Wenn das Thermometer über 38 Grad klettert: Fieber bei Kindern

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen – der klassischen Erkältungstrilogie schließt sich insbesondere bei Kindern häufig noch ein ungeladener Gast namens Fieber an. Erhöhte Temperatur bei Kindern tritt zumeist als Begleiterscheinung von Infekten auf. Auch hohes Fieber ist bei Kleinkindern keine Seltenheit. Das Fieber selbst ist dabei keine Krankheit, sondern zeigt lediglich, dass sich der Körper eifrig mit der Abwehr von Krankheitserregern beschäftigt. Fieber bei Kindern ist deshalb nicht immer gleich ein Grund zur Sorge. Dennoch sollten Sie einige Aspekte beachten.

Warum tritt Fieber bei Kindern und Kleinkindern häufiger auf?

Es ist bekanntermaßen so, dass Krippen und Kindergärten nicht nur ein Tummelplatz für Kinder sind, sondern auch für Viren und Bakterien. Eltern können das in der Regel aus leidvoller Erfahrung bestätigen – eine Ansteckungs- und Krankheitsphase folgt in den ersten Lebensjahren der nächsten. Zumeist informiert ein Aushang in der Einrichtung über kursierende, ansteckende Erkrankungen – unzählige Viren können indes aber weder erfasst noch umgangen werden.
Die Folge ist, dass Kinder jährlich durchschnittlich bis zu acht Infekte wie beispielsweise Erkältungen oder Mittelohrentzündungen mit nach Hause bringen.1

Das kindliche Immunsystem steckt zudem insbesondere in den ersten Lebensjahren noch in der Trainingsphase – das Abwehrsystem muss sich erst daran gewöhnen, sich selbstständig und erfolgreich mit den Erregern auseinanderzusetzen. Begleiterscheinungen wie Fieber sind daher bei Kindern und Kleinkindern nichts Ungewöhnliches. Das Immunsystem arbeitet im Krankheitsfall einfach auf Hochtouren und bildet sich mit jedem Infekt weiter aus.

Temperatur bei Kindern: 37,5 Grad sind noch kein Fieber

Eltern sind sich oftmals unsicher, ab welcher Temperatur bei Kindern überhaupt von Fieber gesprochen werden kann. Kinderärzte machen in Bezug auf Fieber bei Kindern und Kleinkindern folgende Angaben, nach denen Sie sich richten können:2

  • Die Körpertemperatur eines gesunden Kindes liegt zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius.
  • Bei Messwerten zwischen 37,6 und 38,5 Grad Celsius ist die Temperatur erhöht.
  • Ab 38,5 Grad Celsius hat das Kind Fieber.
  • Ab 39 Grad Celsius ist Fieber bei Kindern als hoch einzuordnen.
  • Wenn die Temperatur 41 Grad Celsius überschreitet, liegt eine sogenannte Hyperthermie vor.

Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs immer einen Arzt aufsuchen, wenn das Fieber bei Kindern über 39 Grad Celsius steigt oder das Kind sehr ausgeprägte, weitere Krankheitsanzeichen aufweist. Dazu zählen starke Müdigkeit oder Symptome wie Ohrenschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Hohes Fieber bei Kindern und Kleinkindern kann beispielsweise auch ein Hinweis auf eine Ansteckung mit einem Grippevirus oder eine Lungenentzündung sein. Ebenso sollten Sie zum Arzt gehen, wenn das Fieber länger als zwei Tage andauert oder es sich nicht mit Medikamenten oder Hausmitteln wie Wadenwickeln senken lässt.

Für fiebernde Babys gelten andere Maßstäbe, insbesondere bei Neugeborenen unter drei Monaten: Ab einer Körpertemperatur von 38 Grad Celsius sollte hier der Weg zum Kinderarzt führen.

Fieber bei Kleinkindern schmerzfrei und genau messen

Auch wenn der ein oder andere Kandidat möglicherweise mit Protest reagiert, die rektale Messung über den Po hat sich in Studien als die genaueste Methode erwiesen. Um beim Fiebermessen eine möglichst exakte Temperaturangabe zu erhalten, ist diese Variante daher immer der Temperaturerhebung in Mund, Ohren oder Achselhöhlen vorzuziehen.3 Digitale Thermometer gibt es in jeder Apotheke zu kaufen. Diese enthalten im Gegensatz zu älteren, analogen Modellen kein giftiges Quecksilber, das bei Bruch austreten könnte.

