Oje, das Kind glüht ja! Fieber bei Babys

Babys sind zarte Wesen, aber robuster als die meisten Eltern denken. Im ersten Lebensjahr haben auch schon Säuglinge mit acht bis zwölf1 – zumeist harmlosen – Infektionen zu tun und stecken diese in der Regel problemlos weg. Bei Krippenkindern fällt die Infekt-Quote oftmals sogar noch höher aus. Aber keine Sorge: Fieber ist in vielen Fällen mit Hausmitteln gut in den Griff zu bekommen. Bei hohem Fieber und bei Neugeborenen heißt es aber stets – ab zum Kinderarzt. Was Sie beachten sollten, wenn Ihr Baby Fieber hat, lesen Sie hier.

Mein Baby hat Fieber – wann soll ich zum Kinderarzt?

Eines vorneweg: Fieber bei Babys unter drei Monaten sollte vorsichtshalber immer von einem Kinderarzt abgeklärt werden. Steigt bei kleinen Babys das Fieber über 38 Grad Celsius, kann die erhöhte Temperatur auf Infektionskrankheiten wie beispielsweise eine Mittelohrentzündung hinweisen. Infekte sind für Neugeborene besonders schwierig zu bekämpfen, da ihr Immunsystem noch nicht hinlänglich ausgereift ist. Eltern sollten bei Neugeborenen in den ersten drei Lebensmonaten deshalb keinesfalls abwarten und bei Fieber sofort den Rat eines Kinderarztes einholen.

Bei Säuglingen, die älter als drei Monate sind, gilt: Gehen Sie zum Kinderarzt, wenn das Fieber bei Ihrem Baby über 39 Grad Celsius steigt beziehungsweise einer oder mehrere der folgenden Faktoren auftritt:

  • Das Fieber des Babys hält länger als 24 Stunden an.
  • Maßnahmen wie fiebersenkende Zäpfchen oder Wadenwickel zeigen keine Wirkung.
  • Das Baby leidet unter Schüttelfrost oder Fieberkrämpfen.
  • Es zeigen sich deutliche Krankheitsanzeichen wie Schwäche, Durchfall oder Erbrechen.
  • Die Haut des Kindes weist einen Ausschlag auf oder eine ungewöhnliche Farbe.
  • Das Baby trinkt nicht ausreichend.
  • Die Eltern fühlen sich in irgendeiner Weise unsicher.

In den meisten Fällen wird der Kinderarzt die Ursache des Fiebers schnell feststellen können. Zumeist stecken Erkältungs- oder Magen-Darm-Viren hinter der erhöhten Temperatur. Manchmal kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung wie eine Lungenentzündung oder eine echte Grippe der Grund für das Fieber bei Babys sein. Hier muss der Kinderarzt weitergehende Untersuchungen durchführen und dazu beispielsweise Blut abnehmen oder ein Röntgenbild anfertigen.

Ab welcher Temperatur hat mein Baby Fieber?

Die Körpertemperatur ist eine sehr individuelle Angelegenheit: Während der eine von Natur aus „heißblütig“ ist, kann die Grundtemperatur beim anderen vergleichsweise „unterkühlt“ ausfallen. Generell lässt sich aber sagen, dass die Körpertemperatur bei einem gesunden Kind zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius liegt. Am Morgen ist die Temperatur zudem durchschnittlich um 0,5 Grad Celsius niedriger als abends.

Von erhöhter Temperatur spricht man, wenn sich der Wert zwischen 37,6 und 38,5 Grad Celsius bewegt. Stellen Sie einen Temperaturanstieg auf über 38,5 Grad Celsius fest, hat das Baby Fieber – bei mehr als 39 Grad Celsius hohes Fieber. Ein Baby kann aber auch ohne Fieber mit einer Infektion kämpfen und stattdessen andere Krankheitsanzeichen wie ausgeprägte Müdigkeit zeigen.2

Wie messe ich bei meinem Baby richtig Fieber?

Der ein oder andere Elternteil erinnert sich möglicherweise noch an die eigene Kindheit und weiß, schon die letzte Generation hat Fieber vorzugsweise im Po gemessen. Auch wenn sich die rektale Messung über den After nicht unbedingt großer Beliebtheit erfreut, ist sie doch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die genaueste Methode. Messungen in Ohr, Mund oder Achselhöhle sind ebenso möglich, liefern aber zumeist ein weniger genaues Ergebnis. Außerdem sollten Sie auf digitale Fieberthermometer setzen, die Sie in der Apotheke kaufen können. Im Gegensatz zu analogen Thermometern enthalten sie kein giftiges Quecksilber.

Um bei Ihrem Baby Fieber zu messen, legen Sie es am besten auf eine weiche Decke in Seitenlage auf die Wickelkommode und führen ihm die Spitze des Thermometers vorsichtig in den After ein. Sie können die Spitze dazu auch mit etwas Fettcreme bestreichen. Stützen Sie Rücken und Beine Ihres Babys, damit es sich nicht plötzlich dreht. Wenn Ihr Kind es mag, singen Sie ihm während des Messvorgangs ein Liedchen vor, um es für den Moment abzulenken.

