissen kann es sinnvoll sein, zusätzliche Tests durchzuführen.
- Ultraschall, um Nieren, Blase oder Darm auf Endometriose-Herde zu kontrollieren
- Magnetresonanztomografie (MRT), um Endometriose-Herde sichtbar zu machen und einen möglichen Eingriff besser zu planen
- Bluttest auf den Wert CA-125 (Glykoprotein), der bei einigen Frauen mit Endometriose erhöht sein kann
Wie wird Endometriose behandelt?
Endometriose gilt derzeit nicht als heilbar, da keine Behandlung existiert, die die Erkrankung vollständig und dauerhaft beseitigen kann. Daher konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität.
Mögliche Ansätze, die je nach Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Symptomen zum Einsatz kommen, sind:
Übrigens: Wenn eine Frau keine Beschwerden hat und keinen Kinderwunsch hegt, ist in der Regel keine Behandlung erforderlich.
Medikamente bei Endometriose-Schmerzen
Die medikamentöse Behandlung von Endometriose konzentriert sich vor allem darauf, die Symptome zu lindern und das Wachstum des Endometriose-Gewebes zu hemmen.
Häufig eingesetzte Medikamente sind:
- Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz kommen.
- Hormonelle Therapie: Mithilfe sogenannter GnRH-Analoga wird das Wachstum der Endometriose-Herde gehemmt bzw. verkleinert. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie frühzeitiger Wechseljahresbeschwerden, ist die Einnahme dieser Medikamente meist zeitlich begrenzt. Alternativ kommen Gestagene oder die Antibabypille zum Einsatz, um das Wachstum des Endometriose-Gewebes zu stoppen.4
Die Wahl der Behandlungsmethode hängt zum einen davon ab, ob die betroffene Frau noch Kinder bekommen möchte, da einige Therapien die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Zum anderen spielt die Lage und Größe der Endometriose eine wichtige Rolle bei der Entscheidung.
Chirurgischer Eingriff bei Endometriose
In einigen Fällen kann eine chirurgische Behandlung notwendig sein, beispielsweise bei
- akuten oder chronischen Schmerzen, die durch andere Therapien nicht ausreichend gelindert werden können
- Funktionsstörungen betroffener Organe, wenn Endometriose-Herde Darm, Blase oder Harnleiter befallen und Beschwerden verursachen
- unerfülltem Kinderwunsch, bei dem die Entfernung der Gewebswucherungen die Fruchtbarkeit verbessern kann
Die bevorzugte Operationsmethode ist die minimalinvasive Bauchspiegelung (Laparoskopie), bei komplexen Fällen kann auch ein Bauchschnitt (Laparotomie) notwendig sein.
Alternative Therapieansätze bei Endometriose
Neben der schulmedizinischen Behandlung gibt es auch verschiedene alternative und unterstützende Therapien, die zur Linderung der Symptome beitragen können. Dazu gehören:
- Akupunktur: Diese Therapie hat sich als hilfreich erwiesen, um Schmerzen zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.
- Bewegung: Ob Yoga, Spazierengehen oder Beckenbodengymnastik – regelmäßige Bewegung kann helfen, Symptome wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zu lindern.5
- Ernährungsanpassungen: Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung kann die Symptome der Endometriose lindern. Manche Frauen berichten von einer Verbesserung durch eine glutenfreie oder zuckerreduzierte Diät.
Langzeitfolgen: Was passiert, wenn Endometriose unbehandelt bleibt?
Endometriose kann weit über die akuten Symptome hinaus langfristige Auswirkungen auf das Leben einer betroffenen Frau haben. Darunter:
Kinderwunsch: Wie Endometriose die Fruchtbarkeit beeinflusst
Ein weiteres langfristiges Problem von Endometriose betrifft die Fruchtbarkeit:
- Bei etwa 30-50 % der Frauen mit Endometriose tritt eine Fruchtbarkeitsstörung auf.6
- Durch Verwachsungen und Schäden an den Fortpflanzungsorganen können die Chancen, schwanger zu werden, erheblich gesenkt werden.