Um die Messung möglichst schmerzfrei und angenehm durchzuführen, wärmen Sie das Thermometer vorab in der Hand kurz an und bestreichen Sie die Spitze mit etwas Fettcreme. Das Einführen gelingt in Seitenlage mit leicht angewinkelten Beinen am einfachsten.

Fieber bei Kindern und Kleinkindern behandeln

Fieber bei Kindern muss als Symptom nicht zwangsläufig immer sofort unterdrückt oder beseitigt werden. Sofern sich das Kind trotz der erhöhten Temperatur gut fühlt und das Fieber unter 39 Grad Celsius bleibt, sind fiebersenkende Maßnahmen nicht notwendig. Der Körper kann das Fieber nutzen, um sich aktiv mit Krankheitserregern auseinanderzusetzen, den Stoffwechsel anzukurbeln und Abbaustoffe abzutransportieren. Sollte sich das Kind jedoch erkennbar mit dem Fieber und anderen Krankheitsanzeichen abmühen, kann und sollte zu Fiebersenkern gegriffen werden.

In Absprache mit dem Kinderarzt können Sie Ihrem Kind Fieberzäpfchen verabreichen, die üblicherweise die Wirkstoffe Ibuprofen oder Paracetamol enthalten. Acetylsalicylsäure (ASS) ist für Kinder dagegen tabu, da der Wirkstoff das sogenannte Reye-Syndrom auslösen und schwere Organschäden verursachen kann. Fragen Sie Ihren Kinderarzt auch bei anderen Krankheitsanzeichen nach geeigneten Medikamenten – Hustenreiz lässt sich mit einem Hustenstiller lindern und eine verschnupfte Kindernase mit geeigneten Nasentropfen.

Fieber bei Kindern mit Wadenwickeln und Co. senken

Fieber bei Kindern und Kleinkindern kann sehr gut mit Hausmitteln behandelt werden. Zu den Klassikern unter den natürlichen Fiebersenkern zählen Wadenwickel. Beachten Sie vor dem Anlegen der feuchten Tücher folgende Punkte:

  • Wickel nicht während eines Fieberanstiegs legen.
  • Kein eiskaltes Wasser verwenden. Die Temperatur der Tücher sollte in etwa zehn Grad Celsius unter der Körpertemperatur des Kindes liegen.
  • Die Wickel alle zehn Minuten erneuern.
  • Wadenwickel frühestens bei Kindern ab dem sechsten Lebensmonat anwenden.4

Quarkwickel haben sich ebenso als Fiebersenker bewährt. Streichen Sie dazu fingerdick kühlen Magerquark zwischen Baumwolltücher und wickeln sie diese um die Unterschenkel. Wickel-Fertigsets gibt es auch in der Apotheke zu kaufen. Alternativ zu Wadenwickeln oder wenn das Kind diese als sehr unangenehm empfindet, können Sie auch Handpulswickel machen. Ihnen wird in erster Linie eine kreislaufstärkende Wirkung nachgesagt. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Kind bei Fieber ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, etwa ein Liter sollten es pro Tag sein.

Wenn Sie sich unsicher sind, ab welcher Temperatur bei Kindern fiebersenkende Maßnahmen sinnvoll sind, zögern Sie nicht, bei Ihrem Kinderarzt nachzufragen.

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1 Deutsches Grünes Kreuz für Gesundheit e.V., Normale Infektanfälligkeit oder Immundefekt? URL: http://dgk.de/presse/sondermeldungen/normale-infektanfalligkeit-oder-immundefekt.html (21.3.2018).
2 Was ist Fieber? Internetseiten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V., URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/fieber/ (21.3.2018).
3 Accuracy of Peripheral Thermometers for Estimating Temperature: A Systematic Review and Meta-analysis. URL: http://annals.org/aim/article-abstract/2470325/accuracy-peripheral-thermometers-estimating- temperature-systematic-review-meta-analysis (14.3.2018).
4 Ursula Uhlemayr, Wickel & Co. Bärenstarke Hausmittel für Kinder; URS-Verlag, S. 114-117.