Welche Medikamente können bei Babys mit Fieber eingesetzt werden?

Medikamente sollten bei Babys grundsätzlich nur in Absprache mit dem Arzt zur Anwendung kommen. Vor allen Dingen bei der Dosierung ist Genauigkeit unbedingt nötig. Bei einer Körpertemperatur von über 39 Grad Celsius kann der Arzt fiebersenkende Mittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol verschreiben. Für Fieber beim Baby haben sich hierbei Zäpfchen als Darreichungsform bewährt. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) ist für Kinder indes tabu, er kann das sogenannte Reye-Syndrom auslösen, das in Leber und Gehirn schwere Schäden verursacht. Lesen Sie mehr über Schmerzmittel für Kinder.

Fieber bei Babys mit Hausmitteln behandeln

Wenn die kleinen, zerbrechlich wirkenden Wesen fiebern, bekommen Eltern schnell ein mulmiges Gefühl im Bauch. Grundsätzlich ist die erhöhte Temperatur aber eine gesunde Abwehrreaktion des Körpers auf Krankheitserreger und sollte daher nicht pauschal unterdrückt werden. Denn der Fieberprozess aktiviert Stoffwechselvorgänge im Körper, die wiederum belastende Abbaustoffe schneller ausschaden lassen. Zudem wird die Produktion von Abwehrzellen wie Lymphozyten erhöht, um die Erreger zu bekämpfen.

Vorausgesetzt das Fieber Ihres Babys übersteigt nicht die 39 Grad Celsius-Marke, müssen Sie also nicht zwangsläufig zu fiebersenkenden Maßnahmen greifen. Wichtig ist dabei immer, dass Ihr Kind keine anderen ausgeprägten Krankheitsanzeichen zeigt und ausreichend Flüssigkeit (etwa ein Liter täglich) zu sich nimmt. Als Hausmittel gegen Fieber bei Babys haben sich mehrere Methoden bewährt:

  • Waden- und Pulswickel: Letztere können von Geburt an angewandt werden, Wadenwickel erst ab dem sechsten Lebensmonat.3 Für Wickel gilt das gleiche wie für fiebersenkende Medikamente – wenn das Kind nicht unter der erhöhten Temperatur leidet, müssen sie nicht zur Anwendung kommen. Wickel werden zudem nicht im Fieberanstieg angelegt. Ansonsten gilt: Die feuchten Waden- oder Pulswickel sollten nicht eisig-kalt, sondern lediglich angenehm-kühlend wirken. Wenn die Wickel-Tücher nach etwa zehn Minuten die Körpertemperatur angenommen haben, sind sie zu erneuern.
  • Stoffwindeln benutzen: Bei Fieber schwitzen Babys möglicherweise stärker, sodass in einer herkömmlichen Kunststoff-Windel ein warmfeuchtes Milieu entsteht. Das fühlt sich für Babys unangenehm an und kann die Entstehung von Hautausschlägen beziehungsweise einer Windeldermatitis begünstigen. Eine Stoffwindel ist daher bei fiebernden Babys eine gute Alternative.
  • Wärmende Tees: Wenn Sie Ihr Kind stillen, bekommt es bereits viel Flüssigkeit mit der Muttermilch. Hat Ihr Baby Fieber, kann zusätzliche Flüssigkeit dennoch nicht schaden. Die klassischen Teesorten Kamille und Fenchel haben sich als wohltuend bewährt. Babys und Kinder sollten grundsätzlich nur ungesüßten Tee trinken.
  • Globuli gegen Fieber bei Babys: Homöopathische Mittel können im Krankheitsverlauf begleitend eingesetzt werden – hierzu sollten Sie sich aber von einem homöopathisch erfahrenen Kinderarzt oder Heilpraktiker beraten lassen.

Was ist das Drei-Tage-Fieber?

Das Drei-Tage-Fieber, fachsprachlich Exanthema subitum genannt, kommt bei Babys sehr häufig vor. Die Infektionserkrankung wird durch einen menschlichen Herpesvirus ausgelöst und ist mit hohem Fieber verbunden, das sich über drei bis vier Tage hinzieht. Sobald das Fieber beim Baby abklingt, zeigt sich ein Hautausschlag, der nach einigen Tagen verschwindet. Eine spezielle Behandlung ist nicht erforderlich, die Erkrankung heilt von alleine aus.

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1 Internetseiten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V. Wie viele Infekte sind bei kleinen Kindern noch „normal“? URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-viele-infekte-sind-normal/ (14.3.2018).
2 Accuracy of Peripheral Thermometers for Estimating Temperature: A Systematic Review and Meta-analysis. URL: http://annals.org/aim/article-abstract/2470325/accuracy-peripheral-thermometers-estimating-temperature-systematic-review-meta-analysis (14.3.2018).
3 Uhlemayr, Ursula: Wickel & Co. Bärenstarke Hausmittel für Kinder. Dietikon-Zürich: URS-Verlag 2016. S. 114-117.