In solchen Fällen können unter anderem die folgenden Maßnahmen zu einer höheren Fruchtbarkeit und dadurch einer potenziellen Schwangerschaft beitragen:
- chirurgische Eingriffe zur Entfernung von Endometriose-Herden
- Fruchtbarkeitsbehandlungen wie In-vitro-Fertilisation (IVF)
Chronische Schmerzen und Lebensqualität
Ein häufiges Langzeitproblem bei Endometriose sind die chronischen Schmerzen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.
Typische Merkmale chronischer Endometriose-Schmerzen:
- Die Schmerzen können sich vom Unterleib auf Rücken, Hüften und Oberschenkel ausbreiten.
- Sie werden häufig als krampfartig oder stechend beschrieben.
- Alltägliche Aktivitäten wie Sport, Sexualität oder sogar einfaches Sitzen können die Beschwerden verstärken.
- Viele betroffene Frauen leiden über Jahre hinweg unter diesen Symptomen.
- Die Endometriose-Herde können in den Fortpflanzungsorganen oder anderen Körperbereichen verwachsen und Entzündungen verursachen, die dauerhafte Beschwerden hervorrufen.
Psychologische Auswirkungen: Depression, Angstzustände, stressbedingte Probleme
Die psychische Belastung von Endometriose ist nicht zu unterschätzen. Die Unvorhersehbarkeit der Symptome sowie die starken Schmerzen führen häufig zu einem Gefühl der Hilflosigkeit.
Mögliche psychische Folgen bei Endometriose:
- Depressionen und Angstzustände aufgrund der langanhaltenden Beschwerden
- Stress durch den Umgang mit Schmerzen, Behandlungen und möglicher Unfruchtbarkeit
- Gefühle von Isolation und Unverständnis, da das Umfeld die Belastung häufig nicht nachvollziehen kann
Erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen
Endometriose kann nicht nur die Fortpflanzungsorgane betreffen, sondern auch das Risiko für andere gesundheitliche Probleme erhöhen. Unter anderem stehen diese (Begleit-) Krankheiten in Zusammenhang damit:7
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose
- Darm- und Harnwegserkrankungen (aufgrund von Endometrioseherden in den betroffenen Organen)
- chronische Krankheiten wie entzündliche Darmerkrankungen
- Ovarialkrebs (Eierstockkrebs)8
Endometriose und das Risiko für Schlaganfälleix
Eine Langzeitstudie zeigt: Frauen mit Endometriose haben ein um 34 % erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
Die Hauptfaktoren dieses erhöhten Risikos:
- Gebärmutter- und/oder Eierstockentfernung (39 %)
- Hormontherapie (16 %)
Häufig gestellte Fragen zu Endometriose
Die Diagnose beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch beim Frauenarzt und einer gynäkologischen Untersuchung. Ergänzend kommen Ultraschall oder bildgebende Verfahren wie MRT zum Einsatz. Eine weitestgehend sichere Diagnose ist oft nur durch eine Bauchspiegelung möglich, bei der Endometriose-Herde direkt sichtbar gemacht werden.
Typisch sind krampfartige Unterleibsschmerzen, vor allem während der Menstruation. Weitere Beschwerden können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Stuhlgang oder Wasserlassen sowie Magen-Darm-Probleme und Rückenschmerzen sein. Viele Frauen berichten zudem über eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität, auch durch psychische Belastungen.
Ein erhöhtes Risiko haben Frauen mit familiärer Vorbelastung, etwa wenn bereits die Mutter betroffen ist. Auch hormonelle Einflüsse – insbesondere ein hoher Östrogenspiegel –, ein gestörtes Immunsystem oder bestimmte Umweltfaktoren (wie hormonähnlich wirkende Schadstoffe) können die Entstehung begünstigen. Zudem gilt eine hohe Anzahl an absoluten Menstruationstagen (etwa durch eine frühe erste oder späte letzte Regelblutung) als ein Risikofaktor.
Die Ursachen sind noch nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie ist die retrograde Menstruation, bei der Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum gelangt. Dagegen behauptet die Metaplasie-Theorie, dass sich Zellen außerhalb der Gebärmutter in gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe umwandeln können.